Herr Reuter, wie viele Menschen befördern die Konstanzer Stadtbusse denn pro Tag?

Bis zu 40.000 je Tag, an Werktagen sind es etwas mehr, an Sonn- und Feiertagen etwas weniger. Im Schnitt sind es rund 34.000.

Nun haben die Bundesminister Barbara Hendricks, Christian Schmidt und Peter Altmaier einen guten Vorschlag gemacht, um die Kundenfrequenz deutlich zu erhöhen. Verkehrsbetriebe müssten nur die Bus- und Bahnfahrt gratis anbieten. Was halten Sie von der Idee?

Es ist grundsätzlich gut, wenn der öffentliche Nahverkehr von der Politik als wesentlicher Bestandteil einer erforderlichen Mobilitätswende genannt wird. Eine Umsetzung dieser Idee führt allerdings zum Beispiel zu massiven Kapazitätserhöhungen. Unsere Busse sind bereits heute gut ausgelastet. Insbesondere während der Hauptverkehrszeiten wären deshalb deutlich mehr Busse erforderlich, was höhere Kosten und dadurch höhere jährliche Defizite verursachen würde. Auch Fußgänger und Fahrradfahrer würden auf Busse umsteigen, was ein sogenannter unerwünschter Umstiegseffekt wäre, da diese Menschen bislang die umweltverträglichste Form des Vorankommens nutzen. Die Anzahl von Kurzstreckenfahrgästen steigt in der Regel deutlich und verlangsamt damit den Nahverkehr.

Und was ist die positive Seite?

Es gibt Vorteile, die die Nachteile kompensieren. Das sind der absehbare deutliche Anstieg an Fahrgästen und der damit verbundene Umstieg von Auto oder Motorrad auf öffentliche Verkehrsmittel und der somit erzielbare Umwelteffekt. Es fahren weniger Pkw insbesondere in der Konstanzer Altstadt und es gibt mehr Fahrplansicherheit für die Busse. Die Lebensqualität von Anwohnern an stark befahrenen Straßen wächst. Der Busbetrieb wird kosteneffizienter, da auf Fahrscheinverkauf und -kontrollen verzichtet werden kann.

Wie viel Geld ging den Stadtwerken beim Gratis-ÖPNV verloren?

Das sind rund zwölf Millionen Euro pro Jahr.

Wäre kostenloser öffentlicher Personennahverkehr in Konstanz realisierbar, wenn Bund oder Land die Kosten tragen würden?

Ja, unter dieser Voraussetzung wäre dies möglich.

Konsequenterweise müsste auch auf den Fähren die Fahrt kostenlos sein – für all jene, die nicht mit dem Auto übersetzen.

Wenn Erlösausfälle durch Dritte kompensiert werden, kann auch die Fähre mit einbezogen werden.

Fragen: Franz Domgörgen

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