Die Südwestdeutsche Philharmonie bekommt eine Intendantin, die auch gerne selbst auf der Bühne steht und Klassik nicht als Exklusiv-Programm für Bildungsbürger sieht. Der Gemeinderat hat am Dienstag in nicht-öffentlicher Sitzung Insa Pijanka an die Spitze des städtischen Orchesters gewählt. Sie war nach Informationen des SÜDKURIER nach mehreren Bewerbungsrunden als einzige Kandidatin für die Nachfolge von Beat Fehlmann übrig geblieben. Ins Amt startet sie mit einem großen Vertrauensvorschuss aus der Politik: Bei der Wahl erhielt sie 35 Ja-Stimmen und nur eine Nein-Stimme.

Uli Burchardt freut sich über die Entscheidung

Oberbürgermeister Uli Burchardt war sichtlich erfreut, als er das Wahlergebnis mitteilte. Pijanka selbst, die die Stelle zum 1. Januar 2019 antritt, sich aber bis dahin auch vor Ort in Konstanz einarbeiten will, zeigte sich hoch erfreut. Sie werde alles tun, der großen Zustimmung und dem enormen Vertrauen aus der Wahl gerecht zu werden. Während die Spielzeit 2018/2019 bereits weitgehend geplant sei, werde ihre Handschrift ab Herbst 2020 verstärkt sichtbar, in einer Intendanz, in der "ich den Konstanzern hoffentlich ein spannendes Programm anbieten kann".

"Natürlich bin ich eine Rampensau, aber wer ist das im Theaterbereich nicht", sagt Insa Pijanka. Derzeit arbeitet die designierte Nachfolgerin von Philharmonie-Intendant Beat Fehlmann noch in Kassel, als Orchesterdirektorin und Konzertdramaturgin des Staatstheaters. Bereits im ersten Gespräch mit ihr wird klar: die progressive Ader des Schweizers findet sie gut. "Von mir aus könnte man diese sogar noch weiter treiben", sagt sie dieser Zeitung. Sie verfolge den Gedanken von Gerorge Gershwin. Es gebe nur gute oder schlechte Musik, die althergebrachte Unterscheidung zwischen ernster und Unterhaltungsmusik hält sie "für überkommen und schlichtweg Quatsch". Wichtig für sie sei bei der Symbiose aus beidem nur, weder anbiedernd, noch billig daherzukommen. Die Arrangements müssten wohl durchdacht sein, oder wie Insa Pijanka sagt: "Einfach nur machen, damit man es macht, das hat keinen Sinn."

Die 1974 geborene Pijanka hält nicht nur große Stücke auf die inhaltlische Arbeit ihres Vorgängers. "Finanziell leistet Beat Fehlmann seit Jahren fantastische Arbeit, die Geschäftsberichte sind schlicht beeindruckend", fügt sie hinzu. Den Balanceakt zwischen organisatorischen Aufgaben und künstlerischem Arbeiten will Insa Pijanka auch in Konstanz nicht aufgeben. Am Staatstheater Kassel sei sie zuletzt vom Dienstplan des Orchesters bis zur Finanzplanung für ein weites administratives Feld ebenso verantwortlich gewesen, wie für die Dramaturgie einzelner Inszenierungen. "Der Blick auf beides war mir immer wichtig und wird es immer sein", sagt sie. Eigentlich ist es ein Blick für drei Dinge, denn Pijanka steht auch gerne auf der Bühne.

Sie bezeichnet das als Ergänzung, nie dürfe sie als wichtiger wahrgenommen werden als das Orchester. Die eigene Bühnenpräsenz will sie deshalb dosiert einsetzen, auch das kennt man bereits von Fehlmann: Einführungen oder moderierte Kurzkonzerte auf Augenhöhe mit den Zuhörern. "Mich öffentlich zu machen, dient auch der Kommunikation mit dem Publikum und das wiederum hilft, das Programm zu verbessern", erklärt sie. Ein Graus sei es ihr, wenn der eigene Auftritt ins Dümmliche abgleite. Davon abgesehen scheint die Richtung unter der studierten Politologin, Historikerin und Soziologin allerdings vorgezeichnet: "Wie kriegen wir auch junge Leute zur Philharmonie, darum wird es künftig gehen."

 

Neue Spielzeit

Wie stellt sich die Südwestdeutsche Philharmonie unter ihrer neuen Chefin auf? Genauere Antworten dazu dürfte eine Pressekonferenz am Mittwoch liefern: Das Orchester stellt sein Programm für die nach den Sommerferien beginnende neue Spielzeit vor. Ungewöhnlich ist der Ort – es ist die Geschwister-Scholl-Schule, mit der die Philharmonie eine besondere Partnerschaft eingehen will. Der Termin am Tag nach der Intendanten-Wahl legt nahe, dass auch die neue Chefin selbst ihre Ideen darlegen wird. Der SÜDKURIER berichtet aktuell.