Das Sturmgewehr, mit dem Rozaba S. im Juli des vergangenen Jahres einen Türsteher in der Diskothek Grey erschossen hat, kam über die Grenze nach Konstanz. Davon sind die Staatsanwaltschaften auf deutscher wie Schweizer Seite überzeugt. Der Täter habe die Waffe von einem 30-Jährigen aus Kreuzlingen gekauft.

Gekauft Anfang 2017

Der zeitliche Abstand zwischen Kauf der Waffe und Tat ist kurz. Anfang 2017 habe Rozaba S. das Sturmgewehr von dem Mann mit österreichischem Pass erworben, teilten die Staatsanwaltschaften in einer gemeinsamen Pressenotiz mit. Wenige Monate später hat er damit das Feuer auch auf den 50-jährigen Ramazan Ö., ein Sicherheitsbediensteter der Diskothek, eröffnet – und den Türsteher tödlich getroffen. S. selbst ist beim anschließenden Schusswechsel mit der Polizei getroffen worden und im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Mehrere Personen sind teils schwer verletzt worden. Ein Polizist überlebte einen Schuss aus dem M16 nur dank seines Schutzhelms.

34-Jähriger vermittelte Geschäft

Was in jener Nacht auf den 30. Juli geschah und die Begleitumstände klärten sich im Laufe der Ermittlungen immer weiter auf. Es blieb die Frage, wie Rozaba S. in den Besitz der verbotenen Kriegswaffe kam. Drei Personen sind in den Mittelpunkt der Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft gerückt. Neben dem 30-jährigen Österreicher mit Wohnsitz in Kreuzlingen ist es ein 34-jähriger Mann.

Der Deutsche mit Schweizer Wohnsitz soll das Geschäft zwischen Rozaba S. und dem Österreicher vermittelt haben. Erst kurz zuvor, Ende 2016, habe der 30-jährige Verkäufer das Sturmgewehr von einem 39-jährigen Schweizer aus Weinfelden erstanden. Dieser will es, so die Staatsanwaltschaften, "seinerseits mehrere Jahre zuvor von einem Unbekannten erworben haben".

Welchen Ursprung das M16 hat, ob es eventuell aus einem Armeebestand oder aus Kriegseinsätzen stammte, ist weiterhin offen. Auf SÜDKURIER-Anfrage erklärt die Anklagebehörde aus dem Thurgau, dass es in der Schweiz mehrere Durchsuchungen gegeben habe. Weitere Waffen seien nicht gefunden worden. Alle Involvierten seien Privatpersonen, also keine Geschäftsleute, die mit Waffen handelten.

Weg der Waffe über Weinfelden

Die zwei Verkäufer der Waffe wie auch der Vermittler des Geschäfts zwischen Rozaba S. und dem 30-jährigen Österreicher müssen sich nun wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit mit Waffen und Vergehens gegen das Waffengesetz verantworten.

Nach wie vor seien die Ermittlungen im Gange, erklärt die Staatsanwaltschaft. In der Schweiz gilt ein liberales Waffengesetz. Doch auch dort sind Besitz und Handel mit Feuerwaffen wie das M16 verboten.

Enthemmende Substanzen

Rozaba S. war den letzten Ermittlungen zufolge in der Nacht von 29. auf 30. Juli extra nach Hause gefahren, um die spätere Tatwaffe zu holen. Zuvor hatte er wohl Streit mit einem Diskoangestellten, seinem Schwager, der ihm ein Hausverbot erteilt haben soll. Gleich nachdem er aus dem Taxi ausgestiegen war, eröffnete der Kurde irakischer Herkunft das Feuer, währenddessen er den 50 Jahre alten Türsteher Ramazan Ö. tödlich verletzte.

Wie sich später durch ein toxikologisches Gutachten herausstellte, stand Rozaba S. zum Tatzeitpunkt unter dem Einfluss mehrerer berauschender Mittel. Der Blutalkoholwert lag bei 1,57 Promille. Zudem habe der 34-Jährige laut einer Pressemitteilung "deutlich unter Einfluss von Kokain und THC sowie sedierend wirkender Medikamente" gestanden. In ihrem Zusammenspiel haben die Substanzen mit der erheblichen Alkoholeinwirkung nach Einschätzung der Gerichtsmedizin "auf jeden Fall enthemmend gewirkt".

Das Gewehr

Das M16 ist eine Kriegswaffe und allein der Besitz ist in Deutschland wie auch der Schweiz verboten. Es zählt als Standardgewehr der US-Streitkräfte und hat höchste Durchschlagkraft. "Eine Energie von 1800 Joule", erklärte Andreas Stenger, im Landeskriminalamt Leiter des kriminaltechnischen Instituts, während einer Pressekonferenz im vergangenen Jahr nach der Bluttat im Grey. Dort zeigte er ein baugleiches Gewehr. Die Waffe kann bis zu 800 Schuss pro Minute abfeuern bei einer Austrittsgeschwindigkeit der Projektile von 1000 Metern in der Sekunde.