Schon ist vielen Jahren sei die Familienfreundlichkeit in Schramberg ein wichtiges Thema, so Oberbürgermeister Thomas Herzog bei der Vorstellung der Idee für ein neues Familiennetzwerk im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats: „Damit wollen wir die verschiedenen Angebote für Familien zusammenfassen.“ Marcel Dreyer, Abteilungsleiter Jugend, Familie und bürgerschaftliches Engagement, berichtete von vielen Gesprächen, die er seit anderthalb Jahren mit den verschiedenen Akteuren führe.

Angebote sind oft nicht bekannt

In Schramberg gebe es viele Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten für Kinder, Jugendliche und Eltern. Er nannte als Beispiele den Schramberger Kinderfonds, den Kinderschutzbund oder die Familienberatung der Caritas. Diese erreichten aber oft die Familien, Kitas und Schulen nicht, weil sie zu wenig bekannt seien. Bei der Schulsozialarbeit sei Schramberg gut aufgestellt, aber die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Anbieter funktioniere noch nicht richtig. Ein Netzwerk soll nun alle Akteure besser verbinden und auch vorbeugend wirken.

20 Prozent der Kinder leben von Hartz-4

Dreyer wies darauf hin, dass in der Talstadt eine „besondere Sozialstruktur“ anzutreffen sei: jedes fünfte Kind, also 20 Prozent, wachse in einer Hartz-4-Familie auf, sei also von latenter Kinderarmut betroffen. Der Landesdurchschnitt liege bei gut acht Prozent. Besonders bei den Übergängen, etwa vom Kleinkindalter in den Kindergarten und weiter zur Grundschule, sei es wichtig, dass diese gut gestaltet werden. Dreyer sprach davon, Präventionsketten aufzubauen. Der Landkreis unterstütze seit 2008 die Bildung von lokalen Familiennetzen. Dreyer schlägt vor, einen Netzwerkkoordinator mit einem Zehn-Prozent-Stellenanteil zu beschäftigen. Dank des Kreiszuschusses kämen lediglich etwa 5000 Euro Kosten auf die Stadt zu.

„Netzwerk ein lohnendes Ziel“

In der Diskussion waren sich die Räte einig, dass das Netzwerk „ein lohnendes Ziel“ sei. Udo Neudeck (Freie Liste) gab aber zu bedenken, dass der Datenschutz dem Austausch von Informationen enge Grenzen setze. Jürgen Winter (CDU) fand die eingesetzten Mittel „eher schmal“, wenn man die angestrebten Ziele umsetzen wolle: „Da müsste mehr Manpower rein.“ OB Herzog verwies darauf, dass es unterjährig schwierig sei, neue Stellen zu schaffen. Mirko Witkowski (SPD/Buntspecht) riet, jetzt die ersten Schritte zu machen und nicht gleich an Hindernisse zu denken. Wenn sich die Stadt nicht um die Kinderarmut kümmere, „produzieren wir sozialen Sprengstoff“. Abschließend betonte Dreyer, beim Familiennetzwerk wolle man sich nicht nur um ärmere Familien kümmern. Es gelte, mehr Familien zu erreichen als bisher. Der Ausschuss stimmte schließlich einstimmig für das Projekt.

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