Auf High Heels und hüftenschwingend bewegen sich die zwölf Miss-Tuning-Finalistinnen sicher über den Laufsteg. In hautengen schwarzen Overalls, ein professionelles Lächeln auf den Lippen, präsentieren sich die jungen Frauen heute zum ersten Mal dem Publikum der Messe Tuning World in Friedrichshafen.

Manche Finalisten fühlt sich im knappen Bikini nicht recht wohl

In der zweiten Runde, diesmal im knappen Bikini, fühlen sich manche der Schönheiten vor dem vorwiegend männlichen Publikum spürbar weniger wohl in ihrer Haut. Doch daran werden sie sich gewöhnen müssen. Am Sonntag ist Wahl zur Miss Tuning World.

Im Bikini präsentierten sich die zwölf Miss-Tuning-Finalistinnen zum ersten Mal dem Publikum.
Im Bikini präsentierten sich die zwölf Miss-Tuning-Finalistinnen zum ersten Mal dem Publikum. | Bild: Anette Bengelsdorf

Christina Baer: „Wir haben Vorbildfunktion“

Christina Baer sagt: „Ich bin seit Jahren in der Tuning-Szene.“ Autos, so findet die Mannheimerin, seien Ausdruck von Kraft und Ästhetik. „Eine schöne Frau unterstreicht die Ästhetik des Autos und dieses die Schönheit der Frau. Deshalb sind wir keine Sexobjekte.“ Vielmehr seien sie stolz darauf, in der Tuning-Szene unterwegs zu sein. „Wir haben Vorbildfunktion“, glaubt sie.

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Janina Henneberg: „Machen unsere eigene Karriere“

Auch Janina Henneberg beobachtet, dass sich das Bild der Frauen in dieser männlich dominierten Szene ändert. „Wir sind nicht mehr die Trophäenfrauen, nicht mehr nur das Anhängsel der Szenemänner, sondern machen hier unsere eigene Karriere.“ Denn alle sind überzeugt, dass der Titel Miss Tuning Word ein Türöffner ist. Ausnahmslos allen Teilnehmerinnen würde ein Model-Job in der Szene gefallen. Aber nur als Hobby. Hauptberuflich sei es zu viel Stress.

Angela Kutscher arbeitet auf der Tuning World als Hostess am Osram-Stand. Ihren getunten Golf 6 hat sie selbstverständlich auch dabei.
Angela Kutscher arbeitet auf der Tuning World als Hostess am Osram-Stand. Ihren getunten Golf 6 hat sie selbstverständlich auch dabei. | Bild: Anette Bengelsdorf

Angela Kutscher: „Die Aussteller reißen sich um mich“

Angela Kutscher ist eigentlich Buchhalterin und modelt nur nebenbei. Seit sie 2012 die Wahl zur Miss GTI in Österreich gewonnen hat, ist sie bei jeder Tuning World dabei. „Die Aussteller reißen sich um mich“, sagt die Frau mit der makellosen Figur, die in diesem Jahr den Stand der Firma Osram ziert. Autobegeistert ist sie, seit sie den Führerschein hat. Über ihren Freund kam sie in die Szene. Die Ideen für ihren eigenen Golf 6 stammen zwar von ihr, doch den Umbau hat eine Firma übernommen. „Felge, Folie, Fahrwerk, die drei F sind wichtig, damit sich das Fahrzeug von der Masse abhebt“, betont die Dortmunderin.

Mareike Fox präsentiert sich mit ihrem Nissan GTR R 33 auf dem Stand ihres eigenen Modelabels „Foxed“.
Mareike Fox präsentiert sich mit ihrem Nissan GTR R 33 auf dem Stand ihres eigenen Modelabels „Foxed“. | Bild: Anette Bengelsdorf

Mareike Fox schraubt nicht selbst: „Dafür gibt es Leute, die das gelernt haben“

Das sieht auch Mareike Fox so. Die Tochter eines Autoverkäufers war in den Ferien oft in der Autowerkstatt und investierte bereits bei ihrem ersten Auto, einem Smart, in sündteure Brabus-Felgen. Heute steht an ihrem Stand, an dem sie ihr eigenes Modelabel Foxed vertreibt, ein Nissan GTR R35 mit serienmäßig 550 PS. „Das ist ausreichend für mich“, sagt die 31-Jährige aus Düsseldorf. Der Rocket-Bunny-Breitbau, mintgrün lackiert, hat einen Bodenschweller vorn, ein Ducktail hinten und ein Luftfahrwerk, das das Schmuckstück auf Knopfdruck tieferlegt. Selbst geschraubt? „Dafür gibt es Leute, die das gelernt haben“, sagt sie und lacht. „Sonst würde der Wagen nicht so da stehen.“ Nicht nur das Auto, auch ihren Körper zeigt sie gern, wie sie erklärt.

Lynn Conrardy aus Luxemburg ist eine von ganz wenigen schraubenden Frauen, die am European Tuning Showdown teilnehmen.
Lynn Conrardy aus Luxemburg ist eine von ganz wenigen schraubenden Frauen, die am European Tuning Showdown teilnehmen. | Bild: Anette Bengelsdorf

Lynn Conrardy: „Ich will bei der Polizei keinen schlechten Eindruck hinterlassen“

Lynn Conrardy wuchs mit zwei Brüdern auf, zuhause wurde mehr mit Autos als mit Barbie-Puppen gespielt. Später wollte sie ihren Brüdern in der Tuning-Szene zeigen, dass man als Mädchen ebenfalls schrauben kann. Die Bäckereifachverkäuferin nimmt mit ihrem Subaru Impresa beim European Tuning Showdown teil. In ihrer kleinen Garage hat sie ein anderes Getriebe und ein Luftfahrwerk eingebaut, Vollschalensitze und ein Käfig füllen den Innenraum. Die 300 PS Leistung sind ihr genug. „Ich will bei der Polizei keinen schlechten Eindruck hinterlassen.“ Alles sei ordnungsgemäß eingetragen. Etwa 20 000 Euro hat sie bereits in ihr Lila Auto investiert, um die Optik zu verbessern.

Johanna Entner schraubt ihre ihre Spike Lug Nuts, spitze Radmuttern, auf die Bolzen. Sie nimmt mit ihrem Auto am European Tuning Showdown teil.
Johanna Entner schraubt ihre ihre Spike Lug Nuts, spitze Radmuttern, auf die Bolzen. Sie nimmt mit ihrem Auto am European Tuning Showdown teil. | Bild: Anette Bengelsdorf

Johanna Entner: „Man wird als Frau in der Szene nicht ernst genommen“

Johanna Entner kniet am Boden und schraubt Spike Lug Nuts auf ihre Radbolzen, Muttern, die wie Pfeilspitzen nach außen stehen. Auch sie hat Spaß am Schrauben, beschränkt sich aber auf Montagearbeiten an der Karosserie. Die 24-jährige Industriekauffrau würde ihr Hobby gern zum Beruf machen, sieht aber in ihrer geringen Körpergröße und der fehlenden Kraft einen Nachteil. Als sie die Lichtmaschine tauschen wollte, erzählt sie, reichte ihr Arm nicht dort hin. „Man wird als Frau in der Szene nicht ernst genommen“, beklagt sie. Keiner erwarte, dass der umgebaute Nissan Silvia PS 13 ihrer sei. „Das wird noch Jahre dauern.“