Beim ersten Treffen im neuen Jahr wird nicht geprobt, der Kirchenchor Mühlhausen trifft sich zum geselligem Beisammensein. Mit Applaus begrüßen die Sängerinnen und Sänger ihren Dirigenten Simon Götz, der seit knapp eineinhalb Jahren den Chor leitet. Vorstand Lothar Stengele erinnert gleich an das Weihnachtskonzert und verschweigt nicht: "Es war eine Herausforderung für uns, aber das Ergebnis konnte sich sehen und hören lassen."

Dabei stand der Chor mangels Dirigenten noch vor gar nicht allzu langer Zeit kurz vor dem Aus. Auf der Suche nach einem neuen Leiter fand der Kirchenchor Mühlhausen in Simon Götz einen jungen Dirigenten, der seinen Schützlingen etwas zutraut. Beim Weihnachtsgottesdienst in der St. Peter und Paul Kirche sang der Chor aus der Messe in G-Dur von Franz Schubert – es war das erste Mal, dass der Chor ein Stück in dieser Länge und Schwierigkeit sang. Simon Götz sagt bescheiden: "Die Unterstützung von der Solistin hat die Chorsänger motiviert." Der 23-Jährige kommt aus einer musikalischen Familie, den erwähnten Solopart sang seine Schwester Flavia.

Die Chorleitung übernahm er gern, auch wenn damit viel Zeiteinsatz verbunden ist. "Für mich ist das schön. Es hat einen Reiz, die Eigenarten der Sänger kennenzulernen und sie über einen längeren Zeitraum zu begleiten", erläutert er. Er geht mit Zuversicht an diese Aufgabe heran und ist überzeugt: "Wenn alles passt, kann man auch viel erreichen." Dazu trage auch seine ruhige Art und sein Einfühlungsvermögen bei, sind sich die 21 Chorsänger einig.

Musik gehört von Kindesbeinen an zu seinem Leben, sei es als Sänger im Kinderchor St. Peter und Paul in Singen oder als Instrumentalist. In der Jugendmusikschule Singen lernte Simon Götz Saxofon, später Kontrabass und Klavier dazu. Mit Eigenkompositionen war er bei Jugend Komponiert dabei und sammelte als 15-Jähriger erste Ensemble-Erfahrungen. Am Hegau-Gymnasium leitete er projektweise den Chor, als Orchestermentor führten Chor und Orchester der Schule unter seiner Leitung auch ein Konzert mit seinen Kompositionen auf.

Seit Geburt ein Poppele

2014 begann Götz ein Studium zum Gymnasiallehrer, aber: "Musik lief immer nebenher, vor allem in Ensembles." Seit mehr als zehn Jahren spielt er Saxofon in der Guggenmusik "Freibad" der Poppelezunft. "Das hat sich einfach ergeben. Seit meiner Geburt bin ich Mitglied bei der Poppelezunft." Über die Eltern sei er in die Narretei hineingewachsen. Er bereichert die Zunft nicht nur mit musikalischen Vorträgen, denn wie mit Noten kann er auch mit Wörtern jonglieren- Simon Götz war schon als 16-Jähriger für den Narrenspiegel engagiert.

Er ist in der Textergruppe, schreibt und hält Büttenreden. Fasnacht sei der Höhepunkt im Jahr. Aber: "Man muss das ganze Jahr am Ball bleiben." Denn Klatsch und Tratsch und Ereignisse in Politik und Gesellschaft sind die Zutaten, die in der Bütt närrisch aufbereitet serviert werden. Und da die Poppele-Narren es ganz genau nehmen, sei es schon vorgekommen, dass er kurz vor dem Auftritt Verse umdichten oder neu in die Büttenrede aufnehmen musste.

Die Uni und die Feuerwehr

Als Chorleiter, Musiker und Texter bringt Simon Götz sein musisches Talent ein, im Gegensatz dazu steht sein Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr Singen, wo er als Zehnjähriger in die Jugendfeuerwehr eintrat. Neben den Proben und Einsätzen ist er auch in der Ausbildung tätig. "Ich habe gern mit Menschen zu tun und wenn man sich versteht, macht es Spaß", erklärt er.

Zu seinen vielseitigen Interessen gehörte auch schon immer Geschichte, in diesem Studienfach ist er als studentischer Mitarbeiter an der Uni im Einsatz. Die Neuzeit und Kulturgeschichte ist sein Schwerpunkt, wobei er auch regionale Ereignisse mit einbezieht. So steuert Götz auch seit mehreren Jahren Beiträge zum Jahrbuch bei.

Ein stattliches Programm, aber durch gutes Zeitmanagement sei das alles zu schaffen, sagt der 23-Jährige. "Ich habe Lust, kreative Gedanken auch umzusetzen und zu gestalten, sei es in der Musik oder beim Texten. Das geht nur, wenn man Spaß daran hat."