Die Sommerferien sind da, das Wetter ist gut. Es ist Hauptsaison am Bodensee und in Konstanz. Nicht nur für die Touristen, sondern auch für die Rettungskräfte der Deutschen Lebens-Rettungs Gesellschaft (DLRG). Denn in diesen beiden Monaten ist die Konstanzer Orstgruppe in der Regel am häufigsten im Einsatz. Sie kennen die Gefahren des Bodensees nur zu gut, die viele unterschätzen. Der Konstanzer DLRG-Vorsitzende Clemens Menge erklärt, welche Einsätze es häufig gibt – und wie man Erste Hilfe im Wasser leistet.

Clemens Menge (34), technischer Leiter Einsatz bei der DLRG Konstanz. Bild: Michael BuchholzClemens Menge, Pressesprecher der DLRG Konstanz
Clemens Menge (34). | Bild: SK-Archiv
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  • Welche Schwimmhilfen können gefährlich werden? Der Verkauf von lustigen Schwimmreifen in Form von Flamingos, Einhörnern oder einer Ananas boomt. Kinder und Jugendliche benutzen sie, aber auch immer mehr Erwachsene, die die DLRG mit ihren Booten schon aus dem Wasser holen musste. Denn mit der Schwimmhilfe unterschätzen viele ihre Kräfte. "Wir hatten diesen Sommer in den Strandbädern schon öfter die Situation, dass Wind aufkam. Jugendliche – oder auch einmal ein älteres Ehepaar – wurden mit ihren Reifen und Schwimmhilfen abgetrieben und schafften es nicht mehr alleine zurück ans Ufer. Oder der Schwimmreifen fliegt weg, die Jugendlichen schwimmen hinterher und ihnen gehen die Kräfte aus". Menge rät, diese Gefahr nicht zu unterschätzen. "Solche Schwimmhilfen sind nur zum Spaß". Ein echtes Hilfsmittel gegen diese Gefahr (und auch für alle Wassersportler geeignet) sei "Restube". Das ist eine kleine Tasche, die man sich um die Hüfte schnallt. Beim Ziehen an einer Schnur öffnet sich eine Gaspatrone und füllt eine Stoffboje innerhalb von einer Sekunde mit Luft.
  • Welche Badestellen in Konstanz sind besonders gefährlich? Gefährlich werden kann es überall. "Der See an sich birgt immer seine Gefahren. Gerade bei Wind und Wellen." Menge erinnert sich aber an einige Einsätze am Seerhein, die tragisch endeten. Nicht nur die starke Strömung ist dort das Problem – sondern auch, dass es schnell tief wird. "Wenn sich dann gerade Nicht-Schwimmer nur kurz abkühlen wollen, kann das gefährlich werden", so Menge. Am Hörnle beispielsweise sei das weniger ein Problem. Dort geht es relativ flach ins Wasser.
  • Ist es wirklich gefährlich, mit vollem Magen ins Wasser zu gehen? Wer hat diese Baderregel nicht schon mal gehört? Zwar hat das Amerikanische Rote Kreuz in einer großen Überblicksanalyse bei Jugendlichen und Erwachsenen keinen lebensgefährlichen Einfluss eines vollen Magens erkennen können. Aber Menge warnt dennoch davor, mit ganz vollem Bauch ins Wasser zu gehen. Vor allem auch Kinder übernehmen sich beim Essen gerne mal, und wenn einem beim Baden oder Schwimmen übel wird und man erbrechen muss, könne es lebensgefährlich werden.
  • Kann das Herz beim Sprung ins kalte Wasser stehen bleiben? In Hitzesommern wie 2015 gibt es besonders viele Fälle, bei denen oft ältere Menschen im Wasser einen Herzinfarkt erleiden oder ohnmächtig werden. Denn bei hohen Temperaturen, erklärt Menge, fließt das Blut vermehrt in Arme und Beine, die Gefäße weiten sich. Bei einem Sprung in kaltes Wasser ziehen sich diese Gefäße zusammen und pumpen das Blut auf einmal zum Herz. „Das ist dann natürlich eine hohe Belastung für das Herz". Vor allem für ältere Menschen oder Schimmer mit einer unerkannten Herzerkrankung kann das gefährlich werden. Menge rät: "Vorher abkühlen und langsam ins Wasser".
  • Wieso ist es schwierig, einen Ertrinkenden zu retten? Ertrinkende halten sich im besten Fall an den Schultern eines anderen Schwimmers fest und strecken sich lang. Das funktioniert aber oft nicht, weiß Menge aus Erfahrung. Denn wenn Menschen im Wasser in Not geraten, werden sie oft panisch: Sie schlagen um sich und versuchen, sich an irgendetwas festzuhalten. Für Laien ist es deshalb schwierig, einen Ertrinkenden aus dem Wasser zu ziehen und sich aus den oft sehr festen Griffen zu befreien. Das erging auch einer Frau so, die an einem Sonntagabend am Hörnle einen jungen Mann retten wollte. "Sie hat beherzt zugegriffen, als sie bemerkte, dass er untergeht", berichtet Menge. Allerdings wurde sie dabei fast selbst heruntergezogen. Die DLRG war zufällig vor Ort und konnte beide retten.
  • Was muss ich als erstes tun, wenn neben mir im Wasser jemand zu ertrinken droht? "Um Hilfe rufen", sagt Menge. "Irgendjemand am Ufer wird schon ein Handy haben, die 112 wählen und professionelle Hilfe holen." Oft ist die DLRG beispielsweise im Strandbad Hörnle auch nach 19 Uhr noch da, erklärt Menge. Was auch helfen kann: Blickkontakt mit der Person halten, ihr zurufen – und sich langsam Richtung Ufer bewegen. "Es ist eine natürliche Reaktion, dass man dann auf diese Person zuschwimmt, oft greifen dann auch noch die letzten Kräfte." Ist die Person dann doch unter Wasser, gilt es: "Die Stelle merken. Uns ist wichtiger, dass noch einer oben ist, der sagen kann: hier müsst ihr suchen." Am Ufer helfen alle üblichen Erste-Hilfe-Maßnahmen. "Eine Auffrischung des Kurses lohnt sich immer", meint Menge. Und wer sich trotzdem nicht sicher ist, wie nochmal die stabile Seitenlage geht? "Es hilft schon mal, die Person auf den Rücken zu legen und den Kopf zu überstrecken", antwortet Menge.

361 Personen mussten 2017 gerettet werden

Wie wichtig die Aufklärung über Gefahren beim Schwimmen und Baden ist, zeigt die jährliche Unfallstatistik der Wasserschutzpolizeien rund um den Bodensee. Im Jahr 2017 mussten demnach insgesamt 361 Personen aus Seenot im Bereich des Bodensees und des Hochrheinabschnitts bis Schaffhausen gerettet werden. Durch die überdurchschnittlich hohen und langanhaltenden Temperaturen (Es war der drittwärmste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen) konnte bis in den Herbst hinein Wassersport betrieben werden. Darüber hinaus war das Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr relativ windstark inklusive starker Regenfälle in Gewitternähe. 

Auf der folgenden Grafik finden Sie eine detaillierte Auflistung der Unfälle auf dem Bodensee. Der Anstieg der Unfallzahlen im vergangenen Jahr insgesamt ist darauf zurückzuführen, dass bei einem Sturmereignis am 21. Juli im Hafen Ludwigshafen insgesamt 72 Motor- und Segelboote beschädigt worden sind, wie dem Polizeibericht zu entnehmen ist. Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor.