Das umstrittene, ortsbildprägende Bauprojekt an der Weilerkapellen-Kreuzung in Bodman hat seine erste große Hürde genommen: Der Gemeinderat hat der Bauvoranfrage nach einer längeren Diskussion grünes Licht gegeben. Der Antrag von Alwin Honstetter (CDU) in der Sitzung, einen Bebauungsplan für diesen Bereich des Orts aufzustellen, scheiterte. Die Debatte zeigte einen ähnlichen Widerstand wie im Bauausschuss, der das Thema zwei Mal beraten und schließlich an den Gemeinderat verwiesen hatte.

Ob das vieldiskutierte Mehrfamilienhaus mit derzeit 13 geplanten Wohneinheiten und zwei Gewerbeeinheiten wirklich kommt, ist trotz dieser Entscheidung noch nicht in Stein gemeißelt. Der Gemeinderat hat zwar die Fragen der Bauvoranfrage positiv beantwortet, doch das Denkmalamt hat einen Einwand, den der Investor nun erst angehen müsste. Dann käme die Bauanfrage und erst später irgendwann der Abriss des alten Gebäudekomplexes sowie schließlich der Neubau.

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Mitglieder des Bauausschusses hatten die Firsthöhe und allgemein die Dimension des Gebäudes kritisiert. Dies kam nun auch im Rat auf, während Bürgermeister Matthias Weckbach Lob für das Projekt hatte, das durch seinen Winkel einen Platz zur Kreuzung hin schaffen würde: „Es wäre städtebaulich eine Verbesserung.“

Dieser Häuserkomplex am Eck bei der Weilerkapelle soll abgerissen werden. Der Neubau soll in symmetrischer L-Form mit einem freien Platz an der Ecke entstehen. Es gibt aber viel Kritik an der Bauvoranfrage.
Dieser Häuserkomplex am Eck bei der Weilerkapelle soll abgerissen werden. Der Neubau soll in symmetrischer L-Form mit einem freien Platz an der Ecke entstehen. Es gibt aber viel Kritik an der Bauvoranfrage. | Bild: Löffler, Ramona

Giebelversatz ist noch Problem

Die Untere Denkmalschutzbehörde wolle, dass der Südgiebel zurückgenommen wird, erklärte Weckbach. Es handelt sich um den Gebäudeteil, der in der Kaiserpfalzstraße recht weit bis zum Gehweg reichen würde. Das Amt sieht darin eine Behinderung der Sicht auf die Kapelle aus Richtung Kaiserpfalzstraße. Eine Rücknahme des Giebels würde einen Gebäudeversatz bewirken, also schräge Gebäudeecken.

„Einen Versatz gibt es mit mir dort nicht“, stellte Weckbach klar. „Wenn, dann muss alles gerade sein.“ Petra Haberstroh (Freie Wähler) vermutete, dass das Gebäude dann kleiner würde und vielleicht nicht mehr die anvisierten 13 Wohneinheiten hätte.

Positive Stimmen zum Projekt

Sonja Hildebrand (Freie Wähler) wies darauf hin, dass vielleicht auch Nachbarn irgendwann neu bauen wollen. „Heute braucht man solche Geschosshöhen“, sagte sie im Hinblick auf den Bauplan und die umliegenden Häuser mit niedrigen Stockwerken. Als Frau vom Fach sprach die auch noch Baugrund und Kosten an: „Wir haben in Bodman die Situation, dass der Baugrund nicht einfach ist. Man muss viel Geld in die Gründung stecken. Da muss man ein gewisses Volumen zulassen, damit es sich finanziell lohnt.“

Sie sah das Vorhaben positiv: „Das Gebäude ist so schon ansehnlich. Ich finde das Projekt nicht so schlecht. Wir machen immer nur an den Firsthöhen rum.“

Kurt Schmidt (SPD) findet die das große Haus zwar massig, sagte aber auch: „Mir gefällt die Eckform. Der Blick auf die Kapelle wird besser.“

Blick aus der Straße „Im Weiler“ auf das Haus, das links abgerissen werden soll, und die Weilerkapelle. Diese wird momentan beim Anfahren aus dieser Perspektive teilweise verdeckt.
Blick aus der Straße „Im Weiler“ auf das Haus, das links abgerissen werden soll, und die Weilerkapelle. Diese wird momentan beim Anfahren aus dieser Perspektive teilweise verdeckt. | Bild: Löffler, Ramona

Petra Haberstroh wunderte sich noch über das hohe Dach, aber Hauptamtsleiter Stefan Burger erklärte, dass die Neigung wegen der Gestaltungssatzung so sein müsse. Insgesamt wies er auch darauf hin, dass Passanten die Traufhöhe (Wände) mehr wahrnehmen würden als die Firsthöhe (Dach). Dazu nannte er ein Gebäude in der Sernatingenstraße in Ludwigshafen als Beispiel, das wegen einer höheren Wand als andere Häuser wie ein Störfaktor wirke.

Wunsch nach Bebauungsplan

Alwin Honstetter (CDU) beantragte schließlich die Aufstellung eines Bebauungsplans, der bereits im Bauausschuss angeregt worden war. Claudia Brackmeyer (SPD) merkte an, dass die Gemeinde so Entwicklungen in diesem Bereich von Bodman mitplanen könne. Weckbach erinnerte das Gremium jedoch daran, dass schon mehrere neue Bebauungspläne in Arbeit seien und es mindestens zwei oder drei Jahre dauern würde.

Dietmar Specht (CDU) brachte die Befürchtung ein, dass der Investor abspringen könnte, wenn ein Bebauungsplan Jahre dauere: „Dann haben wir vielleicht jahrzehntelang eine Bauruine.“ Ihm gefielen die vorgestellten Baupläne.

Der mögliche Abriss und Neubau des Hauses an der Ecke (Hintergrund) bei der Weilerkapelle (rechts) ist umstritten.
Der mögliche Abriss und Neubau des Hauses an der Ecke (Hintergrund) bei der Weilerkapelle (rechts) ist umstritten. | Bild: Löffler, Ramona

Entscheidung und aktueller Stand

Der Antrag auf einen Bebauungsplan für den Bereich Weilerkapelle scheiterte bei fünf Ja- zu fünf Nein-Stimmen. Die einzelnen Punkte der Bauvoranfrage hatten zwar jeweils Gegenstimmen und Enthaltungen, aber dennoch die deutliche Ja-Mehrheit.

Investor Heinz Roth von der VHR Verwaltungsgesellschaft Heinz Roth mbH erklärte auf SÜDKURIER-Nachfrage, dass er nun auf die schriftliche Genehmigung der Bauvoranfrage durch die Baurechtsbehörde warte. „Wenn dann die Genehmigung und die Stellungnahme des Denkmalamtes mit berücksichtigt wurde, können wir in die Fein-Kalkulation gehen und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Entscheidungen treffen“, so Roth.

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