Jetzt soll der Gemeinderat über ein umstrittenes Bauprojekt mit 13 Wohneinheiten direkt an der prominenten Weilerkapellen-Kreuzung sprechen. Das hat der Bauausschuss entschieden, nachdem die Bauvoranfrage dort bereits zum zweiten Mal stark diskutiert wurde und erneut kritische Anwohnerstimmen laut wurden.

Die Vorwürfe

Die Sorge um das historische Ortsbild steht im Kern der Bedenken. Bereits in der Bürgerfrageviertelstunde kam die geplante Gebäudehöhe auf und dass der alte Häuserkomplex mehr als 100 Jahre alt sei und erhalten werden solle. Ein Bürger befürchtet auch gewinnmaximierendes Bauen. Er regte an, den Bebauungsplan dieses Ortsbereichs zu ändern. Bürgermeister Matthias Weckbach wies direkt darauf hin, dass einerseits die Wohnverhältnisse heute nicht mehr wie vor 100 Jahren seien. Er erklärte, dass der potenzielle Bauherr alle Punkte, die in der vorangegangenen Sitzung angemerkt worden waren, aufgegriffen habe.

Dieser Häuserkomplex am Eck bei der Weilerkapelle soll abgerissen werden. Der Neubau soll in symmetrischer L-Form mit einem freien Platz an der Ecke entstehen. Es gibt aber viel Kritik an der Bauvoranfrage.
Dieser Häuserkomplex am Eck bei der Weilerkapelle soll abgerissen werden. Der Neubau soll in symmetrischer L-Form mit einem freien Platz an der Ecke entstehen. Es gibt aber viel Kritik an der Bauvoranfrage. | Bild: Löffler, Ramona

Hauptamtsleiter Stefan Burger fasste nochmal die Umgebungsbebauung zusammen, die unterschiedliche Höhe aufweist. Er sagte zur Bauvoranfrage, dass die entstehende Fläche durch die symmetrische L-Form eine Platzsituation schaffen und die Aufenthaltsqualität unterstützen würde.

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Alessandro Ribaudo (CDU) warf die Frage auf, ob die Bauvoranfrage nicht im Hinblick auf die wohnbaupolitischen Grundsätze der Gemeinde vom Bauauschuss an den Gemeinderat verwiesen werden müsste. Alwin Honstetter (CDU) befürchtet, dass der Bau der Straße den Charakter nehmen würde.

Nicht nur Kritik

Es gab aber auch andere Stimmen: „Ich finde, es wäre eine Aufwertung für den ganzen Platz. Die Kapelle sieht man beim Reinfahren nicht“, sagte Christian Pichler (CDU). „Jetzt steht jetzt kompletten Gebäude davor. Der Altbestand ist nicht wirklich schön, sondern heruntergekommen.“ Weckbach schloss sich dieser Meinung an.

Bauherr erklärt seine Pläne

Der potenzielle Bauherr ist die VHR Verwaltungsgesellschaft Heinz Roth mbH im interkommunalen Gewerbegebiet Blumhof. Heinz Roth versteht nicht, dass die Pläne solche Wellen schlagen, wie er im Nachgang der Sitzung schilderte. Auch die Kritikpunkte wundern ihn. „Es ist eine Diskussion mit Halbwissen“, sagte er über bisherigen Debatten im Bauausschuss. Die Gebäude in der Umgebung seien teilweise sogar knapp höher. Lediglich der Hofladen neben dem alten Haus sei niedriger.

Der mögliche Abriss und Neubau des Hauses an der Ecke (Hintergrund) bei der Weilerkapelle (rechts) ist umstritten.
Der mögliche Abriss und Neubau des Hauses an der Ecke (Hintergrund) bei der Weilerkapelle (rechts) ist umstritten. | Bild: Löffler, Ramona

Die Form des geplanten neuen Gebäudes in L-Form ermögliche durch den Platz, der davor entsteht, aus der Straße „Im Weiler“ eine bessere Sicht auf die Kapelle als jetzt. „Die neue L-Struktur erscheint dann von der Straße aus kleiner als der alte Gebäudekomplex“, fasst er zusammen. „Der Architekt kennt die Planung der Gemeinde für die Weilerkapellen-Kreuzung und hat das Projekt entsprechend angepasst.“

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Die Kombination der alten Häuser stehe bis auf die Grundstücksgrenzen. Der Neubau würde Raum zu den Nachbarn hin lassen. Roth betont auch: „Die Traufhöhe ist wichtiger als die Firsthöhe, weil der Betrachter die Mauer sieht.“

Wohnungen zur langfristigen Vermietung

Roth erläutert zu den Plänen außerdem, dass die 13 geplanten Wohneinheiten auf 900 Quadratmetern dringend benötigten Wohnraum in gefragten Größen brächten. Es seien zwar im Dachgeschoss mit Seesicht Verkaufsobjekte geplant, aber im restlichen Gebäude sollen hauptsächlich langfristige Mietwohnungen entstehen. „Da wir ortsansässig sind, war es unsere Idee, vermietbaren Wohnraum zu schaffen“, erklärt er. „Es gibt Bedarf an kleineren Wohnungen.“ Es seien vor allem Zwei- oder Drei- sowie Ein-Zimmer-Wohnungen geplant.

„Man kann nicht jeden Bestand erhalten“, sagt er. Das vordere alte Gebäude sei nicht mehr bewohnbar und die Deckenhöhe betrage lediglich 2,20 Meter. Heute seit der Standard 2,30 oder 2,40 Meter und bei Neubauten sei inzwischen mit drei Metern zu rechnen.

Grundstücke noch nicht gekauft

Roth hat die beiden Grundstücke mit den aneinander gebauten Häusern noch nicht gekauft. Der Kauf komme nur zustande, wenn das Bauprojekt, in das rund fünf Millionen Euro investiert werden sollen, genehmigt werde.

Das Thema soll nun am Dienstag, 17. März, auf der Tagesordnung des Gemeinderats stehen.