In der Gemeinde Allensbach gibt es keine Aktiven des Deutschen Roten Kreuzes mehr. Die seit 2003 bestehende Ortsgruppe unter Regie des Kreisverbands löst sich aus Altersgründen zum Jahresende auf, so deren Leiter Wolfgang Horstmeier. Sieben Helfer habe es zuletzt noch gegeben – fast alle über 70 Jahre alt.

Viele Aufgaben übernehmen konnten diese nicht mehr, die wichtigste waren die Blutspendetermine. Auch die habe die Gruppe nur mit Helfern aus anderen Ortsvereinen machen können. "Wir sieben Leutchen hätten das nicht mehr auf die Reihe gekriegt", so Horstmeier. "Es ist schon Wehmut dabei. Mir lag das DRK am Herzen." Deshalb hatte er vor 14 Jahren nach der Auflösung des Ortsvereins auch die Leitung der Gruppe übernommen – nachdem er zuvor bereits 30 Jahre in der Bereitschaftsleitung aktiv gewesen war.

Der Kreisverband will weiter in Allensbach Präsenz zeigen

DRK-Kreisgeschäftsführer Patrik Lauinger betont: "Das Rote Kreuz wird weiter in Allensbach präsent sein." Mit ambulanten Pflegediensten, Essen auf Rädern, Hausnotruf oder Rettungsdienste – alles von hauptamtlichen Kräften geleistet. Wenn die Gemeinde oder Vereine künftig zum Beispiel bei Veranstaltungen Sanitätsdienste brauchen, könne das beim Kreisverband angefragt werden. Die dortige Bereitschaftsleitung schaue dann, welcher der 15 Ortsvereine im Kreis jemanden schicken könne – allerdings gegen Bezahlung. "Wir verlangen in der Regel fünf Euro pro Stunde", so Lauinger.

Bürgermeister Stefan Friedrich sagt: "Da zeigt sich der Wert des Ehrenamts. Wir müssen rückblickend dankbar sein für alles, was geleistet wurde. Jetzt, wo das fehlt, wird es professionalisiert. Für Besucher eines Fests ändert sich nichts."

Die Sparkasse organisiert das Blutspenden

Immerhin gebe es aber einen Hoffnungsschimmer bei den Blutspendeterminen. Zunächst sah es so aus, als wäre der 5. Dezember zumindest für lange Zeit der letzte in der Gemeinde gewesen. Nun wolle die Sparkasse Reichenau im Jahr 2018 helfend einspringen. Sparkassendirektor Johann Roth bestätigt, dass sechs bis sieben Azubis seines Hauses bei allen drei Terminen im Februar, Juni und November von Auf- bis zum Abbau helfen sollen.

Die Sparkasse lesite jedes Jahr ein soziales Projekt mit ihren Azubis. "Die freuen sich darauf. Und ich finde es eine tolle Sache, wenn unsere Azubis auch außerhalb der Sparkasse einen gesellschaftlichen Dienst tun können." Was es dann noch braucht, ist neben dem professionellen DRK-Blutspendedienst einige Aktive aus Ortsvereinen in der Umgebung.

Der Bürgermeister erklärt, das Engagement der Sparkasse sei ein tolles Zeichen. "Das wird vielleicht ein Konzept für die Zukunft." Neben der Sparkasse als Pionier könnten auch andere Firmen dieser Idee folgen. Auch Lauinger meint: "Den Ansatz mit der Sparkasse finde ich klasse."

Denn klar sei, dass der Kreisverband keine Blutspendetermine mache. Man habe in Konstanz und auf der Reichenau angefragt, ob sie die Termine in Allensbach übernehmen könnten. Doch die Nachbarn hätten gesagt: "Wir können das nicht." Und DRK-Aktive aus anderen Ortsvereinen seien zu weit weg, außerdem hätten alle schon eigene Termine. Es gebe ohnehin neben einigen großen DRK-Ortsvereinen im Landkreis auch ein paar sehr kleine, die einen ähnlichen Status wie in Allensbach hätten – so etwa in Bodman-Ludwigshafen, wo es noch sieben Mitglieder gebe. "Da passiert auch nicht mehr viel", erklärt Lauinger.

Der Nachwuchs fehlt überall

In etlichen Ortsvereinen fehle es an Aktiven im mittleren Alter. Die Älteren hören irgendwann auf, Junge gebe es vor allem beim Jugendrotkreuz. Die rein ehrenamtliche Tätigkeit beim DRK sei einfach nicht mehr so attraktiv für viele, räumt er ein. Aufgrund von gesetzlichen Vorgaben, die für die meisten Aufgaben eine Ausbildung erfordern, dürften Ehrenamtliche nicht mehr viel machen: ein bisschen Sanitätsdienst, Blutspende oder Altkleidersammlung. Und die Feuerwehren würden eine höhere Aufwandsentschädigung zahlen.

Horstmeier berichtet: "Wir haben immer wieder Leute angesprochen, ob sie nicht wenigstens bei den Blutspenden helfen wollen. Da kam immer als erstes die Frage: 'Was zahlt ihr?'" Immerhin hätten sich beim letzten Termin fünf Personen als potenzielle Helfer in eine Liste eingetragen. Lauinger und der Bürgermeister meinen, man könne niemanden zwangsverpflichten. Schon bei der 40-Jahr-Feier des kurz darauf aufgelösten Ortsvereins im Jahr 2003 sei das Interesse in Allensbach sehr viel geringer gewesen als andernorts, erinnert sich Lauinger. Vor rund zehn Jahren hätten sich ein paar junge Leute gemeldet, die einen Ortsverein neu gründen wollten. "Die haben sich ein paar Mal getroffen, aber dann hat es sich wieder verlaufen", erinnert sich Lauinger.

Bürgermeister Friedrich meint daher, es würde kaum etwas bringen, wenn die Gemeinde eine Werbeveranstaltung organisiere. Es fehle schließlich auch in anderen Vereinen an Aktiven und vor allem Leuten, die im Vorstand mitarbeiten. "Viele haben die Zeit nicht", meint Friedrich und fügt an: "Es ist eine Kopfsache, ob man das will." Und Lauinger denkt: "Das ist einfach der Wandel in der Gesellschaft." Wobei Friedrich betont: "Wenn sich eine neue Mannschaft findet, vielleicht fünf oder sechs Leute, dann ist die Tür nicht zu bei Herrn Lauinger und mir."

Das DRK in Allensbach

Beim Deutschen Roten Kreuz mangelt es in Allensbach schon seit vielen Jahren an Aktiven und vor allem an Führungskräften. Im Sommer 2003 hatte der Ortsverein noch sein 40-jähriges Bestehen gefeiert – und dabei versucht, neue Mitglieder zu werben. 18 Aktive gab es damals noch, wovon allerdings acht bereits über 60 Jahre alt waren. Als dann wenige Wochen später die Bereitschaftsleiter, die erst kurze Zeit im Amt waren, aus beruflichen Gründen sich verabschiedeten, endete auch die hoffnungsvoll gestartete Jugendarbeit abrupt.

Schließlich wurde der Ortsverein mangels Führung am 22. November 2003 aufgelöst. "Das Datum werde ich nie vergessen", so Wolfgang Horstmeier, der zuvor 30 Jahre als Bereitschaftsleiter beziehungsweise Stellvertreter engagiert war. Er erklärte sich dann bereit, die Leitung der neu gebildeten Ortsgruppe unter der Regie des Kreisverbands zu übernehmen – zusammen mit Gisela Rady, die zuvor ebenfalls lange in der Bereitschaftsleitung war und die dann noch bis 2011 die Blutspendetermine im Ort organisierte. Sie verstarb überraschend im Sommer 2013.

Auch sonst schrumpfte die Ortsgruppe von anfangs 15 auf schließlich sieben Personen, so Horstmeier. Ein DRK-Ortsverein war schon einmal 1933 gegründet worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieser aufgelöst. Und erst 1963 kam es zur Neugründung mit 26 Aktiven. Horstmeier meint mehr voller Wehmut als Hoffnung, dass vielleicht noch ein drittes Mal ein Ortsverein gegründet werde.