"Mäuse – Ein Kuddel-Muddel-Rap-Musical" lautet der Titel der kommenden Aufführung der Theatergruppe Don Bosco. Ein wahres Kuddel-Muddel – in bester Wertschätzung – ist auch die Zusammensetzung der Darstellerriege: behinderte Menschen, sieben- bis achtjährige Kinder, sowie Menschen aus Bosnien, Russland, Rumänien und Bulgarien.

Vor zwei Jahren noch in Bosnien und bald Spezialistin für Pflegerecht?

Dijana Osmanovic kam vor zwei Jahren aus Bosnien. In einem einjährigen Intensivkurs habe sie Deutsch gelernt. Inzwischen warte sie auf die Anerkennung ihres Jurastudiums. Die Wartezeit überbrückt sie mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr bei der Caritas. Danach will sie eine Ausbildung zur Atempflegerin machen. Wenn ihr Deutsch gut genug sei, wolle sie sich aufs Pflegerecht spezialisieren. "Mäuse" ist ihre erste Theatererfahrung.

"Ich bin eine flexible Person. Daher ist es nicht so schwer für mich. Ich finde es toll, dass wir mit den Kindern und Behinderten so gut klarkommen", erklärt sie. Über das Stück sagt sie: "Ich habe eine ernsthafte Rolle. Ich muss den Kindern beibringen, dass die Mäuse und die Katze eine Lösung finden, damit das Zusammenleben nicht so schrecklich ist".

"Mäuse – Ein Kuddel-Muddel-Rap-Musical" der Theatergruppe Don Bosco. Bild: Nikolaj Schutzbach
"Mäuse – Ein Kuddel-Muddel-Rap-Musical" der Theatergruppe Don Bosco. Bild: Nikolaj Schutzbach

"Ich schaffe das – und ich habe es geschafft"

Nicoleta Blanaru hat noch nie vorher Theater gespielt. "Mir gefällt es, neue Sachen auszuprobieren. Als ich gefragt wurde, habe ich nicht nachgedacht sondern gleich Ja gesagt", erzählt sie. Die Rumänin ist erst seit Mai in Deutschland. Aber sie habe bereits dort einen Deutschkurs besucht. Das Theaterspielen soll ihr helfen, Freunde zu finden und sich hier zu integrieren. Bereits jetzt merke sie, dass sich durch das Proben ihr Deutsch verbessert habe. "Am Anfang tat ich mir schwer mit den Liedern, und ich konnte die Sätze nicht richtig sagen.

Ich wollte schon aufgeben. Ich habe mir dann gesagt, ich schaffe das – und ich habe es geschafft", erzählt sie. Sie früher in einer Schneiderei gearbeitet und nähe für sich selbst. Für das Stück habe sie die Röcke und Pelerinen geschneidert. "Das sind leichte Kostüme", berichtet sie.

"Mäuse – Ein Kuddel-Muddel-Rap-Musical" der Theatergruppe Don Bosco. Bild: Nikolaj Schutzbach
"Mäuse – Ein Kuddel-Muddel-Rap-Musical" der Theatergruppe Don Bosco. Bild: Nikolaj Schutzbach

Stolz auf die Leistungen als Schauspieler

"Ich wirke böse und ich sage böse Sachen. Ich bin echt aufgeregt", erzählt Patrick Henninger über seine Rolle in der Marktszene. Er ist ein Bewohner des Seewerks der Caritas. "Ich will meiner Betreuerin den Bericht zeigen", sagt er stolz.

Margaritas Eltern stammen aus Russland. Die Siebenjährige wurde von ihrer Freundin Alissa gefragt. "Ich habe gedacht, es geht darum ein Theaterstück anzugucken. Aber dann war's zum Mitspielen", erzählt sie. "Nichts ist schwierig", sagt sie selbstbewusst über ihre Rolle.

"Das Auswendiglernen geht so"

"Zu spielen finde ich nicht schwer, aber der Text ist schwierig", erklärt die achtjährige Veronika, die aus der Ukraine stammt. Aber so richtig begeistern kann sie sich nicht für das Theaterspielen. "Mir macht der Kindertreff mehr Spaß", sagt sie nachdrücklich.

Alissas Mutter ist Russin. "Sie hat mit Irene zusammengearbeitet", berichtet die Siebenjährige. Obwohl sie das erste Mal Theater spielt, findet sie es nicht so schwierig, aber: "Das Auswendiglernen geht so".

Auf dem Markt warten die kleinen Mäuse unterm Tisch auf ihre Chance. Bild: Nikolaj Schutzbach
Auf dem Markt warten die kleinen Mäuse unterm Tisch auf ihre Chance. Bild: Nikolaj Schutzbach

"Ich brauche etwas Geduld, aber es sind halt Kinder"

Die siebenjährige Lea und die gleichaltrige Emmi kamen durch Margarita zur Gruppe. "Ich habe schon mal getanzt", sagt Lea über ihre Bühnenerfahrung. "Das Proben mach Spaß", ergänzt sie. "Alles macht Spaß und nichts ist schwierig. Ich habe schon mehrmals beim Krippenspiel in der Kreuzkirche mitgemacht", berichtet Emmi.

Christian Pino hat schon öfter Theater – auch in einer anderen Gruppe – gespielt. Vom Sozialdienst der Caritas sei er angefragt worden. In der Marktszene spielt er ebenfalls einen bösen Mann. "Ich habe keine Probleme. Mit den Kindern komme ich gut zurecht. Ich brauche etwas Geduld, aber es sind halt Kinder", erzählt er.

"Mäuse – Ein Kuddel-Muddel-Rap-Musical" der Theatergruppe Don Bosco. Bild: Nikolaj Schutzbach
"Mäuse – Ein Kuddel-Muddel-Rap-Musical" der Theatergruppe Don Bosco. Bild: Nikolaj Schutzbach

Der Mäuseopa mit dem Stock ist auch für Licht und Ton zuständig

Edgar Lehn ist vor 20 Jahren durch einen echten Zufall zur Theatergruppe Don Bosco gestoßen. "Ich wollte nur ein T-Shirt abgeben. Aber da war ein Darsteller abgesprungen und Irene hat mit einen Text in die Hand gedrückt und gesagt: "Lies!" Und so habe ich die Rolle übernommen". Im aktuellen Stück spielt er den Mäuseopa mit Stock. "Wir wollen Emotionen bei den Zuschauern hervorkitzeln", erläutert er. Als gelernter Techniker sei es selbstverständlich, dass er sich um Licht und Ton kümmere.

Christine Kobsch: Seit 28 Jahren in der Gruppe dabei

Christine Kobsch stieß als Zwölfjährige zur Gruppe. Heute ist sie 40 Jahre alt und spielt ein Mäusekind. "Ich bin ein bisschen schusselig", beschreibt sie ihre Rolle. Ganz anders als ihre Aufgabe als Darstellerin, wobei sie sich um die fünf Kinder kümmern muss, die auch Mäusekinder spielen. "Ich leite sie an, weil sie auf mich angewiesen sind", erläutert sie. Außerdem vertritt sie auch Theaterleiterin Irene Sailer in der Regie. "Wir sind recht freundschaftlich verbunden. Ich habe Erfahrung und ich freue mich, dass sie mir das zutraut", erklärt Kobsch.

Premiere am Freitag, weitere Aufführungen über das Wochenende

Die Theatergruppe Don Bosco führt das Stücke "Mäuse – Ein Kuddel-Muddel-Rap-Musical" auf am: Freitag, 27. April, Samstag, 28. April, und Sonntag, 29. April, im Gemeindesaal der Pfarrei Sankt Gallus. Beginn ist jeweils um 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Der Spendenerlös geht an das Haus für demente Menschen Don Bosco.

Die Theatergruppe ist multikulturell und inklusiv besetzt beim Stück "Mäuse – Ein Kuddel-Muddel-Rap-Musical". Vom 27. bis 29. April führt sie das Stück im Gemeindesaal der Pfarrei Sankt Gallus jeweils um 17 Uhr auf. Bild: Nikolaj Schutzbach
Die Theatergruppe ist multikulturell und inklusiv besetzt beim Stück "Mäuse – Ein Kuddel-Muddel-Rap-Musical". Vom 27. bis 29. April führt sie das Stück im Gemeindesaal der Pfarrei Sankt Gallus jeweils um 17 Uhr auf. Bild: Nikolaj Schutzbach

Gründerin und Leiterin ist Irene Sailer. Das Stück hat sie selbst geschrieben. "Die Uraufführung fand vor vielen Jahren in der Musikschule statt", berichtet sie. Dieses Mal komme die Musik aus der Konserve. Wegen der anderen Besetzung, habe sie einige Textstellen anpassen müssen.

Die Mitwirkenden sind Anja Deiringer, Christian Pino, Christine Kobsch, Dijana Osmanovic, Edgar Lehn (Elektriker), Heiner Ehrhardt (Musik, Kulissen), Katja Günnel, Michael Volk, Mona Teufel, Nicoleta Blanaru, Patrick Henninger und die Kinder Alissa, Emmi, Lea, Margarita und Veronika.