Die Vereinigung Schwäbisch Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) hat bei der Hauptversammlung in Engen die Richtung vorgegeben: Die 68 Mitgliedszünfte sollen nach der Corona-Pause wieder 2022 ausgiebig mit dem Publikum Fasnacht feiern können. Dies alles coronakonform gemäß der im Februar und Anfang März gültigen Corona-Verordnungen.

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Zuversicht herrscht nun auch bei der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee, zu der fast alle hiesigen Zünfte gehören. Vor dem großen Konvent am Sonntag in Heudorf stehen die Zeichen auf Öffnung der Fasnacht. Dies ist auch das Ergebnis einer Video-Konferenz mit Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutscher Narrenvereinigungen, des Städte- und Gemeindetags und dem Landessozialminister Manfred Lucha. Mit involviert sei auch eine Rechtsabteilung des Ministeriums gewesen, wie Rainer Hespeler, Präsident der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee, berichtet.

Arbeiten an Hygienekonzepten

„Nach dem jetzigen Stand können die Zünfte Fasnacht machen soweit wie möglich und vertretbar. Die Gesundheit steht aber über allem“, erklärt Hespeler gegenüber dem SÜDKURIER. Für Saal-Veranstaltungen gebe es – Stand jetzt – klare Regelungen nach den kürzlich aktualisierten allgemeinen Corona-Verordnungen. Demnach könne auch nach Empfehlung des Sozialministeriums jede Zunft selbst entscheiden, ob die sie 2G- oder 3G-Regeln für Hallen- und Saalveranstaltungen anwende. Bei 2-G erhalten nur Geimpfte und Genesene Zutritt. Dann dürfe die Besucher-Kapazität voll ausgeschöpft werden. Es gebe keine Maskenpflicht und ein Mindestabstand müsse nicht gewahrt werden. „Dies wäre gut zu kontrollieren. Auch Kinder und Jugendliche dürften solche Veranstaltungen besuchen, da sie in den Schulen regelmäßig getestet werden“, nennt Hespeler einen Vorteil. Entscheide sich ein Veranstalter für die 3G-Regel, die auch Personen mit einem aktuellen Schnelltest einbinden, wäre bei denselben Bedingungen wie bei 2G hingegen eine Maskenpflicht für alle Besucher verpflichtend.

„Jede Zunft soll selbst entscheiden, welche der möglichen beiden Regeln sie für die Saalveranstaltungen anwendet.“Rainer Hespeler, Narrenvereinigung
„Jede Zunft soll selbst entscheiden, welche der möglichen beiden Regeln sie für die Saalveranstaltungen anwendet.“Rainer Hespeler, Narrenvereinigung | Bild: Becker, Georg

„Wir geben als Vereinigung keine Empfehlungen für die Zünfte ab. Sie sollen selbst entscheiden, welche Regelungen zum Zuge kommen sollen. Die Veranstalter tragen auch die Verantwortung für Veranstaltung und Kontrollen“, betont der Präsident. „Schwieriger wird es bei den Veranstaltungen im Freien, wie bei Umzügen. Zwar ist das Infektionsrisiko geringer, aber die Kontrollen gestalten sich wesentlich schwieriger“, sagt Hespeler. Unter Federführung des Städte-und Gemeindetags wolle nun das Sozialministeriums unter rechtlichen Maßgaben Konzepte ausloten, welche Möglichkeiten es für Freiluft-Veranstaltungen geben könnte. Dies werde dann mit den Narrenverbänden abgestimmt, verrät Hespeler. „Die Corona-Verordnungen können sich bis zum Februar noch verändern, sowohl positiv als auch negativ“, stellt er klar.

Sie freuen sich, dass bald wieder Fasnacht in der Region stattfinden kann: Präsident Rainer Hespeler (rechts) und Walter Benz von der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee.
Sie freuen sich, dass bald wieder Fasnacht in der Region stattfinden kann: Präsident Rainer Hespeler (rechts) und Walter Benz von der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee. | Bild: Tesche, Sabine

Bereits am 11.11. sind zum Start in die Fasnacht viele Veranstaltungen im ganzen Hegau geplant. Freude herrscht bei vielen Menschen in der Region, dass die Rielasinger Rattlinger-Zunft wieder das beliebte historische Martini-Spiel veranstalten kann. Es soll gleich drei Aufführungen geben, um möglichst vielen Besuchern unter Einhaltung der Corona-Regeln das mit viel hintergründigem Humor unterlegte Narrenspiel genießen zu können (Infokasten). „Die ersten beiden Veranstaltungen vor dem 11.11. gelten auch als Hauptproben. Sie haben aber genauso wie die Aufführung an der traditionellen Fasnachtseröffnung den ganz normalen Charakter des Martinispiels“, erklärt Sylvia Sixta, Schriftführerin bei der Rattlinger-Narrenzunft.

Narren müssen Risiko einkalkulieren

„Wir planen auch vorsichtig für die Kern-Fasnacht ein weitestgehend normales Fasnachtsprogramm. Dies alles unter der Maßgabe der dann gültigen Corona-Verordnungen“, betont sie. Bei den Narrenspiegeln, die wie das Martinispiel unter der Regie von Dagmar Wenzler-Beger stehen, seien die Akteure flexibel und auch für eine kurzfristig nötige, aber derzeit nicht ins Kalkül gezogene Absage gewappnet. Anders sehe dies bei der geplanten traditionellen Party am Schmotzigen Dunschdig in den Talwiesenhallen aus. „Hier müssen wir beim Engagement einer gewohnt zugkräftigen Band finanziell etwas in die Vorleistung gehen“, verrät Sylvia Sixta. „Da unsere Zunft dem Publikum nach der Zwangspause wieder etwas bieten möchte, nehmen wir auch ein kleines Defizit in Kauf, wenn etwa nur eine beschränkte Anzahl an Gästen zugelassen wird“, betont sie.

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Auch die Gerstensack-Zunft Gottmadingen plant eine intensive Fasnacht. Und sie soll stilgerecht am 11.11. mit einem bunten Programm in der Fahr-Kantine starten. „Unsere Zunft will aber noch ausloten, welche Regeln wir anwenden“, sagt Gerstensack-Urgestein Walter Benz, der auch als Vertreter des Präsidiums der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee an der Videokonferenz mit dem Sozialminister Manfred Lucha teilgenommen hatte.