Dass es bei einem Bericht eines Kämmerers richtig emotional wird, das hat Seltenheitswert. Üblicherweise bestimmen trockene Zahlen und am Ende eine Mahnung zur Sparsamkeit die Redebeiträge von Rudi Huber, Kassenchef aus Schramberg. Doch in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates war das anders. Zwar hatte Huber auch dieses Mal beim Vortrag des Jahresabschlusses viele Zahlen präsentiert und den Rat aufgefordert „den Weg der Konsolidierung fortzusetzen“. Doch dann meldete er sich in eigener Sache zu Wort: Nach mehr als 31 Jahren in der Kämmerei, die vergangenen zehn Jahre als deren Chef, verabschiedete er sich in den Ruhestand. Zwar endet sein Arbeitsverhältnis erst Ende November, bis dahin nimmt er jedoch seinen Resturlaub.

Große Herausforderungen

Zwei große Herausforderungen habe er in den gut drei Jahrzehnten mit seinem Team zu bewältigen gehabt: Zuerst eine Umstellung von einer Software auf eine neue – und das als Pilotanwender. Das muss heftig gewesen sein, denn Huber beschloss danach: „Nie wieder Pilotanwender.“

Dank für Vertrauen

Die zweite Umstellung betraf den Übergang von der Kameralistik zum neuen kommunalen Haushaltsrecht, das ähnlich wie eine Bilanz eines Konzerns funktioniert. All dies sei nur möglich gewesen, so Huber, weil er in all den Jahren ein gutes Team hatte. Mit seiner Stellvertreterin Monika Götze und Kassenverwalter Gerhard Hettich habe er im inneren Führungskreis wichtige Themen und Projekte vorbereitet. Huber dankte auch dem Gemeinderat für das entgegengebrachte Vertrauen, gerade in der Umstellung auf das neue Haushaltsrecht, das nicht nur für die Kämmerei, sondern auch für den Rat „mit viel Unsicherheit und Veränderungen verbunden“ war.

Keine leichte Aufgabe

Mit Blick auf die sinkenden Steuereinnahmen meinte Huber, es werde für seinen Nachfolger schwieriger, einen Haushaltsausgleich zustande zu bringen. „Keine leichte Aufgabe“ werde es auch, die Wünsche der Verwaltung und des Gemeinderats „mit der Realität bei den Finanzen in Einklang zu bringen“. Huber bat deshalb den Gemeinderat, seinem Nachfolger Klemens Walter das gleiche Vertrauen entgegen zu bringen. Im Namen des Gemeinderats würdigte Clemens Maurer den scheidenden Kämmerer als einen „Mann der Zahlen“. Maurer erinnerte an den griechischen Philosophen und Mathematiker Pythagoras, der feststellte: „Alles ist Zahl“ und damit ausdrücken wollte, dass alles Wahrnehmbare auch zu verstehen sei.

Ausbildung in Tennenbronn

Mit einer Zahlenakrobatik schilderte Maurer dann das Hubersche Berufsleben: Von der Ausbildung für den gehobenen Verwaltungsdienst in Tennenbronn über das Studium in Kehl, einer Zeit im Rathaus in St. Georgen bis zum Einstieg als Stellvertreter des Kämmerers in Schramberg im Juni 1988. 2009 wurde Huber Nachfolger von Kämmerer Helmut Hug.

Wunderbarer Satz

Maurer rechnete auch vor, dass Huber in seinen 31 Jahren in der Kämmerei etwa 30 000 Seiten Haushalt produziert und abgearbeitet habe. Huber sei sich bis zu seiner letzten Vorlage treu geblieben. Er habe auf Seite zehn des Jahresabschlusses 2017 den wunderbaren Satz geschrieben: „Der Finanzhaushalt hat sich ebenfalls sehr positiv entwickelt, wobei Verbesserungen bei näherer Betrachtung auch negative Folgen haben.“

Humorvoller Partner

Maurer betonte abschließend: „Sie werden uns fehlen.“ Huber sei in all den Jahren „ein verlässlicher, sachlicher, freundlicher und humorvoller Partner für viele Gemeinderäte und Kollegen der Verwaltung“ gewesen. Auch sei er, wie es sich für einen Kämmerer gehört, stets sparsam gewesen und habe den einzigen Papierkorb im Sitzungssaal als Beistelltisch für seine Unterlagen und den großen Haushaltsplan genutzt:“Ein echter Stadt-Kämmerer eben.“