Es begann am Montag gegen 23 Uhr und erst gegen 7 Uhr morgens beruhigte sich die Lage. Konstanz und der ganze Bodenseeraum, der Hochrhein und der Südschwarzwald erlebten ein Dauergewitter, das etwa acht Stunden dauerte oder auch eine Aneinanderreihung von etlichen einzelnen Gewittern. „Das ist ein relativ seltenes Phänomen, dass eine Gewitterserie sich von den späten Abendstunden bis zum frühen Morgen hält“, erläutert Andreas Friedrich, Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes in Frankfurt.

Wie kommt das Phänomen zustande?

„Wir sprechen hier von mehreren Gewittern, die alle dieselbe Zugbahn haben“, erklärt Friedrich weiter. In diesem Fall kam die Gewitterzone vom Alpennordrand der Schweiz. Die Gewitter schwächten sich jeweils wieder ab, da die Strömung sich aber nicht veränderte, bildeten sie sich neu. „Die Luftmassen haben sich in diesem Fall nicht vom Fleck bewegt“, so Friedrich.

Beim üblichen Gewitter entlädt sich die Spannung nur einmal

Das beschriebene Phänomen habe mit einem Nachmittagsgewitter, das aufgrund großer Hitze in Bodennähe entsteht, wenig zu tun. Vielmehr habe es in diesem Fall in vier bis fünf Kilometern Höhe günstige Bedingungen für die Gewitterbildung gegeben. Grundsätzlich gehe es immer um große Temperaturunterschiede bei den Luftströmungen. „Durch die starken Auf- und Abwinde in der Wolke wird die Spannung aufgebaut – und zwar immer wieder“, sagt Friedrich.

Eindrucksvolle Sicht vom Hörnle-Strandbad auf die Vielfach-Gewitter.
Eindrucksvolle Sicht vom Hörnle-Strandbad auf die Vielfach-Gewitter. | Bild: YuMa.ARTS

Superzellen – eine Wolke der besonderen Art

Man spricht bei dem Phänomen auch von Superzellen. Das sind rotierende Gewitterzellen einer Wolke, die in Rotation versetzt wurde. Solche Superzellen seien sehr langlebig. Hinzu sei in Südbaden das Phänomen gekommen, dass mehrere solcher Luftmassen über die Region zogen.

Mehr als 20.000 Blitze in einer Nacht in der Region

Mehr als 20.000 Blitze in einer Nacht: Diese Bilanz kann sich sehen lassen: Der Deutsche Wetterdienst hat von Montag, 20 Uhr, bis Dienstag, 8 Uhr, etwa 10.500 Blitze im Großraum Bodensee registriert. Dazu kommen mindestens ebenso viele im Dreieck zwischen Basel, Freiburg und Konstanz. „So viele hat es vermutlich in ganzen restlichen Deutschland in diesem Zeitraum nicht gegeben“, so Friedrich.

Dass es mehr Gewitter gibt als früher ist nicht bewiesen

Der Klimawandel ist übrigens ausnahmsweise nicht für das Phänomen verantwortlich zu machen. Jedenfalls fehlen gesicherte Nachweise dafür, dass es in Deutschland derzeit zu einer höheren Blitzaktivität komme als das früher der Fall war, erläutert Friedrich.

Ausblick auf Dienstagabend und Mittwoch

Wer schon von Montag auf Dienstag schlecht geschlafen hat, kann sich auf eine weitere abenteuerliche Nacht einstellen: Für den Bodenseeraum gibt es eine weitere Unwettermeldung für den Dienstagabend und die Nacht auf Mittwoch, 7. August. Ab Dienstag, 18 Uhr, soll eine weitere Gewitterfront von Frankreich und der Schweiz zum Bodensee aufziehen. Vorhergesagt sind Gewitter mit Starkregen von bis zu 40 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, mit Hagel und starken Sturmböen. Der Wetterdienst rät, Wetter-Apps zu nutzen, um sich über die lokalen Vorhersagen zu informieren. Bei Gewittern sind diese lediglich etwa 30 Minuten im Voraus zuverlässig.