Eine lange Diskussion, viele Meinungen und schließlich eine Vertagung: Wegen der angedachten Bildung eines gemeinsamen Gutachterausschusses der Verwaltungsräume Stockach, Radolfzell und Höri kochten die Emotionen im Gemeinderat von Bodman-Ludwigshafen hoch. Aufgabe dieses Ausschusses mit eigener Geschäftsstelle soll unter anderem die Ermittlung von Grundstückswerten sein. Das liegt bisher in Gemeindehand. Und genau da wollen es auch viele Räte weiterhin haben.

Hauptamtsleiter Stefan Burger umriss, was die Gemeinde bisher gemacht hat: "Mit Bordmitteln" seien zum Beispiel Kaufverträge auf Kaufwert- und Bodenwertanteil analysiert worden. Das dient zur Ermittlung des Bodenwerts, den die Bürger wissen wollen. Allerdings sei die Zahl der Verträge so stark gestiegen, dass die Verwaltung ein externes Büro beauftragt habe. Die Gemeinde habe eine dreistellige Zahl an Immobilienkaufverträgen pro Jahr. Für einen gemeinsamen Ausschuss, der solche Dinge macht, hätte sich Bodman-Ludwigshafen lieber mit Überlingen zusammengetan. "Aber das Land gibt vor, dass es im Kreis bleiben muss", erklärte Burger. Bürgermeister Matthias Weckbach ergänzte, dass alle Kommunen in Baden-Württemberg betroffen seien.

Klaus Gohl (Freie Wähler) drückte deutlich sein Missfallen aus. Er glaubt, dass der Ausschuss alles schlechter mache und verzögere. Michael Koch (CDU) schloss sich ihm an: "Wir bekommen eine schlechtere Leistung für den dreifachen Preis." Künftig könnten laut der Sitzungsvorlage bis zu 19 000 Euro im Jahr anfallen. Gohl stellte die Frage, was passiere, wenn sich die Gemeinde gegen den Beitritt entscheide. "Dann könnten zum Beispiel Grundsteuerbescheide angefochten werden", so Burger. Alessandro Ribaudo (CDU) warnte davor, in vorauseilendem Gehorsam zu handeln. "Ich würde es einfach drauf ankommen lassen", sagte er. Weckbach sah es allerdings nicht so lapidar, zumal die Grundsteuer derzeit auf Bundesebene diskutiert wird.

Robert Hermann (CDU) betonte, wie wichtig Ortskenntnis in einem solchen Gutachterausschuss sei und diese dann dem Gremium dann fehlen könnte. Alwin Honstetter (CDU) kritisierte zudem, dass der Radolfzeller Stadtrat über die Mitglieder des Ausschusses entscheiden würde. Auch Claudia Brackmeyer (SPD) sah darin ein Problem. Burger erklärte, dass der Stadtrat nur über Vorschläge der Gemeinde entscheiden würde.

Letztendlich schlug Weckbach eine Vertagung vor und der Rat stimmte dafür. In der Sitzung am 18. Dezember soll der Gutachterausschuss nochmal Thema sein. Es ist aber unklar, ob dann eine Entscheidung fällt, da der Rat sich Zeit nehmen möchte