Eine wichtige Hürde ist geschafft: Der Gemeinderat hat zugestimmt, dass die Entwicklung des Konzepts zur Verkehrsberuhigung in Bodman weiter und in Richtung Umsetzung geht. Bürgermeister Matthias Weckbach fasste in der Sitzung am Dienstag bisherige Ideen und Neues in einer Präsentation zusammen. Dabei fokussierte sich die anschließende Debatte vor allem auf den Sinn oder Unsinn einer Einbahnstraßenregelung in der Straße „Im Weiler“ zwischen Kreisverkehr und Weilerkapelle sowie Notwendigkeit und Umfang von Wohnmobilstellplätzen in der Gemeinde.

Über die Kaiserpfalzstraße (rechts) soll der Verkehr nach Bodman zum großen Weilerkapellen-Parkplatz fließen und nicht über den Kreisel, der im Hintergrund links zu sehen ist, in den Ort, da die dortige Straße nicht am Parkplatz vorbei führt. Bild: Gerald Jarausch
Über die Kaiserpfalzstraße (rechts) soll der Verkehr nach Bodman zum großen Weilerkapellen-Parkplatz fließen und nicht über den Kreisel, der im Hintergrund links zu sehen ist, in den Ort, da die dortige Straße nicht am Parkplatz vorbei führt.

Weckbach wies einleitend darauf hin, dass es notwendig sei, Maßnahmen auf den Weg zu bringen: „Wir müssen uns damit beschäftigen oder alles bricht über uns herein.“ Er betonte auch, dass es momentan zwar um das Konzept für Bodman gehe, aber das heiße nicht, dass in Ludwigshafen nichts gemacht werde. Es gehe nur nicht gleichzeitig: „Ich möchte mich auch um Ludwigshafen kümmern.“

Zielvorstellung für die Zukunft

Der Bürgermeister nannte als Ziel, dass der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) möglichst wenig Hemmschwellen haben solle. Es müsse auch alles so in die Parkgebühren eingepreist werden, dass der Gast den Eindruck habe, dass er die Angebote kostenlos nutzen könne. Es laufe darauf hinaus, Parkplätze innerorts abzubauen und saisonal zu verteuern, damit die Leute auf dem Weilerkapellen-Parkplatz parken und mit dem Bus in den Ort fahren. Der Rat hatte dem neuen Multifunktionsgebäude mit Toiletten, Bushaltestelle, Tourist-Info, Rad-Verleihstation und mehr bereits zugestimmt – es soll Aufenthaltsqualität und Angebote schaffen.

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Parkleittafeln sollen den Autoverkehr zu diesem Parkplatz sowie dem Strandbad führen. Und mit dem System Peter Park, das eine datenschutzgerechte Kennzeichenerkennung beinhalte, werde die Bezahlung neu aufgestellt. Wer nicht bezahle, bekomme das Knöllchen direkt nach Hause.

Weckbach kündigte an, dass es kommende Woche Gespräche mit der Verkehrsbehörde und Polizei gebe, um das Konzept zu besprechen. Außerdem werde er mit dem VHB über die Buslinien reden.

Selbstfahrender City-Train-Bus

Zwar ist seit Jahren klar, dass es selbstfahrende Busse in Bodman geben soll, aber jetzt wird es konkret. Weckbach kündigte an, dass im Herbst 2021 ein Pilotprojekt mit einem City-Train, der zum Beispiel Bolu-Express heißen könnte, beginnen könne, wenn der Rat das wolle. Dies solle die Lücke zu den normalen Bussen füllen. Das Ziel: Viele Verbindungen mit kurzen Wartezeiten, um den ÖPNV attraktiv zu machen.

Außerdem stellte Weckbach in Aussicht: „2022 könnte der City-Train regulär fahren.“ Nur ein Problem gebe es noch: Der City-Train fährt nur mit rund zehn Stundenkilometern. Deshalb sollen die Bürger bei dieser Entscheidung ins Boot geholt werden.

Kritik an Einbahnstraßen-Idee

Christoph Leiz (Grüne) nannte das Konzept zwar „eine gute Sache“, aber wollte erst noch Nachjustierungen. Er stellte den Antrag, dass die Straße „Im Weiler“ zur Einbahnstraße ortsauswärts werden solle, um Verkehr einwärts zu unterbinden. Dazu kamen noch weitere Wünsche wie Rad- statt Autoparkplätze am Weltererbe-Spielplatz.

Die Antwort von Kurt Schmidt (SPD) zum Thema Einbahnstraße wurde etwas lauter: „Ich halte das für Unsinn. Es können nicht alle, die zum Strandbad oder Firmen wollen am Verkehrsbrennpunkt Weilerkapelle vorbei.“ Er sagte, er habe auch mit vielen Anwohnern gesprochen: „Die Leute halten das für eine Zumutung.“ Der Antrag scheiterte dann, da lediglich Christoph Leiz und seine Fraktionskollegin Tonja Sailer dafür waren.

Der Verkehr soll künftig so gelenkt werden, so dass er automatisch am Weilerkapellen-Parkplatz (hinten rechts) vorbei kommt.
Der Verkehr soll künftig so gelenkt werden, so dass er automatisch am Weilerkapellen-Parkplatz (hinten rechts) vorbei kommt. | Bild: Löffler, Ramona

Debatte um Wohnmobil-Stellplätze

Schließlich entstand noch eine Diskussion über die Wohnmobilstellplätze: Die fünf am Strandbad lassen oder deutlich mehr am Weilerkapellen-Parkplatz? Petra Haberstroh (Freie Wähler) war für neu und mehr. Michael Koch (CDU) warf die Frage auf, ob sich neue Plätze finanziell lohnen, da das keine Kernaufgabe der Kommune sei. Weckbach sagte, es sei eine Investition in die Zukunft: „Gäste bringen Geld in die Gemeinde.“ Die Wohnmobile kämen so oder so – die Stellplätze böten einen Anlaufpunkt.

Die Mehrheit war schließlich für die Auflösung der fünf Stellplätze am Strandbad Bodman, sobald neue auf dem zu erweiternden Weilerkapellen-Parkplatz entstanden sind.

Entscheidung und wichtige Frage

Das Gremium war bei drei Enthaltungen einverstanden, dass Matthias Weckbach das vorgestellte Konzept komplett vorbereitet. Kurt Schmidt sagte: „Das sollten wir angehen.“

Claudia Brackmeyer (SPD) warf jedoch noch die große Frage auf, welchen Nutzen die Bürger von dem Verkehrskonzept haben, außer vielleicht in die Busse zusteigen zu können und dass Autos aus dem Ort gehalten werden. Sie nannte das Stadtbus-Modell mit einem Euro Fahrpreis in Radolfzell als Beispiel, was man machen könnte.

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Weckbach erklärte jedoch, dass es ein finanzielles Wagnis würde, wenn noch mehr ins Konzept genommen würde: „Das kann man machen, aber man muss es sich leisten können.“ Zudem habe die Gemeinde keinen Stadtverkehr wie Radolfzell.

Suche nach weiteren Zuschüssen

Zur Finanzierung all dieser Maßnahmen sagte Weckbach, dass weitere Fördermöglichkeiten geprüft werden sollen. Die Gemeinde wolle so viel wie möglich über Zuschüsse stemmen. Er konnte daher auf die Frage von Alwin Honstetter (CDU) wie die Finanzierung im Detail aussehen wird, noch nicht sagen.