Der Neubau der Gottmadinger Eichendorff-Schule kann starten. Das Großprojekt geriet zwischenzeitlich ins Stocken, nachdem auf einen Großteil der Ausschreibungen für die Rohbau-Arbeiten teils gar keine oder überteuerte Angebote erfolgten. Eine zweite Ausschreibungsrunde erzielte ein besseres Ergebnis. Dennoch muss die Gemeinde eine beträchtliche Kostensteigerung in Kauf nehmen, wie Bürgermeister Michael Klinger in einer Einwohner-Versammlung in der Gottmadinger Fahr-Kantine vor etwa 70 Besuchern ausführte.

Noch vor einem Jahr hatte die Verwaltung Gesamtkosten von etwa 25 Millionen Euro kalkuliert. Nun erhöht sich die Summe laut Klinger konjunkturbedingt fix um knapp drei Millionen Euro, nachdem 70 Prozent der Gewerke ausgeschrieben und dafür Angebote eingegangen seien. Da auch für die noch fehlenden Arbeiten, wie den Innenausbau, mit Mehrausgaben gerechnet werden müsse, könne das gesamte Projekt bis zu 30 Millionen Euro kosten. Enthalten seien auch Projektkosten, wie der Abriss der alten Eichendorff-Schule. Kostenmindernd wirkten sich Zuschüsse von bis zu fünf Millionen Euro aus. Die Gemeinde rechnet auch Einnahmen durch Grundstücksverkäufe für Wohnungsbau auf dem Areal der Eichendorff-Schule von 2,2 Millionen Euro gegen.

Die Besucher der Einwohner-Versammlung in der Fahr-Kantine applaudieren nach den aktuellen Informationen über den Neubau der Gottmadinger Schule.
Die Besucher der Einwohner-Versammlung in der Fahr-Kantine applaudieren nach den aktuellen Informationen über den Neubau der Gottmadinger Schule. | Bild: Tesche, Sabine

17 bis 19 Prozent teurer

Der Bürgermeister versuchte anschaulich, Vergleiche mit privaten Hausbauten zu ziehen. "Bevor der erste Bagger auf der Baustelle erscheint, sind schon etliche Vorkosten fällig", so Klinger. Seine Ausführungen bauten sich durchaus dramaturgisch auf. Überwogen zu Beginn noch die negativen Aspekte der ermittelten um 17 bis 19 Prozent steigenden Kosten, so versuchte er anschließend großen Optimismus zu versprühen.

"Die finanziellen Möglichkeiten sind durch die gute Entwicklung im Gemeindehaushalt eher noch gestiegen. Auch hierbei schlägt die Konjunktur zu Buche, welche nicht nur die Baupreise erhöht, sondern über die Gewerbesteuer mehr Geld der Gemeindekasse zufügt", zeigte Klinger auf.

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2,2 Millionen Euro anfallender Kosten für den Bau der Schule seien bereits bezahlt, 3,7 Millionen Euro schon in den neuen Haushalt eingestellt. Diese müssten aber durch die Bau-Verzögerung nicht abgerufen werden. Die Gemeinde verfüge über 10,5 Million Euro Rücklagen, die in den Neubau der Schule einfließen sollen.

"Für die kommenden drei Jahre erwarten wir nach dem jetzigen Stand der Finanzplanung Überschüsse von 5,6 Millionen Euro. Eine Großteil geht in die Finanzierung der Schule", so Klinger. Aus Überschüssen sollen aber auch andere wichtige Maßnahmen und Projekte in der Gemeinde bestritten werden. Eine Kreditaufnahme von 3,5 Millionen Euro sei vorgesehen.

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Klinger sieht positive Bilanz

"Die Gemeinde ist bei der Liquidität gut aufgestellt, aber auch bei anstehenden Projekten. Viele scharen schon mit den Hufen", beschrieb Kämmerer Andreas Ley. "Ziel ist es, die Schule finanziell solide zu bauen und den nachfolgenden Generationen keinen riesigen Schuldenberg zu hinterlassen", stellte Bürgermeister Klinger klar. "Die Finanzierungsbilanz wird nach der Endabrechnung positive Zahlen ausweisen.

Wenn es gut läuft, stehen noch ein paar Millionen Euro im Plus", so Klinger. "Wenn die Arbeiten im Plan bleiben, können wir im Sommer 2021 die neue Schule eröffnen", beantwortetw Stadtbaumeister Florian Steinbrenner eine Frage aus dem Publikum, bei der es um mögliche weitere Unwägbarkeiten bei Angeboten von Baufirmen ging.

Und ein Besucher wollte wissen, ob auch eine Turnhalle bei der Schule gebaut wird. "Das würde das Kostenbudget gnadenlos sprengen", betonte Bürgermeister Klinger. Der Platz sei aber so ausgewählt, dass ohne weiteres Anbauten möglich wären.

Wieviele und wo Gottmadingen Hallenflächen benötige, müsse gesondert ermittelt werden. Die Realschüler gehen laut Stadtbaumeister Steinbrenner heute schon in Doppelstunden in die Goldbühlhalle, künftig sei der Weg einige hundert Meter weiter.

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Schule wird doppelt so groß

Knapp 600 Schüler besuchen laut Stadtbaumeister Steinbrenner die Eichendorff-Realschule. Es sei damit zu rechnen, dass die Zahl weiter steige. "Die Grundfläche der Schule wird mit etwa 10 000 Quadratmetern fast verdoppelt. Es gab immer große Engpässe in der alten Schule. Nun kommen auch neue pädagogische Konzepte, wie Lernlandschaften, zum Tragen", so Steinbrenner im SÜDKURIER-Gespräch.