Ein paar Klicks, dann ist man drin. Nur noch die Kamera des PC-Monitors aktivieren, und schon rufen alle in die Runde: „Morgen!“ Wir sind zu Gast beim Unterricht per Videokonferenz der Zeppelin-Gewerbeschule, genauer gesagt in einem Meisterkurs für Sanitär/Heizung/Klima. Lehrer Martin Rist hat kurz nach der Schulschließung den Unterricht ins Netz verlegt. So können die Meisterschüler auch Online ihre Aufgaben erledigen und dabei miteinander und mit ihrem Lehrer in Kontakt treten.

Technik stockt manchmal

Möglich macht dies das Programm Microsoft Teams. Jeder sitzt zu Hause vor seinem Rechner, meldet sich an und ist somit für die anderen sichtbar. An diesem Morgen in der ersten Unterrichtsfreien Woche geht es in Lehrer Martin Rists Kurs „Auftragsabwicklung und Arbeitsprozesse“ um Dinge wie Lohnzusatzkosten und Materialgemeinkostenzuschlag. Die Schüler hatten von Rist über die digitale Lernplattform Moodle eine Aufgabe bekommen, die die Gruppe nun bespricht. Rist blendet für alle sichtbar die Lösung ein. 18 Meisterschüler sind heute virtuell anwesend, sie machen diszipliniert mit.

Lehrer Martin Rist kann über das Computerprogramm auch Aufgaben für alle sichtbar einblenden und bearbeiten.
Lehrer Martin Rist kann über das Computerprogramm auch Aufgaben für alle sichtbar einblenden und bearbeiten. | Bild: Kirsten Astor

Fast wie im Klassenzimmer?

Nicht ganz. Über die Kameras an den Computern der Schüler ist ersichtlich, wo sie am Unterricht teilnehmen: In der Küche, im eigenen Zimmer, auf dem Balkon. Als Martin Rist etwas erklärt, sind im Hintergrund Kinderstimmen zu hören.

Schülern fehlen Sozialkontakte

Am Ende der Einheit ist Zeit für ein Fazit. Der 30-jährige Schüler Joshua Fischer findet den virtuellen Unterricht „blöd“: „In der Schule können wir besser nachfragen, außerdem fehlen mir die Sozialkontakte“, sagt er. Für den 23-jährigen Daniel Fellhauer bedeutet die Situation „auf jeden Fall eine große Umstellung, denn zu Hause muss ich mich mehr zum Lernen motivieren. Ich glaube auch nicht, dass wir zu demselben Lernerfolg kommen wie wenn wir in der Schule wären.“

Birgit Neschen, Lehrerin der Zeppelin-Gewerbeschule, während einer virtuellen Lehrerkonferenz. Das Programm zeigt automatisch denjenigen an, der spricht.
Birgit Neschen, Lehrerin der Zeppelin-Gewerbeschule, während einer virtuellen Lehrerkonferenz. Das Programm zeigt automatisch denjenigen an, der spricht. | Bild: Kirsten Astor

Zwei Bildschirme notwendig

Benjamin Deuring, 24 Jahre, macht auf eine weitere Schwierigkeit aufmerksam: „In manchen Fächern sollen wir etwas mit einem Computerprogramm zeichnen. Dafür brauchen wir schon zwei Bildschirme. Wenn uns dann noch ein Lehrer zugeschaltet ist, müssen wir die Bildschirme aufteilen, das erschwert die Arbeit.“ Ein weiteres Problem: Laut Tobias Wind, 25 Jahre, ist ein Klassenkamerad komplett abgehängt vom virtuellen Klassenzimmer: „Er wohnt in Herdwangen im Kreis Sigmaringen und hat dort solch eine schlechte Internetverbindung, dass er nicht teilnehmen kann.“ Aufgaben kann er nur direkt mit Lehrer Martin Rist austauschen.

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Manche Lehrer ohne Technikerfahrung

Nach den ersten Erfahrungen mit Schule ohne Präsenz sagt der 35-jährige Lehrer der Zeppelin-Gewerbeschule: „Das Unterrichten ist nun auf ein anderes Vermitteln ausgelegt, es verlangt viel Selbststudium von den Schülern, und Erklärungen im Videochat sind nicht so interaktiv wie im normalen Unterricht.“ Für Lehrer wie ihn, der als Maschinenbauingenieur in der Wirtschaft gearbeitet hat, ist die Umstellung nicht schwer. „Aber Lehrer, die damit keine Erfahrung haben, müssen viel aufholen“, meint er. „Und das größte Problem ist, dass es keine Vorgaben vom Land gibt. Alle Schulen sind auf sich gestellt und probieren mit unterschiedlichen Programmen herum – manche vielleicht im Eifer des Gefechts auch mit Gruppenchats per WhatsApp, obwohl das datenschutzrechtlich sehr problematisch ist.“

Eine virtuelle Lehrerkonferenz

Unterdessen probieren sich die Lehrer der Zeppelin-Gewerbeschule in einer virtuellen Lehrerkonferenz. Zehn Pädagogen der Arbeitsgruppe Medien­entwicklungsplan versuchen, an eben jenem weiterzuarbeiten. Erstmals im Videochat. Anfangs läuft es noch nicht ganz rund. Es vergeht eine Viertelstunde, bevor alle Probleme gelöst sind. Dann steigen die Lehrer in die inhaltliche Debatte ein. Lehrerin Birgit Neschen bilanziert nach der ersten Online-Sitzung: „Sie ersetzt nicht das Sprechen von Angesicht zu Angesicht. Je mehr Teilnehmer es gibt, desto schwieriger wird es. Aber im Lauf der Zeit wurden wir immer eingespielter, ein zielgerichtetes Arbeiten war fast ohne Zeitverlust möglich.“ Ihr Kollege Silas Scherer meint: „Ich hätte nicht erwartet, dass wir als Schule diesen Schritt der digitalen Konferenzen und des rein virtuellen Unterrichtens so früh gehen. Das ist ein positiver Faktor von Corona.“

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