Konstanz Er prägte Schülergenerationen und das Konstanzer Musikleben: Michael Auer geht in den Ruhestand

Am Heinrich-Suso-Gymnasium ist er so etwas wie der Anwalt des guten Tons: Michael Auer, ein Musikerzieher im besten Sinne, blickt auf ein erfülltes Berufsleben zurück. Als Dirigent und Konzert-Organisator bleibt er der Stadt erhalten.

Es werden zwei sehr besondere Tage sein für Michael Auer. Wenn am heutigen Dienstag Reiner Kramer als Schulleiter am traditionsreichen Heinrich-Suso-Gymnasium verabschiedet wird, dirigiert Auer auch so etwas wie seine eigene Abschiedssinfonie. Und dann gleich nochmals, am Donnerstag: Dann steht er zum letzten Mal bei einem Suso-Sommerkonzert auf der Bühne des Konzils und verabschiedet sich von seinen jungen Musikern, einem treuen Schulpublikum und von einem Gymnasium, in dem die Musik als Teil der Herzensbildung im besten Sinne auch in Zeiten des verdichteten achtjährigen Gymnasiums noch einen großen Stellenwert hat.

Dass es 36 Jahre an dieser Schule werden würden, das hatte der junge Lehrer Michael Auer im Januar 1981 kaum im Sinn. Und die ungezählten Schüler, denen er in dieser Zeit als Orchestermusiker, als Chorsänger oder einfach als Teilnehmer an seinem Musikunterricht begegnen sollte, wohl erst recht nicht. Wenn er auf ein erfülltes Berufsleben als Pädagoge zurückschaut, dann ist da vor allem: viel Dankbarkeit. Für die Talente, die er wecken und fördern konnte, für die Begabungen, die sich ihm anvertrauten und formen ließen, für den Rückhalt in der Schule und in der Konstanzer Öffentlichkeit. "Ich habe Glück gehabt", sagt er über seine Stelle am Suso, auf die er kaum zu hoffen wagte.

Michael Auer, der immer für den Stellenwert der Musik gekämpft hat und aus der Schönheit von Musik einen besonderen Anspruch auf Wahrnehmung ableitete, hat aus seiner Traumstelle etwas gemacht, das stellt niemand in Frage. Am Suso hat er den Unterstufen- und den Mädchenchor gegründet, den Musik-Ruf der Schule über Konstanz hinausgetragen und seine jungen Talente bei Konzertreisen in vielen Ländern Europas zu Botschaftern der Stadt gemacht. Und doch, sagt er, ging es ihm nie um den eigenen Ehrgeiz. Die "Stärkung der Kinder und Jugendlichen", das sei immer sein größtes Ziel gewesen.

Was können Musikunterricht und eigenes Musizieren dazu beitragen? Sehr viel, sagt Michael Auer. Musik spreche wie kein anderes Fach die Empfindsamkeit an – und sei genau deshalb so schwer zu unterrichten. "Natürlich hat das etwas mit Begabung zu tun", ist er am Ende seines Berufslebens genauso überzeugt, wie er es zu Beginn war. Wenn ein Kind zu ihm kam und sagte: "Ich bin doch gar nicht musikalisch", lautete seine Antwort: "Warten wir's mal ab". Und auch jenen, die sich schwertaten mit Noten und Melodien, mit Rhythmen und Akkorden habe er immer versucht zu vermitteln: Musik ist Teil unserer Kultur, sich damit auseinanderzusetzen, lohnt sich immer.

Obwohl sein zweites Fach Geschichte ist, hat er während dreieinhalb Jahrzehnten fast nur Musik unterrichtet. Und dabei viele Veränderungen kennengelernt. Das zähe Ringen darum, auch zeitgenössische Musik aus dem Alltag der Schüler einzubeziehen. Aber auch den immer schwieriger werdenden Kampf um die Aufmerksamkeit der zunehmend abgelenkten Jugendlichen. Eine ganze Sinfonie zu hören, ist ein Kraftakt für die Konzentration. Und den flüchtigen emotionalen Moment der Musik zu erspüren, erfordert Ruhe. Dennoch: Über die Wertigkeit von Musik führt Auer keine Diskussion, für ihn ist sie gesetzt. Wie auch die Überzeugung, dass man sie sich erarbeiten muss. Kinder, sagt der Pädagoge, "müssen auch den Respekt vor der Kunst lernen."

Was hat ihn also stärker angetrieben in diesen 36 Jahren als Musikerzieher im besten Sinne – die Liebe zu den Kindern oder die Liebe zur Musik? "Beides", sagt Michael Auer ohne nachzudenken. Mit Kindern wird er ab den Sommerferien nicht mehr so viel zu tun haben. Dem Musikleben der Stadt bleibt er dagegen erhalten: Er leitet auch nach seiner Pensionierung den Konstanzer Kammerchor und organisiert die Reihe "Konzert am Sonntagabend". Die sorgsam ausgewählten Darbietungen in der Bruder-Klaus-Kirche erinnern dann auch künftig daran, wie er einst nach Konstanz zurückkam: Auch weil er den dortigen Kirchenchor leitete und einigermaßen unverzichtbar war, klappte es mit der Stelle am Suso.

Suso-Sommerkonzert

Die musikalischen Ensembles am Heinrich-Suso-Gymnasium, alle Chöre, das Vorstufenorchester, das Jugend-Sinfonie-Orchester und die Sujazzsi-Big- und Junior-Band, laden am Donnerstag, 20. Juli, um 19 Uhr zum swingenden Sommerfinale in den oberen Konzilsaal ein. Auch die Fünftklässler dürfen wieder zeigen, was sie im letzten halben Jahr im Chor gelernt haben. Der Mädchenchor zeigt zum Abschluss seine neue Show mit Songs aus dem Musical Cats, die bereits beim Festival Euromusique gezeigt wurde. Die Besucher erwartet ein locker arrangiertes Programm: Klassische Stücke und Jazz, Rockiges und Poppiges, Hits aus Film und Musical – für eine große musikalische Bandbreite ist gesorgt, verspricht eine Pressemitteilung. Die Leitung teilen sich Michael Auer, Dorothee Eckhardt, Martin Kneer und Reinhard Siegel. Der Eintritt ist frei, Spenden für die musikalische Arbeit am Suso sind willkommen. Saalöffnung ist um 18.40 Uhr, für Platzkarteninhaber bereits um 18.30 Uhr. (sk)

 

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