Der Polizeialltag ist kein leichter: Die Arbeitsbelastung ist hoch, die Personaldecke knapp und die Aggressivität steigt – auch in Gottmadingen. Singens Polizeichef Thomas Krebs tourt deshalb übers Land: Der neue Revierleiter im Hegau will sich und die Arbeit seiner Kollegen vorstellen – fein säuberlich sortiert je Gemeinde. Jetzt war er in Gottmadingen, um im Gemeinderat aufzuzeigen, dass zwar fast alles im grünen Bereich ist, aber der Respekt gegenüber den Ordnungshütern zu wünschen übrig lässt. 21 Angriffe auf Beamte habe es im vergangenen Jahr gegeben, so Krebs: „Es ist mir ein Rätsel, wie man so etwas machen kann“, gab er zu bedenken.

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Dabei ist Gottmadingen ein besonderes Pflaster im Hegau. Ein Großteil der Straftaten müsse dem Grenzbereich zugerechnet werden. Wenn die Delikte, die am Zoll von Bietingen zur Anzeige kommen, mitgerechnet werden, dann zählt die Gemeinde zu den übelsten Orten im Kreis und darüber hinaus. Die Kriminalitätsbelastung (siehe Grafik) würde dann deutlich über dem Landesdurchschnitt liegen. Dies aber will Krebs so nicht gelten lassen. Wo immer möglich hat er die Statistik für die Präsentation in Gottmadingen bereinigt. So kann er das Zahlenwerk für die Gemeinde als durchschnittlich präsentieren. Statt 777 Straftaten im Gemeindebereich listet er so 426. Aber auch das ist im Fünf-Jahres-Vergleich rekordverdächtig. 2017 wurden 408 Straftaten registriert, 2016 nur 334. Stabil blieb laut Krebs die Aufklärungsquote. Sie liegt bei 52,3 Prozent, dass heißt etwa jede zweite Straftat konnte von den Ermittlern aufgeklärt werden.

„Trotz der Grenzlage wird Gottmadingen als normaler Landposten betrachtet.“Michael Klinger, Bürgermeister in Gottmadingen
„Trotz der Grenzlage wird Gottmadingen als normaler Landposten betrachtet.“Michael Klinger, Bürgermeister in Gottmadingen | Bild: privat

Wünschenswert wäre, da waren sich Polizeichef, Ratsmitglieder und Bürgermeister Michael Klinger einig, mehr Personal. Acht Beamte sind am Gottmadinger Posten, der auch für Hilzingen, Gailingen und Büsingen zuständig ist, derzeit beschäftigt. Doch die Personalnot betreffe alle Posten und das Singener Revier gleichermaßen. „Ich habe bei 123 Planstellen 99 Beamte zur Verfügung“, so Krebs. Das Manko versuche er gleichmäßig zu verteilen. „Trotz der Grenzlage wird Gottmadingen als normaler Landposten betrachtet“, so Bürgermeister Klinger. Sein Eindruck ist, dass politisch die Zollbeamten mitgewichtet werden. Doch die hätten ja ganz andere Aufgaben, als für die örtliche Sicherheit zu sorgen.

Ein Lob für die Jugend

Krebs lobt die gute Jugendarbeit in der Gemeinde. Während im Landesdurchschnitt nahezu jeder dritte Tatverdächtige unter 21 Jahren alt ist, sei es in Gottmadingen nur etwa jeder fünfte. „Das ist ein gutes Zeichen.“

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Auch verkehrstechnisch sei alles im Lot. „Gottmadingen zeigt deutlich, wo viele Fahrzeuge unterwegs sind, passieren auch mehr Unfälle“, sagt Krebs im Blick auf die Karte mit den Unfallorten, die sich entlang der Ortsdurchfahrt aufreihen. Die statistische Unfallbelastung liege deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Schwer verletzt wurden vier Unfallopfer, zwei weniger als im Vorjahr. Handlungsbedarf sieht der Revierleiter deshalb in Gottmadingen nicht.

„Es ist mir ein Rätsel, wie man so etwas machen kann.“Thomas Krebs, Leiter des Polizeireviers Singen, zu den vermehrten Angriffen auf seine Kollegen.
„Es ist mir ein Rätsel, wie man so etwas machen kann.“Thomas Krebs, Leiter des Polizeireviers Singen, zu den vermehrten Angriffen auf seine Kollegen. | Bild: Ingeborg Meier

Anders FW-Gemeinderat Walter Beyl: „Die Kreuzung der Bundesstraße mit dem Kornblumenweg erscheint mir gefährlich“, fordert er, dort über einen Kreisverkehr nachzudenken. Doch – so Krebs – bei zwei Unfällen im Jahr könne nicht von einem Unfallschwerpunkt gesprochen werden.

„Die Kreuzung der Bundesstraße mit dem Kornblumenweg erscheint mir gefährlich.“Walter Beyl, Freie Wähler in Gottmadingen
„Die Kreuzung der Bundesstraße mit dem Kornblumenweg erscheint mir gefährlich.“Walter Beyl, Freie Wähler in Gottmadingen

Schwerpunkte der Kriminalität

  • Tatorte: „Rund um den Bahnhof und am Platz beim der Hebelschule kommt es am häufigsten zu Straftaten“, erläuterte der Singener Revierleiter Thomas Krebs – vor allem Sachbeschädigungen Schwarzfahren.
  • Diebstahl: Aber auch die Supermärkte schlagen sich in der Statistik nieder. Die Zahl einfacher Diebstähle, zu denen die Untaten der Ladendiebe zählen, betrage 19 Prozent der gesamten Straftaten. Einfacher Diebstahl heißt dabei, dass der Dieb einfach zugreifen kann.
  • Einbruch: Zurückgegangen seien die Fälle von schwerem Diebstahl – wie Wohnungseinbrüche. Nach 47 Fällen 2017 waren es 2018 noch 40 Delikte, die zur Anzeige gebracht wurden. Ermittelt wurde überdies, wie Krebs erläuterte, wegen zweier Raubüberfälle und eines Falles sexuellen Missbrauchs.
  • Verkehr: Dabei geht die Zahl der Unfälle nach Jahren des anstiegs seit 2016 wieder zurück. Mit 92 Verkehrsunfällen hatte die Polizei in Gottmadingen 2018 erstmals seit vier Jahren wieder unter 100 Unfälle zu bearbeiten. (bie)