Die jüngsten Unwetter haben vielen Bauern die Ernte regelrecht verhagelt. Der immer wiederkehrende Starkregen hat auf den Feldern im Hegau große Schäden angerichtet. Vor allem die Kartoffel- Getreide-, Obst- und Maisernten sind davon hart betroffen. Die Landwirte berichten: Bei den Unwettern der jüngsten Vergangenheit sei das Wasser einfach auf den Feldern stehengeblieben. Der Boden sei durch den Niederschlag gesättigt, er könne die Wassermassen einfach nicht mehr aufnehmen.

Gelb ist keine gute Farbe auf dem Kartoffelfeld: Erwin Häufle aus Mühlhausen-Ehingen sorgt sich um viele seiner Pflanzen auf den überfluteten Feldern.
Gelb ist keine gute Farbe auf dem Kartoffelfeld: Erwin Häufle aus Mühlhausen-Ehingen sorgt sich um viele seiner Pflanzen auf den überfluteten Feldern. | Bild: Matthias Güntert

Auch Landwirt Erwin Häufle aus Mühlhausen-Ehingen schaut regelmäßig mit Sorgenfalten in den Himmel, wenn dicke Gewitterwolken aufziehen. Er baut auf seinen Felder Kartoffeln an. Im Gespräch mit dem SÜDKURIER spricht er davon, dass 15 bis 20 Prozent seiner diesjährigen Kartoffelernte den Unwettern zum Opfer gefallen sind. „Besonders unser Feld zwischen Mühlhausen und Ehingen ist ein Totalausfall“, sagt er.

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Laut Häufle würden Kartoffeln nur eine gewisse Zeit vertragen, in der sie im Wasser stehen können. Danach verfaulen sie und sind nicht mehr zu retten. „48 Stunden, dann ist Schluss“, so Häufle. Zum Teil sei das Wasser bis zu 25 Zentimeter auf seinen Feldern gestanden. Durch Notfallmaßnahmen habe man in seinem Betrieb versucht, Schadensbegrenzungen zu betreiben. „Aber dort, wo sich jetzt gelbe Pflanzen bilden, ist wohl in acht bis zehn Tagen nichts mehr zu machen“, so Häufle. Soll heißen: Dort würden die Kartoffelpflanzen abfaulen.

70 bis 80 Tonnen Kartoffeln werden verfaulen

13 Hektar Kartoffelacker bewirtschaftet Erwin Häufle. Pro Hektar werden dort etwa 35 Tonnen Kartoffeln angebaut. In diesem Jahr werden es weniger sein. Denn die Unwetter haben die Ernte von etwa zwei bis Hektar eingefordert. Das entspricht einer Einbuße von 70 bis 80 Tonnen Kartoffeln. Dennoch gibt Erwin Häufle Entwarnung: „Wir haben unsere Kartoffelflächen in diesem Jahr auf verschiedenen Standorten so platziert, dass es genügend Kartoffeln geben sollte.“

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Dennoch blickt er nach diesen Worten wieder in den Himmel, der an diesem Tag kristallklar leuchtet. „Bloß regnen sollte es die kommenden Tage erst einmal nicht“, lautet sein Wunsch. Er beziffert den Schaden im Hegau, der durch die Regenfälle entstanden ist, auf einen Millionenbetrag. „Eigentlich war das Jahr ein gutes für uns Landwirte, doch dann kam der viele Regen“, sagt er.

Martin Schneble, Landwirt aus Hilzingen: „Durch die starken Regenfälle wird es kleineres Korn geben und dies bedeutet, dass der Ertrag geringer ausfällt.“
Martin Schneble, Landwirt aus Hilzingen: „Durch die starken Regenfälle wird es kleineres Korn geben und dies bedeutet, dass der Ertrag geringer ausfällt.“ | Bild: Ingeborg Meier

Martin Schneble aus Hilzingen pflichtet seinem Kollegen aus Mühlhausen-Ehingen bei: „Die Landwirtschaft hat durch die Regenfälle starke Schäden erhalten.“ Besonders beim Mais und beim Weizen werde dies deutlich. Auch hier habe sich die ungewünschte Farbe in großen Teilen der Ernte breit gemacht: gelb.

Zu viel Nässe: Diese Kartoffeln werden verfaulen.
Zu viel Nässe: Diese Kartoffeln werden verfaulen. | Bild: Matthias Güntert

Aber Schneble berichtet auch von einem weiteren Problem. Durch die Nässe und die daraus entstehende Feuchtigkeit würden sich auch Pilze schneller auf den Feldern vermehren. Und dies sorge wiederum dafür, dass die Pflanzen nicht genügend wachsen können. „Dadurch wird es kleineres Korn geben und dies bedeutet, dass der Ertrag geringer ausfällt“, so Schneble. Ein weiteres Problem: Durch die regennassen Böden könnten die schweren Mähdrescher nicht überall auf die Felder. Viele Pflanzen würden deshalb viel länger auf den Feldern stehen, als für sie gut sei.

Einbußen von 20 bis 25 Prozent befürchtet

Laut einer vorsichtigen Schätzung des Hilzinger Landwirtes werde beim Getreide etwa 20 bis 25 Prozent der sonst üblichen Ernte fehlen. „Ich kann mir bei weitem nicht vorstellen, dass dieses Jahr jetzt noch ein gutes für die Landwirtschaft in der Region wird“, betont er. Wie etwa sein Betrieb dieses schwere Jahr finanziell auffangen wolle? „Wir werden Investitionen zurückstellen“, sagt er. Besonders hart habe es seine Kirschen getroffen. Auf etwa drei Hektar baut Martin Schneble diese an: „Durch die hohe Luftfeuchtigkeit ist ein Großteil der Kirschen verfault.“ Dies liege mitunter daran, dass es eigentlich seit dem 1. Mai mit nur ganz kurzen Pausen durchweg geregnet habe.

Dieser Mais steht noch zentimeterhoch im Wasser. Er wird nicht mehr zu retten sein.
Dieser Mais steht noch zentimeterhoch im Wasser. Er wird nicht mehr zu retten sein. | Bild: Matthias Güntert

Martin Schneble beobachte ohnehin, dass die extremen Wetterperioden von Jahr zu Jahr zunehmen. 2020 sei es noch die extreme und lange Hitzewelle, die der Landwirtschaft zugesetzt habe. „Aber Hitze ist besser als Nässe“, sagt Schneble. Die ganze Bodenseeregion leide darunter. In 14 Tagen etwa stehe das Einholen der Getreideernte an, bis dahin hoffe Schneble, dass kein neuer Starkregen hinzukäme und die Felder für das schwere Gerät wieder ausnahmslos befahrbar sei.