Weil die Partnergemeinde der Sankt Laurentius-Gemeinde in Peru mit dem Coronavirus zu kämpfen hatte und sich kein Sauerstoffgerät leisten konnte, hat der Kleidermarkt Markelfingen einen Seelenverkauf gestartet, um Spenden zu sammeln. Die Idee kam ihnen vor zwei Monaten. „Wir hatten einen Hilfeanruf aus Peru bekommen“, sagt Marion Ruther vom Kleidermarkt Markelfingen. Der Anruf nicht ganz ungewöhnlich. „Die Menschen leben dort oft unter der Armutsgrenze“, weiß Ruther und hilft mit ihrem Team jedes Jahr aus. Weil auf dem Kleidermarkt zehn Prozent vom Umsatz des Verkäufers und zehn Projekt vom Kaufpreis des Käufers an die Partnerschaftsgemeinde gespendet werden, konnte ihr Team schon den Bau eines Kinder-und Jugendheims mitfinanzieren.

Doch dieser Anruf war anders. Dringlicher. „In Sicuani hatten die Menschen nicht genug Geld, sich ein Sauerstoffgerät anzuschaffen“, sagt Ruther. Und dachte: „Wir müssen etwas tun.“ Da der Kleidermarkt wegen der Pandemie ausfallen musste, beschloss sie mit dem Rest des Organisationsteam, einen Seelenverkauf zu starten. Die Brötchen konnten vorbestellt und im Rathaus in Markelfingen abgeholt werden. „Drei Sorten gab es zum Auswählen“, sagt Ruther und weiß noch, wie die ersten Bestellungen eingingen. „Am Anfang waren es ganz wenige, da waren wir fast ein bisschen niedergeschlagen, weil das Projekt eine Herzensangelegenheit war.“ Und dann: Nur wenige Tage vor dem Ende der Vorbestellungszeit, sollten es 600 Seelen sein, die Ruther und ihr Team zu belegen und zu verpacken hatten. „Das war wirklich schön“, sagt sie. Und: „Es hat uns angespornt.“

Am Ende kamen 1900 Euro zusammen

Innerhalb von sechs Stunden, belegte und verpackte sie mit ihrem Team – insgesamt waren sie zu neunt – mit Abstand und Mundschutz all die 600 Seelen. Das Rathaus Markelfingen hatte ihnen dazu einen Raum zur Verfügung gestellt. Abgeholt werden konnten die Seelen direkt vor Ort. Es gab aber auch einen Lieferdienst.

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Mit den Seelen hat der Kleidermarkt so 1900 Euro einnehmen und nach Sicuani schicken können, wo die Gemeinde sich durch diese und andere Spenden ein Sauerstoffgerät anschaffen konnte. „Im Nachgang haben wir so viel tolles Feedback bekommen, von den Leuten hier, die die Seelen gekauft haben und aus Peru“, erzählt Ruther und in ihrer Stimme klingt Stolz mit. „Sollte sich die Corona-Situation im nächsten Jahr nicht ändern, machen wir den Seelenverkauf auf jeden Fall wieder.“

Eine Begegnung aus diesem Jahr ist ihr noch besonders in Erinnerung geblieben. Noch während sie die Seelen belegte – die Abholzeit war für abends anberaumt – tauchte drei, vier Mal ein älterer Herr vor dem Rathaus auf. „Ich kenne viele Leute, aber ihn hatte ich noch nie gesehen“, meint Ruther, die mit dem Kleidermarkt sonst eher „ junge Leute“, wie sie sagt, anzieht. „Dass sich das jetzt ausgeweitet hat, ist einfach nur schön.“ Der ältere Herr spornte sie mittags an, holte abends seine Seele ab und bedankte sich auf liebe Weise.

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