Barrierefreiheit ist im öffentlichen Personennahverkehr ein großes Thema. Der Gemeinderat in Mühlingen will die gesetzlichen Vorgaben bis zum 1. Januar 2022 erfüllen. Das mit dem Thema beauftragte Büro, die Civil Around GmbH, stellte nun Gemeinderäten und Besuchern, die Bestandserfassung der 33 Bushaltestellen im Gemeindegebiet vor.

Eine Gesamtbestandsaufnahme erfolgte bereits bei einer Begehung mit Bürgermeister, dem beauftragten Büro und der Polizei im Rahmen einer Verkehrsschau. Auch gab es hieraus resultierend eine Liste aller Haltestellen mit Priorisierung in drei Kategorien. Da aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht immer alle Anforderungen erfüllt werden könnten, versuche man nun in allen Ortsteilen mindestens eine Haltestelle auszubauen. In großen Ortsteilen mit viel Schülerverkehr oder wie in Mühlingen mit dem Rathaus sei der Ausbau mehrerer geplant.

Probleme in Mainwangen

Gemeinderat Peter Kible fasste zusammen: „Alle Gemeinden haben dasselbe Problem.“ Die geographischen Begebenheiten erschweren an manchen Haltestellen eine einfache und kostengünstige Umsetzung. In Mainwangen sahen die Planer und Teilnehmer der Verkehrsschau trotz relativ ebener Fläche Probleme durch die Parkflächen des gegenüberliegenden Gemeindehauses und der Ein- und Ausfahrt beim Feuerwehrhaus. Dort müsse beispielsweise mit hohem Aufwand gerechnet werden. Die Busbordsteine anzuordnen sei schwierig.

Der Umbau einiger anderer Haltestellen könnte hingegen weniger Schwierigkeiten bereiten, was die anfallenden Kosten für den dreijährigen Umbaumarathon verringern könnte, der dann im kommenden Jahr eventuell beginnen wird.

20 000 Euro pro Haltestellenpunkt

Durch die Hoffnung auf Bezuschussung des Umbaus wird sich das Ende der Maßnahme wohl um ein Jahr nach hinten verschieben. Pro Haltestellenpunkt wird mit Kosten in Höhe von rund 20 000 Euro gerechnet. Die Räte diskutierten eifrig und heftig über Notwendigkeiten an manchen Stellen. So verschob sich die Priorisierung der Haltestelle an den Geigeshöfen, welche im Verhältnis wohl eine der schwächsten Ein- und Ausstiegzahlen habe, von der Kategorie zwei in die Kategorie drei. Gleichzeitig dachte das Gremium sogar über die komplette Verlegung einer Haltestelle bei Gallmannsweil oder in Mühlingen über die Möglichkeit der Aufgabe der Haltestelle am Kriegerdenkmal nach.

Haltestellen an Schulen haben Priorität

Bei einem jedoch waren sich alle Räte stets einig: Wo viele Kinder täglich im Schülerverkehr ein- und aussteigen, müsse die Priorisierung hoch sein. Bürgermeister Manfred Jüppner wies beispielsweise auf die Haltestelle an der K 6180 hin: „Dies ist ein wichtiger Umstiegspunkt in die RAB-Linien, deshalb steht sie in der Kategorie 1.“ Auch die Haltestellen Grundschule Mühlingen und die Haltestelle an der Zoznegger Weiherbachschule stehen in der Kategorie 1. Diese Stellen sollen dann eine lichte Durchgangsbreite von mindestens 90 Zentimetern an allen Stellen erhalten, eine kontrastreiche visuelle Gestaltung, eine einheitliche Höhe des Hochbords, einen Haltestellenmast mit einem gültigen Verkehrsplan sowie eine ausreichende Beleuchtung.

Jüppner erläuterte, dass die Verwaltung das erste Paket an Zuschussanträgen bereits beim Land Baden-Württemberg eingereicht habe. Die geplanten Umbauten erfüllten die Förderrichtlinien. Daher erhoffe man sich einen Zuschuss von bis zu 50 Prozent. Eine Bagatellgrenze in Höhe von 100 000 Euro liege der Förderung zugrunde. Daher habe man Pakete mit mehreren Haltestellen geschnürt.