Im Bodensee gibt es Neuankömmlinge zu verzeichnen. Es sind tierische Neuankömmlinge, die im günstigsten Fall für eine Bereicherung der biologischen Vielfalt im Bodensee sorgen, im ungünstigsten Fall jedoch für eine massive Bedrohung des sensiblen Ökosystems Bodensee. Eine Muschel-, eine Garnelen- und zwei Flohkrebsarten aus fernen Regionen sind in den See eingewandert - oder, besser gesagt, eingeschleppt worden. Sie breiten sich schnell aus und machen so inzwischen den einheimischem Arten den Lebensraum streitig. Auf einer Tagung am Institut für Seenforschung in Langenargen wurde diskutiert, on sich diese neuen Tierarten im Bodensee letztendlich als harmlose "Einwanderer" oder als unangenehme und bedrohliche Invasoren im See bemerkbar machen. 

Bei dieser Tagung äußerten Sachverständige, dass durchaus mit Risiken und Nebenwirkungen für die einheimischen Tierarten durch solche Neuankömmlinge zu rechnen sei. Denn einige der tierischen Neuankömmlinge wiesen beachtliche Ausbreitungstendenzen auf. So habe sich beispielweise die etwa um 2003 in den Bodensee eingeschleppte Gerippte Körbchenmuschel massenhaft vermehrt und die Besiedlung des gesamten Sees könne wohl nicht mehr aufgehalten werden, hieß es auf der Tagung von Experten.

Auch der Große Höckerflohkrebs breite sich spürbar aus. Dieser Krebs habe seit seiner Ankunft im Jahre 2002 das gesamte Seeufer des Überlinger Sees erobert. Dabei mache er den kleineren einheimischen Flohkrebsarten das Leben durch Verdrängen aus dem angestammten Lebensraum nicht nur enorm schwer, sondern viele von diesen fresse er kurzerhand auf. Ganz neu im See entdeckt wurde von Fachleuten auch die Donau-Schwebegarnele und der Aufrechte Flohkrebs. 

Diese "Einwanderer" – oder Neozoen, wie sie mit einem Fachbegriff bezeichnet  werden – gelangten aus ihren bisherigen Verbreitungsgebieten (zum Beispiel dem Rhein) vermutlich passiv in den Bodensee. Der Rheinfall bei Schaffhausen wirkt zwar als natürliche Barriere der aktiven Einwanderung von kleinen Wassertieren in den Bodensee entgegen, doch der Mensch sorgt bewusst oder unbewusst dafür, dass Neozoen passiv in den See gelangen können. Dies geschieht zum Beispiel durch Freizeitboote, die nicht nur im Bodensee, sondern zuvor auf irgendwelchen anderen Gewässern herumschipperten. Werden diese Boote vor ihrer Einwasserung nicht gründlichst gereinigt, können die auch mehrere Tage angeheftet am Bootsrumpf überlebenden Kleintiere dann im See Lebensqualität neu finden.

Aber nicht nur das Boot, sondern auch Ausrüstungsgegenstände wie etwa Schwimmwesten, Ankertaue oder Tauchgerätschaften können als Überträger dienen. Daher hat die Internationale Wassersportgemeinschaf Bodensee (IWGB) ein Merkblatt herausgebracht, in dem beschrieben wird, wie der Ausbreitung dieser blinden Passagiere durch sorgfältige Reinigung der Boote und der Ausrüstungsgegenstände entgegengewirkt werden kann.                                                 

Ursprünglich nur an den Unterläufen der ins Schwarze Meer fließenden Flüsse beheimatet, besiedelte der" Große Höckerflohkrebs" die Donau lange Zeit nur bis zum Mittellauf und trat 1992 erstmals in der deutschen Donau auf., einige Jahre später wurde er im auch im Main-Donau-Kanal, im Main und schließlich im Rhein festgestellt , über den er 2002 in den Bodensee eingeschleppt wurde. Der Krebs ist ein Allesfresser. Er ernährt sich räuberisch als Fressfeind von verschiedenen Kleintierarten ebenso wie von abgestorbenen Pflanzenresten. Seine rasche Ausbreitung ist auf seine große Aggressivität zurückzuführen, die bereits zur Minderung der Artenvielfalt und zu lokalem Aussterben bestimmter Kleintierarten geführt hat. ( fws )