Es ist vorhersehbar, dass die von Siegfried Jäckle initiierte Veranstaltung Aschermittwochsgespräch vom Forum Pro Schwarzwaldbauern zum Erfolg wird. Landwirtinnen und Landwirte selbst aus Reutlingen sind ins Brigachhaus angereist, um den Vortrag zum Thema „Ist die Kuh ein Klima-Killer?“ von Anita Idel zu hören.

Für Kulturwandel statt Strukturwandel

Organisator Siegfried Jäckle stellte die Frage in den Raum: „Warum brauchen wir die Kuh für unsere Zukunft?“. Er räumt auch ein: „Wir brauchen einen Kulturwandel statt Strukturwandel.“ Und er stellt fest: „Die Kuh wird im Vergleich mit dem Auto zum Klimakiller gemacht.“ So zitiert Jäckle den österreichischen Bergbauern Hans Haid mit den Worten: „Erst geht die Kuh, dann die Kultur.“ Damit gingen auch Erfahrungen von umweltbewusster Landwirtschaft verloren, sagt Jäckle weiter.

Kraftfutter für Turbo-Milchleistung

Die Referentin des Abends, Anita Idel, hält es für fatal, dass Tiere als Ursache beim Thema Klimawandel im Scheinwerferlicht stehen – bezogen auf die sogenannten Turbokühe mit Jahresmilchleistungen über 10 000 Liter Milch. Diese Leistung könne nur zustande kommen, wenn die Kuh mit Kraftfutter gefüttert würden.

Kühe nach und nach von der Weide entfernt

Das seien allesamt Ackerfrüchte, welche mit hohem Aufwand erzeugt werden. Durch das strikt und straff organisierte Agrarsystem würden Kühe nach und nach von der Weide entfernt, da sie durch das zugeführte Futter ohnehin ausreichend gefressen hätten.

Gestenreich untermauert Anita Idel ihren Vortrag.
Gestenreich untermauert Anita Idel ihren Vortrag. | Bild: Werner Mueller

Grasland als wertvoller Kohlenstoffspeicher

Insgesamt bestünden 70 Prozent Grasland und 30 Prozent Ackerland auf der Erde. Das Grasland speichere dabei mehr Kohlenstoff und sollte somit geschont werden. Wichtig seien hierbei auch die feinen Wurzeln, welche Gräser ausbildeten. Je mehr feine Wurzeln, umso mehr Wasseraufnahme könne stattfinden. Wurzeln von heute seien der Humus von morgen. Während in Kaltzeiten Wasser in Gletschern gebunden werde, spiele in Warmzeiten das Grasland hier die wichtige Rolle.

Auerochsen als Vorfahren der Rinder waren weit verbreitet

Auch früher schon waren Rinder und vergleichbare Tiere weit verbreitet – ohne dass sie ein Problem fürs Klima gewesen wären. Ein Schaubild zeigt, dass Auerochsen – die es heute in dieser Form nicht mehr gibt – früher von Afrika bis Indien und an Chinas Ostküste verbreitet gewesen seien.

Methan wirkt stark klimaschädlich

Weshalb Böden versteppen, hänge mit der Behandlung dieser Böden zusammen. Dass die Kuh ein schlechter Futterverwerter ist, sei zudem ein Problem. Allerdings hat es die Verdauung der Wiederkäuer in sich: Kühe haben mehrere Mägen, in denen Bakterien für die Verdauung sorgen. Dabei entstehen verschiedene Gase, die von dem Tier in die Atmosphäre ausgestoßen werden – darunter Methan. Und dieses ist als Klimagas nach wissenschaftlichem Stand 21 Mal stärker als Kohlendioxid.

Gras wird zu Milch und Fleisch

Andererseits können Kühe Weidefutter zu Milch und Fleisch umwandeln. Deshalb sind sie bestens geeignet zur Nutzung von Böden, die nicht beackert werden können. Doch statt dessen werden sie mit Kraftfutter aus Mais, Soja und Getreide zu Nahrungskonkurrenten der Menschen gemacht. Heute lande über 50 Prozent der weltweiten Getreideernte im Futtertrog. Aber wenn es schon Turbokühe gibt, die mit Kraftfutter versorgt werden, dann müssten sie zumindest runter von der Weide in den Stall, damit sie nicht auch noch Weidefutter aufnehmen. Die Kuh ist kein Klimakiller, das sei immer der Mensch, so das Fazit der Referentin.

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