In Gerd Wimmers Werkstatt im Obergeschoss der Donaueschinger Feuerwache ist der Arbeitstisch in der Mitte des Raumes voller Kleinteile. Dort liegen, fein säuberlich sortiert, die Bestandteile eines sogenannten Lungenautomaten. Die gehören zu den Atemschutzgeräten, die von der Feuerwehr eingesetzt werden, etwa bei Bränden, oder wenn Gas austritt.

Die Atemregler, auch Lungenautomaten genannt, werden von Gerd Wimmer in ihre Bestandteile zerlegt. Wenn nötig, werden dann defekte oder verunreinigte Teile komplett ersetzt.
Die Atemregler, auch Lungenautomaten genannt, werden von Gerd Wimmer in ihre Bestandteile zerlegt. Wenn nötig, werden dann defekte oder verunreinigte Teile komplett ersetzt. | Bild: Simon, Guy

Wimmer ist für deren Überprüfung zuständig. Und nicht nur das. Er kümmert sich um alle Bestandteile der Atemschutzgeräte, also etwa auch um die Maske und die Druckluftflaschen. "Das ist eine Überholung der Geräte, etwa wie beim TÜV", erklärt der 50-Jährige, der hauptberuflich für die Feuerwehr arbeitet. Langweilig wird ihm dabei nie. Immerhin ist er nicht nur für die Atemschutzgeräte der Donaueschinger Wehr zuständig, er kümmert sich außerdem um jene der Werksfeuerwehren und jene von 20 Gemeinden im Kreisgebiet. Weitere des Kreises kommen dazu. Alles muss fein säuberlich dokumentiert werden.

Viele Aufgaben und viel Bürokratie: Diese Ordner zeigen Wimmers Zuständigkeitsbereich.
Viele Aufgaben und viel Bürokratie: Diese Ordner zeigen Wimmers Zuständigkeitsbereich. | Bild: Simon, Guy

Um die vielen Teile der Geräte ordnungsgemäß warten zu können, hat Wimmer moderne technische Unterstützung. Ein spezielles Prüfgerät kann Atemvorgänge simulieren und zeichnet alle Schritte über den Computer digital auf.

Teure Spezialausrüstung: Mit diesem Prüfgerät kann Gerd Wimmer die Funktionstüchtigkeit etlicher Teile des Atemschutzgerätes inspizieren.
Teure Spezialausrüstung: Mit diesem Prüfgerät kann Gerd Wimmer die Funktionstüchtigkeit etlicher Teile des Atemschutzgerätes inspizieren. | Bild: Simon, Guy

Sämtliche Daten werden schließlich in einem Protokoll festgehalten. Diese Dokumentation ist immens wichtig: "Wenn etwas passieren sollte, ein Feuerwehrmann etwa beim Einsatz einen Unfall hat, dann kann es sein, dass die Staatsanwaltschaft die Protokolle beschlagnahmen lässt und überprüft, was an den Geräten gemacht wurde", erklärt Wimmer. In 20 Jahren sei das allerdings bisher nie der Fall gewesen.

Wimmer schließt einen Lungenautomaten an das Prüfgerät. Dort werden jetzt verschiedene Funktionen überprüft, schließlich auch die menschliche Atmung simuliert. Sollte etwas nicht stimmen, die Maschine bemerkt es.

Video: Guy Simon

Aber Fakt ist: Wenn Gerd Wimmer die Geräte kontrolliert, hat er eine große Verantwortung. Es geht um Leben. Etwa beim Ausatemventil an der Maske.

Lebenswichtiges Kleinteil: Das Ausatemventil an der Atemschutzmaske muss einwandfrei funktionieren. Auch nur ein kleiner Defekt könnte Leben kosten.
Lebenswichtiges Kleinteil: Das Ausatemventil an der Atemschutzmaske muss einwandfrei funktionieren. Auch nur ein kleiner Defekt könnte Leben kosten. | Bild: Simon, Guy

Geht das nicht richtig auf oder zu, kann das im Einsatz bei einem Brand zum Problem werden: "Es kann Zu- oder Außenluft in die Maske geraten", sagt Wimmer. "Heute ergeben sich Luft-Zusammensetzungen, bei denen reicht ein Atemzug, um lebenslange Schäden davonzutragen." Brennt etwa eine Küche, dann steht nicht wie früher hauptsächlich Holz in Flammen, es gibt verschiedene Leime und Lacke aus denen etwa Salzsäuredämpfe entstehen können.

Die Luft muss atembar werden

Ähnlich wichtig ist der Druckminderer, der sich an der Tragevorrichtung für die Pressluftflasche befindet. Der Druck in der Flasche beträgt 300 Bar. Aus diesem Hochdruck wird durch den kleinen Druckminderer schließlich atembare Luft.

Das kleine weiße Teil ist der sogenannte Druckminderer. Er sorgt dafür, dass aus der Hochdruckluft welche wird, die geatmet werden kann.
Das kleine weiße Teil ist der sogenannte Druckminderer. Er sorgt dafür, dass aus der Hochdruckluft welche wird, die geatmet werden kann. | Bild: Simon, Guy

In dem Gerät befinden sich kleine Bohrungen, etwa mit dem Durchmesser eines Haares. Sollte sich mehr als ein Tropgen Wasser in der Flasche befinden, kann das im Einsatz ebenfalls zur Gefahr werden: "Die kleine Öffnung könnte während des Atmens zufrieren. Ein Kühlhaus ist für die Geräte schwieriger als ein Brand", sagt Wimmer. Entsprechend wird bei der Flaschenkontrolle auch auf Wasser geachtet, ebenso auf Öl, Kohlenstoffmonoxid und Kohlenstoffdioxid.

Gereinigt werden die Flaschen mit Pressluft in einer eigens dafür vorgesehenen Waschanlage. Sie besitzt einen Wert von rund 50 000 Euro. In ihr befinden sich Haltevorrichtungen, in welche die Flaschen gesteckt werden. Dann geht es in ein geschlossenes System und der Reinigungsprozess beginnt. In die Maschine fließt das Waschmittel, ebenso Stoffe, die für Entsalzung und Entkristallisation sorgen.

Blick in das Innere der Flaschen-Waschmaschine: Hier befindet sich nicht nur das Waschmittel, sondern auch das Mittel zur Entsalzung und Entkristallisation.
Blick in das Innere der Flaschen-Waschmaschine: Hier befindet sich nicht nur das Waschmittel, sondern auch das Mittel zur Entsalzung und Entkristallisation. | Bild: Simon, Guy

Wie bei einer Waschanlage für Autos trocknet das Gerät schließlich auch die Flaschen. Die werden im Inneren mehrfach geschwenkt, und zwar in einem sogenannten Cognac-Schwenksystem.

Video: Guy Simon

"Je nach Grad der Verschmutzung muss ich allerdings auch auf Sicht prüfen", sagt Wimmer. Gerade wenn Geräte zuvor im Einsatz waren, schaut er besonders darauf. Der Unterschied ist deutlich sichtbar.

Der Unterschied zwischen neu und gebraucht: Links eine Tragevorrichtung, die bereits im Einsatz war. Rechts das frisch ausgepackte Teil.
Der Unterschied zwischen neu und gebraucht: Links eine Tragevorrichtung, die bereits im Einsatz war. Rechts das frisch ausgepackte Teil. | Bild: Simon, Guy

Kontrollen und Reinigungen finden meist in einem festen Rhythmus statt. Der Takt richtet sich dabei auch nach den Jahresproben der verschiedenen Wehren. Entsprechend ist Wimmer auch schon vorbereitet. "Es gibt einen fixen Kalender nach den Übungen. Die Kommandanten melden an, was kommt, ich takte sie dann ein."

Sind die Prüfungen erfolgreich, alles ist gereinigt, desinfiziert oder ersetzt, geht das Material wieder an die jeweilige Wehr zurück. Dazu wird es eingeschweißt, eine Kopie des Prüfprotokolls kommt dazu.

Sind die Teile geprüft und wieder einwandfrei, wie hier diese Masken, werden sie eingeschweißt und mit der schriftlichen Dokumentation wieder an die jeweilige Wehr zurück geschickt.
Sind die Teile geprüft und wieder einwandfrei, wie hier diese Masken, werden sie eingeschweißt und mit der schriftlichen Dokumentation wieder an die jeweilige Wehr zurück geschickt. | Bild: Simon, Guy

Dass Gerd Wimmer seine Werkstatt mal komplett leer hat und auf neue Geräte wartet, das komme nie vor. Langweilig wird ihm nie. "Viele denken vielleicht, wir sitzen hier und warten, bis der Alarm runtergeht. Das ist aber keinesfalls so", erklärt der Atemschutzgerätewart.