Die Erika- und Werner-Messmer-Stiftung räumt auf. Gut ein halbes Jahr nach dem Tod des Radolfzeller Unternehmers (Erika Messmer ist bereits im Oktober 2014 gestorben) und nach der Überführung des Privatvermögens des Ehepaares in die Stiftung, geben Stiftungsvorstand und Stiftungsrat ihr Wissen über einige dunkle Kapitel des Geschäftsmannes preis. Der Grund für ihre Offenheit: Erstens sprach sie der SÜDKURIER konkret darauf an, zweitens will die Stiftung sowohl das Lebenswerk von Werner Messmer als auch seine Person von etwaigen späteren Beschädigungen bewahren.

In großer Offenheit sprechen deshalb der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Karl Steidle, und der stellvertretende Stiftungsratsvorsitzende, Hans-Jürgen Krüger, über eine Steuerhinterziehung, die laut Hans-Jürgen Krüger bei strenger Anwendung des Strafrechts für Werner Messmer zu einer Gefängnisstrafe hätte führen können. Demnach wurden von Werner Messmer zwischen 2000 und 2004 die Erträge einer Stiftung nach Liechtensteiner Recht nicht versteuert. Die Steuernachzahlung belief sich auf 513 000 Euro, gegen eine weitere Zahlung in Höhe von 500 000 Euro sei von einem weiteren strafrechtlichen Verfahren abgesehen worden.

Wie Hans-Jürgen Krüger, der Werner Messmer in dem 2007 eingeleiteten und am 21. Juli 2010 eingestellten Verfahren rechtlich vertrat, erläutert, kam die Steuerfahndung Wuppertal dem Ehrenbürger infolge eines CD-Ankaufs mit Angaben von Geldtransfers in der Schweiz auf die Schliche. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte die Datensammlung von einem Mittelsmann gekauft – aus ihr sei die Überweisung unversteuerter Erträge der Liechtensteiner Stiftung an ein Bankhaus in Zürich hervorgegangen.

Erschwerend sei bei der rechtlichen Vertretung der Interessen von Werner Messmer hinzugekommen, dass die Frist für eine Selbstanzeige verstrichen gewesen sei. "Insofern handelt es sich bei der Steuernachzahlung und der Auflagensumme um einen Glücksfall", so die Bewertung von Hans-Jürgen Krüger, "und Werner Messmer war froh, dass er so aus der Sache herauskam." Allerdings habe es durchaus Gründe für Milde gegeben. Berücksichtigt worden sei der gesundheitlich angeschlagene Zustand von Werner Messmer ebenso wie die Existenz der gemeinnützigen Messmer-Stiftung sowie die Anzahl und Höhe der Einzelspenden des Ehrenbürgers.

Ein wesentliches Argument schließlich war der Umstand, dass Werner Messmer laut Hans-Jürgen Krüger nicht Nutznießer der Erträge aus der Liechtensteiner Stiftung gewesen sei. "Da stellt sich dann schon die Frage, was die Öffentlichkeit von einer Bestrafung Werner Messmers gehabt hätte", so Hans-Jürgen Krüger. Vollständig aus der Verantwortung entlassen will er den Unternehmer aber nicht. Erstens gelte der Grundsatz, dass Unwissenheit nicht vor Strafe schütze, zweitens sei Werner Messmer bei klarem Verstand gewesen – er gehe davon aus, dass er sich sehr wohl bewusst gewesen sei, dass die Erträge der Liechtensteiner Stiftung versteuert werden mussten.

Bei der Frage, wer denn anstelle von Werner Messmer Nutznießer der Liechtensteiner Stiftung gewesen sei, nennen Karl Steidle, Hans-Jürgen Krüger und auch der Stiftungsratsvorsitzende Gunter Langbein den von 1988 bis 2010 mit umfassenden Vollmachten ausgestatteten Berater Jörg von Schwabe – der Anwalt aus Hamburg war in jenen Jahren regelmäßig bei öffentlichen Veranstaltungen an der Seite der Familie Messmer zu sehen. "Es war sehr schwierig", sagen die drei Vertreter der Messmer-Stiftung übereinstimmend, "Werner Messmer die Augen über die Person des Jörg von Schwabe zu öffnen." O-Ton Hans-Jürgen Krüger: "Er hat sich von seinem damaligen Berater über den Tisch ziehen lassen."

Um welche Summe es dabei (neben anderen Geschäftstätigkeiten) allein im Fall der Liechtensteiner Stiftung ging, ergibt sich aus dem Stiftungskapital. Laut Hans-Jürgen Krüger lag es Ende 2000 bei 13,572 Millionen Franken. Selbst bei einer Ertragslage von nur 1,5 Prozent komme man da auf eine Summe von rund 200 000 Franken pro Jahr. Bei der Abwicklung der Liechtensteiner Stiftung habe Jörg von Schwabe dann noch einmal eine fürstliche Abfindung kassiert.

Jörg von Schwabe bestätigte gegenüber dem SÜDKURIER etliche der Angaben der Vertreter der Messmer-Stiftung – so habe Werner Messmer ihm nach Beendigung des Mandatsverhältnisses telefonisch von der Auflagenzahlung in Höhe von 500 000 Euro infolge der Steuerhinterziehung informiert. Auf die Frage, ob auch er als Berater sich mit Steuernachzahlungen oder Finanzauflagen konfrontiert sah, machte er keine Angaben. Außerdem habe er nie eine Steuererklärung oder Wirtschaftsprüfung für Erika oder Werner Messmer unterschrieben – dies sei Sache eines Wirtschaftsprüfers/Steuerberaters in Villingen gewesen. Die Vorwürfe seines Berater-Nachfolgers Karl Steidle, er (Jörg von Schwabe) habe durch seine beratende Funktion maßgeblichen Anteil an der Steuernach- und Auflagenzahlung durch Werner Messmer gehabt, bezeichnet der Hamburger Anwalt als "dummes Zeug" und verweist in diesem Zusammenhang auf seine nach wie vor bestehende Anwaltszulassung. Auch den Einwand, Werner Messmer habe die Geschäfte aufgrund seines Alters oder Gesundheitszustandes nicht mehr voll durchblicken können, lässt er nicht gelten: "Werner Messmer war ganz bestimmt nicht gaga. Und er war auch immer mit einem gesunden Misstrauen ausgestattet."

Werner Messmer oder die alte Geschichte von Fluch und Segen des Geldes

  1. Erika- und Werner-Messmer-Stiftung: Das Unternehmerehepaar baute die Stiftung kontinuierlich aus, beim Tod von Werner Messmer im Mai diesen Jahres belief sich das Stiftungskapital auf 14 Millionen Euro. Das Testament sah die Überführung des Privatkapitals in die Stiftung vor – dieser Prozess ist weitgehend abgeschlossen, das Stiftungskapital liegt jetzt bei 38 Millionen Euro.
  2. Liechtensteiner Stiftung: Der Begriff ist irreführend, weil man ihn mit einem gemeinnützigen Zweck verbindet. Bei der Liechtensteiner Stiftung von Werner Messmer war dies jedoch nicht der Fall, im Prinzip handelte es sich um eine rechtlich zulässige Form der Vermögensverwaltung. Gegründet wurde die Stiftung bereits 1982 – sechs Jahre vor der Beratertätigkeit von Jörg von Schwabe.
  3. Steuersünder CDs: Im Jahr 2006 ging bei Steuerbetrügern das große Zittern los. Von deutschen Behörden wurden erstmals CDs mit Bankdaten vor allem von Schweizer Banken gekauft. Bei einem der prominentesten Steuerbetrüger handelte es sich um Klaus Zumwinkel von der Deutschen Post. Politisch ist der Kauf von Steuer-CDs bis heute umstritten – unter anderem wegen des Datendiebstahls.
  4. Der Streit ums Geld: Beim Landgericht Konstanz und dem Oberlandesgericht Karlsruhe sind zwei Gerichtsverfahren anhängig, in denen es um angeblich ausstehende Zahlungen von Werner Messmer geht. Je nach Urteil könnte das Stiftungskapital der Messmer-Stiftung, von der vor allem gemeinnützig-wohltätige Einrichtungen in Radolfzell profitieren, nochmals erhöht werden. (tol)