Wie können Jugendliche direkt an Politik und Ortsentwicklung beteiligt werden? Mit diesem Thema setzt sich derzeit die Gemeinde auseinander. Seit dem vergangenen Jahr ist es durch eine Änderung der Gemeindeordnung für alle Kommunen in Baden-Württemberg Pflicht, Jugendliche an Planungen und Entscheidungen, die für ihre Interessen eine Rolle spielen, zu beteiligen. In Bodman-Ludwigshafen soll dies nun mithilfe einer App, einer Anwendung für das Mobiltelefon, möglich gemacht werden. „Es geht darum, die Jugendlichen da abzuholen, wo sie sind“, erklärt Rathausmitarbeiterin Svenja Schatz. „Und das ist das Handy.“

Damit die Jugendlichen aus Bodman-Ludwigshafen auch ihre eigenen Gestaltungsideen für die App einbringen konnten, trafen sich elf von ihnen zum Austausch mit Gemeindevertretern und Entwicklern im Ludwigshafener Rathaus. Über verschiedene Kanäle hatten die Verantwortlichen zuvor versucht, die jungen Leute der Gemeinde für die Veranstaltung zu begeistern. Dass sich schlussendlich vergleichsweise wenige von ihnen im Sitzungssaal des Rathauses einfanden, hielt Svenja Schatz für kein schlechtes Zeichen: „Bei mehr Leuten wird es schwer, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.“

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Obwohl auch einige erwachsene Besucher erschienen waren, hielten sie sich ebenso wie die anwesenden Rathausmitarbeiter mit Anmerkungen und Kritik zurück – schließlich sollte die Meinung der Jugendlichen im Fokus stehen. „Ihr seid die Hauptpersonen“, wandte sich Matthias Weckbach daher zu Beginn der Veranstaltung an seine jungen Gäste. „Ihr macht das Ganze.“

Doch was müsste eine App bieten, damit sie in der Lage ist, junge Leute zur Teilnahme an der Gemeindepolitik zu bewegen? Um dies herauszufinden, sollten die Jugendlichen zunächst auf bunten Zetteln notieren, welche Funktionen sie sich für die App wünschen. Wie sich zeigte, waren ihnen unter anderem ein Stadtplan, eine Übersicht über die Vereine und ein integrierter Busfahrplan wichtig. Damit eine Jugendbeteiligung, wie sie auch von der neuen Gemeindeordnung gefordert wird, zustande kommen kann, wünschten sie sich außerdem die Möglichkeit, selbst Vorschläge für neue Jugendräume wie Skateparks machen zu können. „Wir sind diejenigen, die hier noch viel Zeit verbringen“, betonte die 16-jährige Lea Schmidt. „Darum ist es wichtig, dass wir sagen können, wie wir uns etwas für die Zukunft vorstellen.“

Auf Zetteln durften die Jugendlichen ihre Wünsche für die App notieren. Darunter finden sich eine Übersicht über Jobangebote und die Möglichkeit, an Umfragen teilzunehmen.
Auf Zetteln durften die Jugendlichen ihre Wünsche für die App notieren. Darunter finden sich eine Übersicht über Jobangebote und die Möglichkeit, an Umfragen teilzunehmen. | Bild: Marinovic, Laura

Eine App, die genau diese Möglichkeit bietet, wurde von der Firma Hitcom aus Dunningen entwickelt. Mit ihrer Hilfe sollen Jugendliche aktiv an Gemeindeleben und -entwicklung teilnehmen. Interessiert zeigte sich hieran bisher nicht nur Bodman-Ludwigshafen, sondern auch andere Gemeinden Baden-Württembergs. Dennoch soll die App für jeden Ort, an dem sie zum Einsatz kommt, bezüglich Name, Farbe und Funktionen individuell aufgebaut und gestaltet werden.

Wie die Hitcom-Mitarbeiter Andreas Richter und Anna-Maria Skoric im Sitzungssaal präsentierten, können die Jugendlichen mithilfe der App Anregungen und Ideen für die Gemeindeentwicklung äußern. Andere Nutzer sollen hierauf reagieren und den Vorschlag als gut oder weniger gut bewerten oder an Umfragen zu bestimmten Themen teilnehmen. „Ihr könnt damit sehr deutlich machen, was euch wichtig ist und was nicht“, erklärte Andreas Richter und schlug vor, dass Vorschläge, die von vielen Jugendlichen als gut bewertet wurden, zum Thema in einer Gemeinderatssitzung werden könnten. Somit hätten die Jugendlichen die Möglichkeit, nicht nur ihre Wünsche zum Ausdruck zu bringen, sondern sich tatsächlich an der Politik zu beteiligen und mitzuteilen, welche Themen ihnen wichtig sind.

Abgelehnt werden musste jedoch der Wunsch nach einer Chat-Funktion, über die die App-Nutzer sich untereinander über verschiedene Themen austauschen können. Es sei zu aufwendig, hier dauerhaft zu kontrollieren, ob auch beleidigende Kommentare abgegeben werden, und diese dann notfalls zu entfernen, erklärte Andreas Richter.

Zudem müssten die Jugendlichen sich hierfür anmelden, was zu Datenschutz-Problemen führen könnte. Denn wer jünger als 16 Jahre sei, der müsse hierfür die Erlaubnis seiner Eltern einholen oder dürfe die App gar nicht nutzen. Da jedoch ausnahmslos alle Jugendliche von der App profitieren sollen, habe man dafür gesorgt, dass die Funktionen auch anonym genutzt werden können.

Sie setzen sich für eine Jugendbeteiligungsapp in Bodman-Ludwigshafen ein (von links): Anna-Maria Skoric, Matthias Weckbach, Svenja Schatz und Andreas Richter.
Sie setzen sich für eine Jugendbeteiligungsapp in Bodman-Ludwigshafen ein (von links): Anna-Maria Skoric, Matthias Weckbach, Svenja Schatz und Andreas Richter. | Bild: Marinovic, Laura

Um für ein individuelles Design ihrer App zu sorgen, durften die Jugendlichen schließlich auch über den Namen ihrer App entscheiden und aus mehreren Vorschlägen von Richter und Skoric eine Farbe auswählen.

Wann genau die App für die Jugendlichen verfügbar sein wird, ist derzeit noch unklar. Hitcom müsse nun zunächst die Vorschläge umsetzen und prüfen, ob der vorgeschlagene Name bereits vergeben sei, erklärte Andreas Richter. Anschließend würden Grafiker einen Schriftzug entwerfen, bevor es zur erneuten Rücksprache mit der Gemeinde komme. Er stellte daher zwar ein Erscheinungsdatum in einigen Monaten in Aussicht, betonte jedoch, dass dieses auch davon abhänge, wie schnell die Gemeinde die App mit den ersten Inhalten füllen könne. Matthias Weckbach konnte sich vorstellen, in diesen Prozess auch Jugendliche mit einzubeziehen – eine weitere Möglichkeit, um sie am Gemeindegeschehen zu beteiligen.