Es handelt sich um sechs Reihenendhäuser im Schmidtenbühl in Konstanz-Dettingen, fertig gestellt im Herbst 2018 und bezugsfertig. Sie stehen immer noch leer – das ist ungewöhnlich in einer Region, in der um jeden Quadratmeter Wohnfläche gerungen wird. Nicht nur im Schmidtenbühl rätseln die Anwohner, warum die 18 Wohneinheiten in den neuen Gebäuden nicht längst vermietet oder verkauft sind.

Bekannt ist, dass die drei Wohnblöcke der Bausparkasse Wüstenrot gehören

"Zu welchen Konditionen wurden sie von Wüstenrot erworben und besteht nicht eine Pflicht, sie zu verkaufen oder zu vermieten?" wundert sich Bianca Sdrenka, die im Neubaugebiet wohnt.

Auch Maurizio Caré, ein Nachbar Sdrenkas, ist irritiert. Er selbst hat eine Einliegerwohnung in seinem Haus, die einen Baumangel hat. Der Mieter, der zuvor darin gewohnt habe, hat deshalb gekündigt. Caré plante daher, aus der Wohnung vorübergehend eine Ferienwohnung zu machen. Er fragte bei der Stadt an – und bekam prompt eine Absage mit Verweis auf das Zweckentfremdungsverbot. Das ärgert Caré: Schließlich sieht er jeden Tag, wie nebenan etliche vermietbare Wohnungen bereitstehen und nicht genutzt werden.

"Es ist einfach ärgerlich, dass hier fertige Wohnblöcke leerstehen", fasst Bianca Sdrenka zusammen.

Einen interessierten Käufer gibt es schon

Für ein wenig Aufklärung sorgt Ortsvorsteher Roger Tscheulin. Die Wohnblöcke seien im Besitz der Bausparkasse Wüstenrot und sie müssten entsprechend der Vorgaben des Handlungsprogramms Wohnen vermarktet werden: ein Drittel der Wohnungen im preisgedämpften Segment, ein Drittel im geförderten Preisbereich und das letzte Drittel mit freier Preisgestaltung.

„Ganz einfach ist es für Bauträger wohl nicht, die Wohnungen im geförderten Bereich zu vermieten. Tatsache ist, dass die teuren Wohnungen die geförderten quersubventionieren müssen.“
Roger Tscheulin

Wüstenrot habe wohl zunächst versucht, die Wohnungen hochpreisig zu vermarkten. Inzwischen verfolge der Bauträger aber eine andere Strategie, er wolle die Gebäude en bloc verkaufen. Es gebe eine konkrete Interessentin aus dem gemeinnützigen Bereich. "Bei einem solch großen Objekt geht der Verkauf nicht von heute auf morgen".

Tscheulin will sich nicht dazu äußern, wer der Kaufinteressent ist. Wie der SÜDKURIER aus anderer Quelle erfahren hat, soll es sich dabei aber um die Hoffnungsträger Stiftung aus Leonberg handeln, eine christliche Stiftung, die sich in mehreren Städten im württembergischen Raum für Wohnprojekte einsetzt.

Verwaltung ist an den Gesprächen beteiligt

Auch die Stadtverwaltung bestätigt, mit dem Eigentümer der Objekte in engem Austausch zu stehen. Da der Bauherr beabsichtige, die Wohnungen en bloc zu verkaufen, dauere der Prozess noch an. Die Gebäude seien fristgerecht errichtet worden, schreibt Pressereferentin Mandy Krüger.

Die Wobak war nach Gesprächen 2018 nicht mehr interessiert

Ausschließen kann wiederum Hans-Joachim Lehmann, Referent der Geschäftsführung bei der Wohnbaugesellschaft Wobak, dass die Wobak noch im Verhandlungsprozess um die Wohnblöcke steht. "Es hat mehrfach Verhandlungen mit Wüstenrot im vergangenen Jahr gegeben", bestätigt Lehmann, damals ging es auch um die Frage, ob die Wobak die Wohnungen im geförderten Segment übernimmt, später darum, der Wobak das gesamte Ensemble anzubieten.

Allerdings seien die Verhandlungspartner preislich nicht zusammen gekommen, so Lehmann, seither ist das Thema für die Wobak abgeschlossen.

Wüstenrot rechnet mit baldigem Abschluss der Gespräche

Auf Anfrage bestätigt die Wüstenrot Haus und Städtebau Gmbh, dass sie noch Eigentümerin der drei Gebäude in Dettingen mit 24 Wohnungen und 43 Tiefgaragenstellplätzen ist. Allerdings stehe man aktuell in Verhandlungen mit einem konkreten Interessenten, so die Auskunft von Immo Dehnert, Leiter der Kommunikation bei Wüstenrot. Man rechne mit dem Abschluss der Transaktion in den kommenden Wochen.