Lässig greift sich Katharina mit der rechten Hand ins verwuschelte, blonde Haar und blickt dabei zu Boden. Ihr Mund ist leicht geöffnet. Das weiße, enge Top reicht bis kurz über den Bauchnabel und lässt viel Haut frei. Solariumgebräunte, geölte Haut. Die Jeans ist leicht geöffnet, fast so, als hätte Katharina sie eben erst hoch gezogen. Das grüne Sport-Coupé im Hintergrund? Nebensache. So oder ähnlich sieht ein typisches Miss-Tuning-Motiv aus.

Das ändert sich jetzt 2022 erstmals: Denn nach 17 Jahren geht es bei der Tuning Messe Bodensee erstmals nur um Sportwägen, und nicht mehr um fast nackte Frauen.

Die erste Miss Tuning wurde 2003 gewählt, heißt Katharina Kullmann und stammt aus Überlingen. Damals waren Wet-T-Shirt-Partys und Pamela Anderson noch in. Kein Wunder also, dass die Ästhetik des ersten Miss-Tuning-Kalenders voll den frühen 2000er-Jahre entspricht.

Bild: Tuning World Bodensee

Die Autos treten auch bei Sarah, Miss Tuning 2004, deutlich in den Hintergrund. Ähnliche Outfits wie bei Katharina: enge Tops, kurze Shorts, knappe Triangel-Bikinis. Dazu derbe Cowboystiefel oder knallige Plateau-Highheels. Alles sehr amerikanisch, angelehnt an das Mutterland der Tuning-Szene. Aufgenommen wurden die Bilder übrigens damals in Kalifornien und in Las Vegas.

Bild: Tuning World Bodensee

Achso, Autos: Bei diesem Bild, das 2007 auf dem Flughafen Friedrichshafen entstand, ist dann tatsächlich mal ein bisschen mehr edles Blech zu erkennen. Silvia, im offenen goldenen Latexanzug, posiert vor einem im Hause Hamann getunten BMW. Dahinter: ein Learjet. Ein bisschen erinnert das Bild an eine James-Bond-Szene. Vesper Lynd, die im kurz zuvor erschienenen James-Bond-Film „Casino Royale“ stirbt, steigt aus dem Jet, während James im roten Flitzer auf sie wartet. So oder so ähnlich, vielleicht?

Bild: Tuning World Bodensee

Wie stark die Kalender durch Filmästhetik geprägt sind, zeigt auch das 2008er-Exemplar. Dieses Mal ist Daniela Miss Tuning, für sie geht es in USA zum Shooting. Und während sie sich da so lasziv an den Sportwagen räkelt, fragt man sich: Rast jetzt gleich Vin Diesel im Ford Mustang um die Ecke, weil er sich bei „The Fast and the Furious“ in ein Straßenrennen verwickelt hat?

Bild: Tuning World Bodensee

Rockabilly, Vintage-Mode und amerikanische Straßenschlitten: Darum ging es bei dem Shooting der Miss Tuning 2010, Kristin. Wo findet man dafür bessere Motive als in der Motorcity Detroit? Da gibt es dann die Tankstelle im 1950er-Look und das American Diner – und natürlich viel Haus und ein paar Autos.

Bild: Tuning World Bodensee

Ach, Leonie, bist du auf Instagram oder hat dir gerade dein Date abgesagt? Miss Tuning 2013 war Leonie, heute eine bekannte Influencerin, die als leo_theresa etwa 100.000 Follower hat. Damals poste Leo für den Tuning-Kalender im traumhaften Budapest, im Hintergrund das Wahrzeichen der ungarischen Hauptstadt, die Kettenbrücke. „Anfang der 2010er-Jahre begann die osteuropäische Tuning-Szene mit einer beeindruckenden Entwicklung“, heißt es im Beschreibungstext des Best-Of-Kalenders, der 2021 erschien.

Bild: Tuning World Bodensee

Endlose Wüstenlandschaften, lange, menschenleere Straßen – und mittendrin steht Julia mit ihrem tiefergelegten lila BMW und blickt durch die Spiegelglas-Sonnenbrille. Die konnte sie bei dem sandgelben Licht wohl auch gut gebrauchen, schließlich fand das Shooting des Miss-Tuning-Kalenders 2016 in Dubai statt. Mit Bikinis haben die Emire und Scheichs keine Probleme, solange niemand oben ohne geht.

Bild: Tuning World Bodensee

Nanu, was ist denn jetzt passiert? Fast schon ein bisschen brav und schüchtern wirkt Vanessa, wie sie hier 2019 neben dem grünen Audi R 8 steht. Und das trotz ihrer tätowierten Arme. Dazu ist sie auch noch angezogen – mit einem grünen Badeanzug, der aus vergleichsweise mit Stoff besteht. 2019 fand zuletzt eine Tuning World Bodensee statt, die vergangenen beiden Jahre fiel sie aufgrund der Corona-Pandemie ins Wasser.

Bild: Tuning World Bodensee
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Auch wenn Vanessa weder Achselhaare noch Speckröllchen hat und die Fotos auch keine feministische Handschrift haben, stellte sich offenbar beim letzten Miss-Tuning-Kalender 2019 bereits die Frage, ob sich solche Fast-Nackt-Shootings denn noch mit einem emanzipierten Frauen- und Menschenbild des 21. Jahrhunderts vereinbaren lassen. Die Antwort kennen wir ja jetzt.