Michael Buchmüller

Nein, im Ofen, als Gänsebraten, ist sie nicht geendet. Die Streifengans Steffen. Noch nicht von ihr gehört? Dann waren Sie in den vergangenen Wochen nicht in der Konstanzer Bodensee-Therme. Denn da lebte sie, die Gans. Oder genauer gesagt: der Ganter.

Er watschelte friedlich auf der Wiese vor dem Freibecken der Therme herum, und das nicht nur sporadisch, sondern regelmäßig. Ja, man konnte den Eindruck gewinnen, Steffen habe sich dort häuslich (oder heißt es schwimmbadlich?) niedergelassen. Und zwar ganz ohne Tageskarte oder Bäderpass! Wo er herkam? Niemand weiß es.

Sein letzter Tag in der Bodensee-Therme. Steffen, kurz bevor ihn die Tierretter einfingen. Hätte das nicht geklappt, hätte auch ein ...
Sein letzter Tag in der Bodensee-Therme. Steffen, kurz bevor ihn die Tierretter einfingen. Hätte das nicht geklappt, hätte auch ein Abschuss durch einen Jäger zur Debatte gestanden. | Bild: Tierrettung Südbaden

Ab und an gesellte er sich, gänzlich menschen-unscheu, sogar zu den Zweibeinern ins Heißwasserbecken. Während die Badegäste bis zur Nasenspitze eintauchten, planschte er genüsslich auf dem Wasser. Hat ja ein dichtes Federkleid. Na ja, der Hintern ist ihm vielleicht auch warm geworden. Seine Form von Wellness.

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„Er hat nicht ins Wasser gemacht“

„Steffen ist sogar stubenrein, er hat nicht ins Wasser gemacht“, kann Renate Spießer-Löbe berichten, die ihm quasi auf Augenhöhe begegnete, als sie ins Becken eintauchte. Vielleicht kam daher seine Beliebtheit bei den Therme-Besuchern. Eine geselliger Ganter, der nicht ins Wasser pinkelt, wo hat man das schon? Zumal das Tier ausnehmend hübsch ist mit seinem weißen Kopf mit den beiden schwarzen Streifen.

Aber nun ist er schon ein paar Tage weg. Nachdem er wohl annähernd vier Wochen Badegast war – und in dieser Zeit nicht nur Steffen, sondern unter anderem auch Sweetie und Philipp gerufen wurde. Dabei ist mit Sankt Martin gerade eine sehr gefährliche Zeit für das Federvieh vorbei. Denn, in Abwandlung eines Heinz-Erhardt-Wortes: „Die Gans ist ebenso flatterhaft wie schmackhaft.“

Wohl fühlt er sich, der Steffen, in den Gewässern der Eigeltinger Lochmühle. Und irgendwie steht er auf dem Foto gleich im Mittelpunkt.
Wohl fühlt er sich, der Steffen, in den Gewässern der Eigeltinger Lochmühle. Und irgendwie steht er auf dem Foto gleich im Mittelpunkt. | Bild: Anton Bihler

Doch wir können seine Freunde beruhigen! Auf dem Teller ist er nicht gelandet, der Steffen. Die Tierrettung Südbaden hat ihn eingesammelt und nach Eigeltingen in die Lochmühle gebracht. Das teilt Finn Blech vom Naturschutzbund in Konstanz am Telefon mit. „Wir haben tatsächlich einige Anfragen erhalten, was denn mit dem Tier passiert sei. Obwohl wir damit nichts zu tun hatten. Aber wir wissen, dass er umgesiedelt wurde.“

„Wir haben auch eine Frau für ihn“

Seniorchef Anton Bihler von der Lochmühle kann das bestätigen. „Ja, er ist jetzt hier bei uns. Wir haben noch drei Streifengänse. Und die Tierpfleger haben mir berichtet: Wir haben auch eine Frau für ihn. Die Erna!“

Nach einer Annäherung zwischen den Streifengänsen sieht das hier auf dem Bild allerdings (noch) nicht aus. Vielmehr haben sich die ...
Nach einer Annäherung zwischen den Streifengänsen sieht das hier auf dem Bild allerdings (noch) nicht aus. Vielmehr haben sich die Beiden jeweils eine Weißstirngans als Begleitschutz gesucht. Streifengänse werden in ihrem zweiten bis dritten Lebensjahr geschlechtsreif und verpaaren sich dann auf Lebenszeit. Die kann etwa 30 Jahre dauern. | Bild: Anton Bihler

Naja, Erna und Steffen klingt erstmal nach einem großen Altersunterschied. Im Frühjahr wird man sehen, ob die Beziehung Früchte (oder eben Eier) trägt. Die Lochmühle hat drei große Teiche, auf denen sich Steffen nun tummeln kann.

Sicher, das Wasser wird dort nicht so warm sein wie in Konstanz. Und nicht so schön von unten beleuchtet. Steffen kann auch nicht mehr auf Augenhöhe mit Badegästen schnattern. Dafür darf er jetzt unter Artgenossen leben und sich einem Gänseweibchen nähern.

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Offensichtlich fühlt er sich in der Lochmühle pudelwohl, wie die ersten Tage zeigen. Auf jeden Fall kann man ihn dort jetzt besuchen. Denn die Lochmühle habe, so Anton Bihler, das ganze Jahr geöffnet. Alle 365 Tage. Wem das zu weit ist, der kann ihm ja immer noch eine Postkarte schreiben und Grüße aus der Therme schicken. Vielleicht erinnert sich Steffen ja noch an jene herrlichen Tage mit warmem Hintern am Bodensee ...