Rund 800 alleinerziehende Frauen sind im Landkreis Konstanz beim Jobcenter gemeldet. Sie gehören zu der am schwersten zu vermittelnden Gruppe in den Arbeitsmarkt. Alleinerziehende Mütter regeln vieles selbst und werden stärker als Ehepaare beansprucht, bei denen Lasten auf mehrere Schultern verteilt werden. Oftmals geben die Mütter auf oder haben keinen Mut mehr. Seit 2012 mobilisiert die Caritas mit einem kreativen Projekt alleinerziehende Mütter. In diesem Monat zog sie mit dem Jobatelier in die Räume des ehemaligen Jobcenters nach Radolfzell. Durch kreativ-künstlerische Methoden erhalten alleinerziehende Mütter im Jobatelier eine Stärkung der Persönlichkeit und entwickeln mit einer Sozialpädagogin eine berufliche Perspektive. 80 Prozent der Teilnehmerinnen konnten bisher wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Astrid Koberstein-Pies ist Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt des Jobcenters im Landkreis Konstanz und beim Auswahlverfahren für das Jobatelier dabei. Das Projekt läuft in der Regel für ein Jahr. Jede Frau kann individuell den Zeitraum bestimmen und bekommt Unterstützung, Anleitung und Hilfestellung für eine berufliche Perspektive und Unabhängigkeit. "Mir ist es wichtig, dass das Kopfkino und die Spirale nach unten aufhören. Es kann auch den umgekehrten Weg gehen", so Koberstein-Pies.

Die Teilnehmerinnen sind zwischen 19 und 50 Jahre alt und kommen mit unterschiedlichen Qualifikationen. Die Sozialpädagogin Mirjam Heintze macht mit den Müttern eine Bestandsaufnahme der Situation. Sie entwickelt umsetzbare Perspektiven oder hilft beim Aufbau von Netzwerken. In Seminaren, Einzelgesprächen und Fachrunden können sich die Mütter vorbereiten.

Mit der Künstlerin Haide Riedle werden parallel kreative Potenziale geweckt und wiederentdeckt. Sie begleitet die Frauen beim intuitiven Malen mit Musik, gestaltet mit ihnen eine Ausstellung oder erzählt Märchen, in denen sich die Personen in Metaphern wiederentdecken können. "Die Kunst hilft, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, sie stärkt das Selbstwertgefühl und unterstützt in idealer Weise die Maßnahme", so Riedle.