Am 9. November 2018 jährt sich die Reichspogromnacht zum 80. Mal. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden jüdische Geschäfte zerstört, fast in jeder Stadt wurden Synagogen in Brand gesetzt und deutsche Juden auf offener Straße angegriffen. Zum Gedenken an die Ausschreitungen veranstaltet die Stadt Radolfzell in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Radolfzell (ACK) und der Stolperstein-Initiative Radolfzell einen Themenabend.

Erinnerung an Pogromnacht und ihre Folgen

Dieser soll nicht nur einen Rückblick auf die NS-Zeit in Radolfzell werfen, sondern auch mit Blick auf die Gegenwart und Zukunft für gemeinsames Miteinander und ein offenes Radolfzell werben. Dabei wird an mehreren Stellen in der Stadt an die Reichsprogromnacht und ihre Folgen erinnert.

Start der Veranstaltungen ist am Innovationszentrum (RIZ), das sich in den Räumlichkeiten der ehemaligen SS-Kaserne befindet. Dort wird die ACK im Foyer eine ökumenische Andacht abhalten und ihren Friedensweg 2018 beginnen. Zur ACK gehören die evangelischen Kirchen in Radolfzell und Böhringen, die katholischen Kirchen der Kernstadt und der Ortsteile, die Evangelisch-methodistische Kirche (Werkstattkirche), die Evangelisch Freikirchliche Gemeinde (Baptisten), die Freie evangelische Gemeinde (FeG) und die Neuapostolische Kirche (NAK).

"Es geht um das regelmäßige Erinnern"

Direkt im Anschluss will Oberbürgermeister Martin Staab am Mahnmal vor dem RIZ in seiner Begrüßung der Besucher die Erinnerung an die Opfer des NS-Terrors wachhalten und zugleich an an die nächste Generation weitergeben. Denn das ist eine Aufgabe, zu der sich die Stadt Radolfzell im Jahr 2015 im Rahmen der Leitlinien "Erinnerungskultur" selbst verpflichtet hat. "Es geht um das regelmäßige Erinnern", sagte dazu jetzt Kultur-Fachbereichsleiterin Angelique Tracik auf einem Pressetermin. Als weitere Rednerin wird die zweite Sprecherin der Stolperstein-Initiative, Elisabeth Burkart, das Wort am Mahnmal vor dem RIZ ergreifen.

Dann wechselt der Schauplatz in die Innenstadt. Um 18.40 Uhr wird die Stolperstein-Initiative am Seetorplatz beim GURS-Stein den Stolperstein von Alice Fleischel reinigen. Im Anschluss werden noch weitere der insgesamt 23 Stolpersteine in der Stadt gereinigt. An allen Standorten wird eine kurze geschichtliche Erläuterung zu den Personen gegeben. "Das ist ein Baustein für das kulturelle Gedächtnis in Radolfzell, sagte dazu Alfred Heim von der Stolperstein-Initiative.

Geplanter Vortrag von Jürgen Klöckler fällt aus

Der geplante Abschluss der Gedenkveranstaltungen, ein Vortrag des Leiters des Stadtarchivs Konstanz, Jürgen Klöckler, muss krankheitsbedingt ausfallen und wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Klöckler hat die Ereignisse in Radolfzell, auf der Höri sowie im westlichen Bodenseeraum aus der Perspektive von Opfern und Tätern, aber auch der zahlreichen Zuschauer rekonstruiert und wird bei dem noch zu bestimmenden Ersatztermin die Reichspogomnacht in das allgemeine Verfolgungsgeschehen im Deutschen Reich einbetten.

Wo die SS ihren Basis-Standort hatte

Radolfzell war über seine Stadtgrenzen hinaus als Standort der SS-Kaserne unter dem damaligen SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen maßgeblich für die Verfolgung der Juden in der Region verantwortlich. Denn die SS-Mitglieder aus Radolfzell spielten eine entscheidende Rolle bei der Zerstörung der Synagogen in Wangen, Gailingen und Randegg. Auch die Konstanzer Synagoge wurde durch sie gesprengt. Der Eintritt ist frei, Spenden sind jedoch willkommen.