Der B 33-Tunnelbau bei der Reichenauer Waldsiedlung geht planmäßig voran. Dies erklärt die Leiterin der Neubauleitung Singen, Yvonne Guduscheit. Das Bauwerk diene zwar auch dem Lärmschutz der Anwohner. Doch selbst wenn man es angesichts der eingesetzten Ressourcen nicht glauben mag: Vor allem wird der Tunnel aus Naturschutz-Gründen gebaut!

Denn das Waldgebiet links der Straße in Richtung Konstanz bekommt dadurch wieder eine Verbindung mit dem Wollmatinger Ried, von dem es durch die Bundesstraße jahrzehntelang getrennt war.

Niedrigwasser im Wollmatinger Ried.
Niedrigwasser im Wollmatinger Ried. | Bild: Achim Mende

„Es ist eine Wiedervernetzungsmaßnahme“, sagt Guduscheit. „Das ist ein großes Argument.“ Oben auf den Betondeckel kommt später Erde. „Die Tiere können dann über den Tunnel laufen“, sagt sie. Wäre es nur um den Lärmschutz gegangen, „hätte man es billiger haben können“.

Planung wurde geändert

Die Planung im Abschnitt E des B 33-Ausbaus sah ursprünglich anders aus. Die Verantwortlichen im Regierungspräsidium Freiburg, zu dem die Neubauleitung gehört, sahen Anfang der 2000er-Jahre eine Trassierung der vierspurigen Straße deutlich weiter im Süden vor – abgerückt von der Waldsiedlung. Zudem ohne Tunnel. Aus Naturschutzgründen musste die Planung jedoch geändert werden.

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Zugleich ist das nach aktuellem Stand 64 Millionen Euro teure Bauwerk eine von vielen Ausgleichsmaßnahmen, die die Neubauleitung laut der Planfeststellung aus dem Jahr 2007 aus naturschutzrechtlichen Gründen parallel zum Ausbau der Bundesstraße 33 ausführen muss. Denn dafür werden Flächen in der Größe mehrerer Fußballfelder neu versiegelt.

Im Gegenzug muss ebenso viel Fläche im Bereich der B 33 oder der Region aufgewertet werden. Wobei auf dem Tunnel später auch noch ein Kreisverkehr gebaut wird, über den Verkehrsteilnehmer aus der Waldsiedlung auf die neue B 33 auf- und abfahren können.

Morgens, 5 Uhr: Monduntergang am Wollmatinger Ried.
Morgens, 5 Uhr: Monduntergang am Wollmatinger Ried. | Bild: Robert Hahn Bauer

Trotz mehrwöchiger Verzögerungen wegen der Corona-Pandemie liege man noch im Zeitplan, erklärt Yvonne Guduscheit. Nach aktuellem Stand soll der Rohbau der Tunnelröhre im ersten Quartal 2021 fertiggestellt sein. Dann müsse noch Sicherheitstechnik eingebaut werden, erklärt die Bauleiterin.

Für den Verkehr freigegeben werden soll das 470 Meter lange Bauwerk im Frühjahr 2022. Neubauleiterin Guduscheit wundert sich, dass manche Bürger meinen, die Bauarbeiten zögen sich sehr in die Länge. „Das dauert nicht länger als anderswo“, meint sie. Was die Arbeiten erschwere, sei der recht hohe Grundwasserspiegel.

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Zum einen müsse mit Spundwänden verhindert werden, dass Wasser in die Baugrube läuft. Zum anderen dürften diese Grundwasserströme, die das Wollmatinger Ried speisen, nicht gekappt werden. Deshalb müsse das Wasser schon in der Bauphase und danach an der nördlichen Seite gefasst und umgeleitet werden. Es fließt dann auf der südlichen Seite des Tunnels nicht bachartig, sondern breitflächig ab, erklärt Guduscheit. „Als wenn es regnen würde.“

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