Eigentlich hat die Gemeinde seit Sommer 2017 stark gegen Überschwemmungen bei Unwetter aufgerüstet, aber ein wichtiger Baustein fehlt noch: Das geplante Regenrückhaltebecken beim Sportplatz im Fuchsweg. Der Gemeinderat wollte in seiner Sitzung am Dienstag die Vergabe von Betonarbeiten auf den Weg bringen, doch das einzige eingegangene Angebot für die Bauwerke sowie einen kleinen Leitdamm ist mit rund 988 000 Euro fast doppelt so teuer wie veranschlagt. Die Gemeinde hatte mit etwa 481 000 Euro gerechnet.

Gemeinderat Michael Koch (CDU) warf die Frage auf, ob es ohne das Becken ein Problem beim Hochwasserschutz in Ludwigshafen gebe. Die Antwort von Ortsbaumeister Ralf Volber lautete: "Ich kann nicht sagen, dass es kein Problem gibt." Im Neubaugebiet Haiden hat die Gemeinde zwar Maßnahmen ergriffen, um Schlammlawinen bei Starkregen zu vermeiden und den Kernort zu schützen, doch trotzdem bestehe nach wie vor die Gefahr, dass bei einem heftigen Unwetter Wasser in den Ort fließen könnte. Bürgermeister Matthias Weckbach fasste nochmal zusammen, welche Verbesserungen es gab, um Risiken zu minimieren – zum Beispiel größere Durchlässe für das Wasser, die Druck wegnehmen.

Aufgrund des zu teuren Angebots und der Wichtigkeit des Rückhaltebeckens strebte die Verwaltung in der Sitzung an, die Ausschreibung für die Arbeiten aufzuheben. Die zuständige Stelle im Landratsamt hatte bereits grünes Licht dazu gegeben. Rechtlich ist dies möglich, da es die Kostensteigerung von 97 Prozent gibt. Der Plan ist nun, direkt eine Baufirma zu finden, die Einlaufbauwerke aus Beton für das Rückhaltebecken bauen kann, und ihr den Auftrag freihändig zu geben. Dies solle zum einen so schnell wie möglich gemacht werden und zum anderen in einen annehmbaren Kostenrahmen liegen. Alle Gemeinderäte waren sofort dafür und folgten diesem Vorschlag. "Falls es nicht klappt oder sich etwas verzögert, suchen wir eine Interimslösung", versprach Weckbach. Damit ging er auf Kochs Bitte ein, zu klären, ob ein Provisorium möglich wäre, damit es im Sommer bei Starkregen nicht zu ähnlichen Problemen und Unwetterschäden wie 2017 kommen kann.

Das Kippen einer öffentlichen Ausschreibung ist ungewöhnlich. "Ich kann mich nicht erinnern, dass so eine Aufhebung schon mal nötig war", sagte Hauptamtsleiter Stefan Burger auf SÜDKURIER-Nachfrage.

 

Vorarbeiten für Haiden

Im November gab es Vorarbeiten für die Entwässerung des Neubaugebiets Haiden. Der Hochwasserschutz-Kanal wurde unterhalb der Fahrbahn der Stockacher Straße (B31-alt) durchgepresst und führt nun zum geplanten Rückhaltebecken im Fuchsweg beim Sportplatz. Er soll so funktionieren, dass der Staudruck in diesem Regenwasser-Entlastungskanal das Wasser ins Rückhaltebecken bringt. Das Wasser aus dem Becken soll dann den Mühlbach speisen. (sk)