Bereits seit 1965 gibt es ihn, den Verein "Muettersproch" der Gesellschaft für allemannische Sprache in Freiburg. Dabei ist aber Alemannisch nicht gleich Alemannisch, und so hat sich unter der Federführung von Bärbel Brüderle bereits im Jahre 1995 in Villingen ein lokaler Muettersproch-Stammtisch etabliert. Dieser trifft sich seitdem jeden dritten Dienstag im Monat um 15 Uhr, ursprünglich im Torstüble, inzwischen im Café am Riettor.

Video: Hans-Jürgen Götz

"Es gibt ja ganz unterschiedliche alemannische Dialekte, und wir hier in Villingen sprechen eher das sogenannte Bodensee-Alemannisch", erklärt Bärbel Brüderle die feinen Unterschiede der lokalen Dialekte. Das ist ein ganz anderer alemannischer Dialekt als man ihn etwa in Freiburg oder Waldshut spricht.

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Und so treffen sie sich einmal im Monat in lockerer Runde, um ihren Dialekt zu pflegen, erforschen und dokumentieren. Bei jedem der Treffen nehmen sie sich ein besonderes Thema vor, sprechen darüber und suchen nach passenden Wörtern und Sprüchen, um es anschließend auch aufzuschreiben, damit nichts vergessen wird.

Die beiden Schwestern, geborene Pietsch, heute heißen sie Irene Schneider (links) und Inge Jagd (rechts).
Die beiden Schwestern, geborene Pietsch, heute heißen sie Irene Schneider (links) und Inge Jagd (rechts). | Bild: Hans-Juergen Goetz

So sehen sie sich auch als Helfer bei Verständigungsschwierigkeiten. "Neulich hatten wir mal die Idee, ein kleines Wörterbuch der Krankheiten zu schreiben, um es dann an Ärzte und Apotheker zu verteilen", so Brüderle. Und wie kam das an? "Wirklich sehr gut", lacht sie, "da gab es offensichtlich einen gewissen Bedarf".

Oder welcher Apotheker weiß schon, welches Medikament am besten wirkt, wenn ein älterer Mitbürger über "Widigente" klagt? Wer soll da ohne "Muettersproch-Wörterbuch" gleich darauf kommen, dass der Villinger einen Muskelkater meint?

Kleines Wörterbuch der "Villinger" Krankheiten.
Kleines Wörterbuch der "Villinger" Krankheiten.

So treffen sich rund zehn bis 20 Interessierte jeden Monat, um sich ganz ungezwungen im Dialekt unterhalten zu können. Bei jedem Treffen gibt es ein Thema, welches die Gruppe umfassend dialektisch beleuchtet. "Wir haben unsere Sprache mit der Muttermilch aufgesogen und wollen einfach dafür sorgen dass in unserer modernen Welt nichts verloren geht", erklärt Irmgard Storz, die keines der Treffen versäumt. "Das ist unsere Heimat, unsere Identität, die gilt es zu bewahren", erklärt Inge Jaud ihre Liebe zur Muettersproch.

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"Es werden sogar Workshops für Schulen angeboten", erklärt Bärbel Brüderle und bemerkt zugleich, dass selbst ihre eigene Sprache schon von Anglizismen durchsetzt ist. Und umso wichtiger ist es, so viel wie möglich zu dokumentieren und damit zu erhalten. Dabei kann sie auch etwas Fränkisch und Schwäbisch, alles Dialekte, die bei unseren Nachbarn innerhalb Baden-Württembergs gesprochen werden.

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Neben dem Dialekt beschäftigen sich die Muettersprochler aber auch mit ehemaligen Ortsbeschreibungen rund um Villingen. So kommt sie selbst vom "Westbahnhof". Auch das wissen nur die wenigsten, dass es sich bei dieser Ortsangabe um das Gebiet rund um die heutige Vöhrenbacher Straße handelt.

Denn dort war seinerzeit im ersten Planansatz ursprünglich der Villinger Bahnhof geplant. Irgendwann ziehen irgendwie alle um, viele an die Marbacher Straße, ins Untergeschoss. Das ist nur eine Umschreibung für die letzte Adresse, den Friedhof.

Auch wenn das etwas schräg klingt, so geht es der Gruppe in erster Linie um den Spaß am Dialekt und am geselligen Beisammensein, bei dem wo man jedes mal auch etwas Neues über eine alte Sprache lernen kann.

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