Campen ist wieder angesagt. Seit einigen Jahren wollen immer mehr Menschen relativ unabhängig und dazu an der frischen Luft Urlaub machen. Mit der Corona-Pandemie hat zudem ein Ansturm auf die Campingplätze eingesetzt. Trotz Pandemie brauchen die Menschen Tapetenwechsel und in den Freiluftherbergen, wo das Infektionsrisiko geringer zu sein scheint, fühlen sie sich sicherer.

Stadt Konstanz: Keine Zweitwohnungen

Die Stadt Konstanz als Verpächterin des Campingplatzes Klausenhorn, den die Marketing und Tourismus Konstanz (MTK) GmbH betreibt, hat beschlossen, ab 2021 die Stellplätze für Dauercamper zu reduzieren. Die viele Wochen leerstehenden „Zweitwohnungen“ sollen von Urlaubern genutzt werden können, lautete eine Argumentation. Betroffene, die nach einer Losentscheidung ihre Plätze räumen mussten, waren verärgert und traurig zugleich. Ändern auch die privat geführten Campingplätze auf dem Bodanrück ihr Konzept?

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Voller Platz auf dem Willam

„Wir hätten unseren Platz doppelstöckig belegen können“, sagt Barbara Willam vom Campingplatz Willam bei Allensbach, „aber voller als voll geht nicht.“ Es seien vorwiegend deutsche Urlaubsgäste gekommen. Eine Reise in andere Länder war wegen der Pandemie nicht möglich, oder die Touristen entschieden sich ohnehin bewusst für einen Urlaub im Heimatland. Barbara Willam spricht von einer hundertprozentigen Auslastung des Platzes seit Sommerferienbeginn. „Es gibt mal ein paar freie Plätze, aber das ist kaum der Rede wert“, sagt sie. Auffallend in diesem Ausnahmejahr sei, dass die Zahl der Langzeitgäste gestiegen sei, die nicht nur zwei oder drei Tage blieben. Die bunte Mischung aus Dauercampern und Kurzurlaubern gehörten zu jedem Campingplatz.

Für viele Dauercamper ist ihr Stammferiendomizil ein Stück zweite Heimat, wie hier am Fließhorn.
Für viele Dauercamper ist ihr Stammferiendomizil ein Stück zweite Heimat, wie hier am Fließhorn. | Bild: Scherrer, Aurelia

60 Prozent Dauercamper

200 Stellplätze für Dauercamper hat der Campingplatz Willam, das sind etwa 60 Prozent der Gesamtkapazität. Die Nachfrage von Dauercampern sei sehr hoch. Theoretisch sei es kein Problem, den ganzen Platz mit Langzeiturlaubern zu belegen, sagt Willam. „Aber dann könnten wir keine Touristen im Sommer nehmen“, sagt sie. Auch die Familie Willam habe vor, die Stellplätze für Dauercamper etwas zu reduzieren. Aber ganz ohne Druck. Wenn jemand seinen Stellplatz abgebe, dann werde dieser nicht mehr als Dauerstellplatz ausgewiesen.

Nicole Noller vom Campingplatz Hegne: „Den kompletten Juli und August waren wir zu 100 Prozent ausgebucht. Das hatten wir so nie.“
Nicole Noller vom Campingplatz Hegne: „Den kompletten Juli und August waren wir zu 100 Prozent ausgebucht. Das hatten wir so nie.“ | Bild: Zoch, Thomas

Mehr Touristen auch in Hegne

Auch der Campingplatz Hegne war ausgebucht. Es seien viel mehr Touristen unterwegs gewesen, vor allem aus ganz Deutschland, blickt Nicole Noller, Assistenz der Geschäftsführung, zurück. Die Campingplätze durften ab 18. Mai wieder öffnen. „Erst war es verhalten, aber seit den Pfingstferien hat der Run begonnen, durchgängig“, skizziert Noller, „den kompletten Juli und August waren wir zu 100 Prozent ausgebucht. Das hatten wir so nie.“ Etwa ein Drittel der 100 Stellplätze sei Dauercampern vorbehalten. Noch, denn auch die Betreiber des Campingplatzes Hegne sind froh über jeden Dauercamper, der aufhöre. „Kurzzeit ist heute attraktiver“, sagt Nicole Noller, das sei wirtschaftlich attraktiver. Aber auch auf ihrer Anlage werde kein harter Schnitt vollzogen. „Wir haben Dauercamper, die seit 30 oder 40 Jahren bei uns sind. Die bleiben, bis sie nicht mehr wollen“, sagt Nicole Noller.

Keine Änderung am Fließhorn in Dingelsdorf

Nichts ändern wird sich auf dem Campingplatz Fließhorn in Dingelsdorf. „Feriengäste und Dauercamper: Jeder soll zu seinem Urlaubs-Feeling kommen“, stellt Geschäftsführerin Marion Hornstein fest. Die Nachfrage sei in diesem Jahr sehr hoch. Sie habe täglich 30 bis 50 Anfragen ablehnen müssen, weil der Patz voll belegt gewesen sei. Ihre Philosophie: „Wir befüllen nicht jede kleinste Ecke, dafür haben wir eigentlich immer Notplätze für Wanderer und Radfahrer.“ Auf dem nicht parzellierten Areal stünden 120 Plätze zur Verfügung, zwei Drittel davon sei für Dauercamper.

Infrastruktur lässt nichts anderes zu

Ihr Konzept wollen Marion und Johann Hornstein auch nicht ändern. „100 Durchreisende könnten wir logistisch gar nicht schaffen“, sagt die Geschäftsführerin. Zudem sei die gesamte Infrastruktur nicht auf Gäste mit kürzen Aufenthalten ausgelegt; die Einfahrt sei beispielsweise zu schmal für mehr An- und Abreiseverkehr. Von logistischen Herausforderungen und der Platzstruktur einmal abgesehen, gibt es für das Betreiberpaar weitere Gründe, vorwiegend auf Stammgäste zu setzen: „Man weiß, wer da ist, und es ist mehr Ruhe auf dem Platz. Außerdem sind unsere Dauercamper total hilfsbereit“, sagt Marion Hornstein. Diese familiäre Atmosphäre wollen sie und Johann Hornstein auf keinen Fall missen.

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