Beschattet von hohen Bäumen und dichten Hecken ist der Lehrbienenstand am Rand des Singener Stadtteils Hausen eine kühle Oase in der brütenden Hitze. „Varroabekämpfung. Teilnahme ist Pflicht!“, hieß es auf der Einladung an die Neu-Imker im Landkreis.

Aus dem ganzen Hegau kommen die Bienenhalter, in die Schutzausrüstung mag angesichts der Temperaturen keiner steigen, obwohl hinter dem Bienenhaus etliche Bienen schwirren.

Imker-Paten betreuen Neu-Imker

Geschwitzt haben die rund 70 Imker und Imkerinnen bereits im März bei den Theoriekursen in Welschingen. An vier Abenden wurden Wissen und Grundlagen um die Honiglieferanten und die Imkerei vermittelt.

Allerdings: „Man weiß dann alles und kann nichts“, fasste es ein Teilnehmer zusammen. Mit so genannten „Imker-Paten“ und in den Vereinen der Heimatorte konnten die ersten praktischen Schritte erlernt werden.

Bienen für den Naturschutz

Ganz unterschiedliche Motive bringen die Bienenfreunde mit: „Mein Mann hat schon seit Jahren Bienen. Jetzt wollte ich einfach mal wissen, was er da macht“, schmunzelt Luzia Bühler aus Stockach.

Auf Sergey Kazantsev übten Bienen schon immer eine Faszination aus. „Mein Opa hatte in Südsibirien 40 Völker“, erzählt der Singener. Er selbst fängt – wie fast alle im Kurs – klein an und hat nun vier Stöcke. Für das Ehepaar Sixta aus Gottmadingen steht Naturschutz im Vordergrund. „Und Bienen haben mich schon immer fasziniert“, sagt Silvia Sixta.

Kampf gegen Varroamilbe

Zu den wichtigsten Aufgaben eines Imkers gehört die Bekämpfung der Varroamilbe, den gefährlichsten Parasiten der Bienen: Die Milbe befällt die Insekten und die Brut, schwächt sie und kann bei Nichtbehandlung zum Tod des ganzen Volks führen.

Wie kleine Gespenster sehen die mit Puderzucker bestäubten Bienen aus. Im Stock werden sie von den anderen Arbeiterinnen geputzt.
Wie kleine Gespenster sehen die mit Puderzucker bestäubten Bienen aus. Im Stock werden sie von den anderen Arbeiterinnen geputzt. | Bild: Holle Rauser

Zunächst lernen die Neu-Imker Milbenzählen. Die knapp 1,5 Millimeter winzigen Pünktchen sind nicht leicht zu erkennen. Besser geht es mit der Methode, die Helmut Mayer vom Bienenzuchtvereins Hohentwiel vorführt. Einige Bienen werden eingefangen, mit Puderzucker bestäubt und „geschüttelt“. Dadurch fallen die Milben ab, das Ergebnis lässt sich aufs Volk bezogen hochrechnen. Den Tieren macht der Zucker nichts aus, im Gegenteil: „Die sind sehr beliebt, wenn sie so in den Stock zurückkommen und werden von den anderen geputzt“, lacht Mayer.

„Wir brauchen die Bienen“

Zur Bekämpfung der Varroamilben gibt es drei Maßnahmen, erläutert Karl-Max Schöneneberger, Vorsitzender des Singener Vereins. Direkt nach der Honigernte wird mit Ameisensäure, im Winter mit Oxalsäure behandelt. Außerdem wird regelmäßig Drohnenbrut entfernt, denn die Milbe nutzt die größeren Brutzellen und die längere Entwicklungsdauer der männlichen Bienen.

Ebenso wichtig wie die Varroa-Behandlung ist die Auffütterung der Bienen nach der Honigernte. Dafür gibt es spezielle Futtersysteme. Hier: Helmut Mayer mit einem Futtereimer.
Ebenso wichtig wie die Varroa-Behandlung ist die Auffütterung der Bienen nach der Honigernte. Dafür gibt es spezielle Futtersysteme. Hier: Helmut Mayer mit einem Futtereimer. | Bild: Holle Rauser

Alternative Maßnahmen wie den Einsatz von Bücherskorpionen, einem natürlichen Feind der Varroamilbe, seien schwierig, so der Vorsitzende des Immendinger Imkervereins und Vertreter des Landesverbands Badischer Imker, Peter Glökler. „Natürlich könnte man Völker opfern und hoffen, dass die Bienen eine Resistenz entwickeln“. Aber dieser Prozess kann Jahre dauern und hohe Verluste fordern. „Und wir brauchen die Bienen ja“.