Die Stadt Tengen erhält in diesem Jahr für zehn Vorhaben fast eine Dreiviertelmillionen Euro aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR). Zu den geförderten Projekten zählt auch das geplante Ärztehaus in der Kernstadt Tengen, das mit 200 000 Euro unterstützt wird.

Neben dem Ärztehaus werden zahlreiche private Baumaßnahmen gefördert, die zusätzlichen Wohnraum schaffen und innerörtliche Flächen entwickeln. „Ich freue mich außerordentlich über die hohe Förderung für die Stadt Tengen. Diese kommt sowohl gesamtstädtischen Projekten wie dem Ärztehaus als auch vielen privaten Vorhaben zugute. Das ist Ergebnis unserer Auszeichnung als Schwerpunktgemeinde im vergangenen Jahr", sagte Bürgermeister Marian Schreier.

Gemeinde bewarb sich

Seit 2018 ist die Stadt Tengen Schwerpunktgemeinde im Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum. Schwerpunktgemeinden im ELR werden jährlich in einem Wettbewerbsverfahren ausgewählt, berichtet Schreier. Die Anerkennung ist nur für wenige Gemeinden möglich und eine besondere Auszeichnung. Schwerpunktgemeinden zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen besonderen Beitrag zur Umsetzung der landespolitischen Zielsetzungen leisten. Sie müssen sich konkrete Ziele geben und Strategien zur Erreichung dieser darlegen.

Voraussetzung für die Teilnahme am Wettbewerb ist eine umfassende Entwicklungskonzeption, die unter Beteiligung der Bürgerschaft entwickelt wird. Die Entwicklungskonzeption der Stadt Tengen fußt auf den Ergebnissen des breiten Bürgerbeteiligungsprozesses Leitbild Stadt Tengen 2030.

Schwerpunktgemeinden erhalten im Anerkennungszeitraum Fördervorrang und einen um zehn Prozent erhöhten Fördersatz für gemeinwohlorientierte Projekte. „Wir werden auch dieses Jahr wieder dafür werben, dass viele Bürger ELR-Anträge stellen und beraten gerne bei der Antragstellung“, sagte Schreier.

Gründung Genossenschaft Ärztehaus

Eines der geförderten Projekte, das geplante Ärztehaus, hat am Montag einen Schritt Richtung Realisierung gemacht: Die Genossenschaft Ärztehaus Stadt Tengen eG wurde mit 15 Personen gegründet. Als Aufsichtsräte wurden Werner Schwacha (Vorsitz), Erich Rothfelder (Stellvertreter) und Karlheinz Hofgärtner gewählt. Als Gründungsvorstände hat der Aufsichtsrat Bürgermeister Marian Schreier und Andreas Luckner bestellt.

Nach der Gründungsversammlung folgt nun das Gründungsgutachten und der Beitritt zum Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband. Das Gründungsgutachten und der Beitritt wurden noch diese Woche formal beantragt. Die Prüfung wird einige Wochen in Anspruch nehmen. Danach kann die Genossenschaft ins Genossenschaftsregister eingetragen werden und ist voll rechtsfähig. „Wir kommen mit der Genossenschaftsgründung schnell voran – das freut mich", sagte Schreier.

Mittlerweile lägen über 340 Absichtserklärungen für mehr als 1000 Anteile vor. Damit seien die Erwartungen und die geplante Summe deutlich übertroffen worden. Sobald die Eintragung der Genossenschaft erfolgt ist, würden alle Interessenten mit Informationen zum weiteren Procedere angeschrieben.

Auch andere profitieren

Neben Tengen bekommen Engen, Steißlingen und Hilzingen Födergelder aus dem ELR. Die Landesregierung habe das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum noch einmal um acht Millionen Euro aufgestockt, berichtet Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger in einer Pressemitteilung. Mit der Rekordsumme von mehr als 75 Millionen Euro fördere Grün-Schwarz schwerpunktmäßig Innenentwicklung und Wohnraum.

Engens Bürgermeister freut sich

Auch Engens Bürgermeister Johannes Moser freut sich über die Fördermittel aus Stuttgart. „Das stärkt unseren Standort“, erklärt er. Die Kernstadt selbst sei zwar zu groß für Geld aus dem Fördertopf für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELR), aber für Maßnahmen in den Stadtteilen würden regelmäßig Zuschüsse beantragt. In diesem Jahr würden in Engen ausschließlich private Vorhaben gefördert. Über 200 000 Euro gibt es für das Projekt einer Betriebsansiedelung in Welschingen.

Das Maschinenbau-Unternehmen entwickle Umwelttechnologie und plane, die Firmenzentrale im Engener Stadtteil aufzubauen. Fördermittel zum Thema Wohnungsbau gehen nach Stetten und Bargen. „Einmal geht es um den Abriss eines Altbaus, um Platz für ein neues Gebäude zu schaffen, ein andermal um einen Zuschuss zur Altbausanierung“, erläutert Moser. Wohnungsbau müsse auch in den Stadtteilen gefördert werden.