Konstanz im Winter 2021. Levin Eisenmann schwärmt von der Schulzeit. Großbritannien, London, Paris, China, Tschechien – der Schüleraustausch und diverse Projekte am Ellenrieder Gymnasium in Konstanz haben ihm die Welt geöffnet. Also gehört die Bildungspolitik definitiv zu den Kernthemen des 23-Jährigen, sollte er denn am 14. März in den Landtag gewählt werden.

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Die nachfolgende Generation, sagt er, soll es einmal genauso gut haben wie er. Die guten Schulerfahrungen sind zugleich der Grund dafür, dass für Levin Eisenmann die Uni kein Kontrastprogramm ist. Er studiert Jura im neunten Semester und im Herbst will er auf jeden Fall das Examen ablegen. Auch dann, wenn er gewählt wird. „Politik“, sagt Levin Eisenmann, „ist immer nur auf Zeit.“

Herr Eisenmann auf dem politischen Parkett und Levin mitten im Studentenleben

Erst vor Kurzem hat Levin Eisenmann das Elternhaus verlassen, er wohnt jetzt mit zwei Freunden aus der Schulzeit in einer Wohngemeinschaft bei der Gebhardskirche. Er verkauft auf 450-Euro-Basis Obst auf dem Wochenmarkt, damit er das Geld für die Studentenbude zusammenbekommt.

Levin Eisenmann auf dem Konstanzer Wochenmarkt. Der 23-jährige Landtagskandidat der CDU hilft beim Verkauf von Obst, um sich so sein Studium zu finanzieren.
Levin Eisenmann auf dem Konstanzer Wochenmarkt. Der 23-jährige Landtagskandidat der CDU hilft beim Verkauf von Obst, um sich so sein Studium zu finanzieren. | Bild: Oliver Hanser

Den Obstbauern aus Litzelstetten, der ihn beschäftigt, kennt er von der Aktion „Rettet die Bienen“. Das Volksbegehren vor etwa eineinhalb Jahren hat er als Vorsitzender der Jungen Union unterstützt. Was macht so einer bei der CDU? Warum ist er nicht bei den Klimaschützern?

Gut, äußerlich bedient Levin Eisenmann mit brav gescheiteltem Fassonschnitt und einer Homepage-Präsentation in Schlips und feinem Tuch das Bild eines konservativen Politik-Verständnisses – doch das war‘s dann auch schon mit der wertkonservativen Attitüde.

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Als Parteisoldat jedenfalls erscheint er nicht, eher als einer aus der Generation, die ernsthaft um ihre Zukunftsmöglichkeiten fürchtet. Trotz des Ideals eines gestriegelten Schwiegermutter-Sohns lässt sich Levin Eisenmann bei den jungen Wilden einordnen, für die die ökologische Umgestaltung und der Klimaschutz einer politische Initiation gleichkommt.

Seine Themen sind unter anderem die Mobilitätswende und der Klimaschutz

Deshalb werden, wenn‘s nach Levin Eisenmann geht, in den nächsten fünf Jahren Parkplatzflächen zum Zweck der Solarstrom-Produktion überdacht. Geradezu ungeduldig für seine ansonsten überlegt-kontrollierte Haltung mit druckreifer Rede wirkt der 23-Jährige bei der Mobilitätswende.

Wieso geht es damit nicht voran im Musterländle? Als Statthalter des Wahlkreises fordert er ferner mehr Tempo bei Gäu- und Bodenseegürtelbahn und für ihn ist es ein Unding, dass die Fahrzeugflotte des Landes nicht längst flächendeckend auf E-Mobilität umgestellt ist.

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Dass Levin Eisenmann lokal etwas gegen die globale Überhitzung unternehmen will, geht am deutlichsten aus seiner Wahlwerbung hervor. Für jede 50ste Stimme, die er bei der Landtagswahl bekommt, will er einen Baum pflanzen lassen. Da er das Ziel verfolgt, die amtierende Landtagsabgeordnete von den Grünen, Nese Erikli, zu überrunden, könnte ein kleines Wäldchen entstehen.

Für den CDU-Kandidaten ist „Winfried Kretschmann ein Hirte ohne Herde“

Mit dieser Agenda wäre Levin Eisenmann auch jemand für Winfried Kretschmann, was auf den Gesichtszügen des Levin Eisenmann ein leichtes Lächeln erkennen lässt. Die Sympathien sind offensichtlich, aber für den CDU-Kandidaten ist „Winfried Kretschmann ein Hirte ohne Herde“.

Soll heißen: Er schätzt den Pragmatismus des Ministerpräsidenten, der für ihn aber spätestens auf Bundesebene eine solitäre Erscheinung der Grünen darstellt.

Levin Eisenmann, CDU-Landtagskandidat, beim Gespräch im SÜDKURIER Medienhaus im vergangenen Jahr.
Levin Eisenmann, CDU-Landtagskandidat, beim Gespräch im SÜDKURIER Medienhaus im vergangenen Jahr. | Bild: Oliver Hanser/SK-Archiv

Die CDU ist da nach seiner Auffassung ein anderes Kaliber, auch wenn die Partei möglicherweise bald eine Herde ohne Hirtin ist. Dass Angela Merkel aufhört, hält Levin Eisenmann für einen Verlust, auf der anderen Seite lebe Politik nun mal vom Wechsel. Der Pragmatismus der Partei aber werde bleiben – davon ist er seit seinem Parteibeitritt im Jahr 2012 überzeugt.

Das übrigens geschah kurz nach einem Besuch des Europaparlaments in Straßburg. Die Erinnerung daran ist schön und gut und das wiederum ist wenig verwunderlich. Der Besuch fand im Rahmen eines Schulprojekts statt.

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