Zahlreiche Ladentüren sind seit Mittwoch geschlossen. Nur noch Lebensmittelläden, Apotheken und ein paar andere (siehe Text unten) dürfen offen haben. Anja Schmidt, selbst Ladenbesitzerin und stellvertretende Vorsitzende des Vereins Handel, Handwerk und Gewerbe (HHG), sieht es aus der Perspektive als Selbstständige als „äußerst schlecht“, dass sie ihr Modegeschäft schließen musste. Gleichzeitig sei aber auch klar, dass alle in der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft stünden. Deshalb sei es auch keine Frage gewesen, dass der HHG bereits vor ein paar Tagen den Verkaufsoffenen Sonntag Anfang April abgesagt habe, sagt sie.

Problem für kleine Geschäfte

Wie viele andere fragt auch sie sich, wie es nun weitergehen wird. „Die Frühlingsware ist da, aber bisher lief nur wenig“, erzählt Anja Schmidt. Jetzt säßen viele Geschäfte auf der Ware, doch Kosten wie die Miete laufen weiter. Trotz der Aussicht auf Entschädigungen oder Fördergelder vom Bund sei die Frage, wie es für die kleineren Geschäfte anschließend weitergehe und wie diese es verkraften.

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Für den Handel sei die derzeitige Situation eine Katastrophe. „Die Kleinen sind gefährdet. Das Internet hat jetzt die Oberhand. Viele Existenzen stehen auf dem Spiel“, sagt sie. Es werde nun aber auch klar, dass die deutschen Firmen gebraucht werden und eher keine Sachen mehr aus Ländern wie China erwünscht seien.

Die zweifache Mutter, die auch Gemeinderätin ist, betont, dass nun die Solidarität und das Miteinander gefordert seien. Als positiven Effekt in der derzeitigen Situation empfindet sie, dass diese die Familienmitglieder einander wieder näher bringe. „Wir müssen das Beste daraus machen“, lautet ihr Fazit zur Lage.

Schutz für Mitarbeiter und Kunden

Die Bäckerei Ainser gehört zu den Geschäften, die weiter offen haben dürfen. Zur Sicherheit der Mitarbeiter und Kunden ist in der Oberstadt-Filiale jetzt eine Tür der Ein- und die andere der Ausgang. Tische und Stühle im Sitzbereich haben jetzt große Abstände. Christoph und Daniela Ainser betonen deutlich, dass sie für die Stockacher da sind.

Sie wissen, dass viel Verunsicherung herrscht. Es gebe immer wieder Anrufe von Kunden, die nachfragen, ob die Bäckerei geschlossen sei. „Wir haben jeden Tag frische Ware“, sagt der Bäckermeister. Seine Frau ergänzt: „Nicht nur Supermärkte, sondern auch Bäckereien, Metzgereien und Apotheken sind offen. Stockach ist keine Geisterstadt.“ Die Grundversorgung sei gesichert.

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Trotzdem sehen die beiden, dass weniger Kunden kommen. Es fehlen vor allem die, die sich zusammensetzen und Kaffee trinken. In dem Bereich ist der Umsatz gesunken. Bei den Waren und den Öffnungszeiten bleibe erst mal alles gleich. Sonntags sei bisher nicht auf. Die Ainsers wollen noch schauen, ob sie das bei Bedarf ändern.

Auch Banken dürfen noch offen haben. Aber die Volksbank Überlingen-Stockach zum Beispiel reagiert mit Schutzmaßnahmen. Laut einer Pressemitteilung werden einige Filialen vorübergehend geschlossen. Im Raum Stockach bleiben aber die Filialen in der Schillerstraße in Stockach sowie die beiden in Ludwigshafen und Eigeltingen geöffnet. Für Beratungen und Schließfach-Zugänge werde die Filiale in der Hauptstraße in Stockach nur eingeschränkt erreichbar sein. Geldautomaten seien immer überall zugänglich.

Auswirkungen auf den Tafel-Laden

Die immer wieder leeren Regale bei Grundnahrungsmitteln wie Mehl und Nudeln spürt auch die Tafel. Die Einrichtung für die Bedürftigen mit geringem Einkommen habe bereits in der vergangenen Woche weniger Ware als sonst erhalten, sagt Leiterin Margot Kammerlander.

„Wir sind auf Spenden angewiesen“, erklärt sie. Es seien zwar einige Leute mit Lebensmittelspenden vorbei gekommen, aber der Bedarf sei weiter da. Sie freut sich, dass die Bürgerstiftung bereits Unterstützung zugesagt hat. Falls jemand Geldspenden überweisen möchte, bittet sie darum, dass ein Kontakt dabei steht, weil sie sich bei jedem bedanken möchte.

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Für den Betrieb der Tafel ändert sich jetzt, dass bis auf Weiteres nur noch mittwochs von 15.30 bis 18 Uhr geöffnet sein wird. „Wir haben ältere Mitarbeiter, die zur Risikogruppe gehören“, erklärt Margot Kammerlander. Daher sei die Mannschaft im Tafel-Laden momentan kleiner. Als Vorsichtsmaßnahme werden in der reduzierten Öffnungszeit auch nur zwei oder maximal drei Personen in die Räume gelassen. Der Wartebereich draußen werde so angelegt, dass alle möglichst weit auseinander seien. Pro Öffnungstag kämen immer 50 bis 55 Personen zur Stockacher Tafel.

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