"Rings um unser'n Bodensee
ist die Welt so schön,
es grünt und blüht der gold'ne Wein
an rebbedeckten Höh'n."

Was soll man dazu sagen? Belangloser Kitsch, nichtssagende Harmlosigkeit. Es sind die ersten Zeilen von Willi Hermanns berühmtesten Lied "Ja, wenn der ganze Bodensee...". Aufregender sind auch die Texte seiner anderer Lieder nicht. Ein bisschen Mitsingen und viel Schunkeln, das ist die Musik von Hermann.

Wer den Versuch wagt, darin irgendetwas Verdächtiges zu lesen, scheitert schnell. Persönlich bleibt es daher jedem Konstanzer Mäschgerle überlassen, ob er weiter "de Zapfe nei haut". Von einer fasnächtlichen Institution wie der Niederburg jedoch, offiziell und öffentlich, live im Fernsehen gar, darf dieses und andere Hermann-Lieder nicht mehr gesungen werden.

Die Niederburg hat die richtige Entscheidung getroffen

Der Verein hat damit die einzige richtige Entscheidung getroffen, selbst wenn Stadtarchivar Jürgen Klöckler noch nicht alle Quellen durchforstet hat. Dass er überhaupt so lange fündig wird und ständig neues Material entdeckt, gibt Anlass zur Sorge – insbesondere was Hermanns Verstrickungen in mögliche Kriegsverbrechen angeht.

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Für die jetzt vom 13er-Rat um Mario Böhler gefällte Entscheidung reicht die bereits belegte Tatsache aus: Willi Hermann war Nationalsozialist aus Überzeugung, die er anderen mehr als nur nahelegte. Darüber hinweg zu sehen, weil die Lieder so schön und so harmlos sind, wäre undenkbar gewesen und hätte sowohl der Niederburg selbst als auch dem Ruf der Konstanzer Fasnacht schwer geschadet.

Es ist enttäuschend genug, dass über Hermanns Vergangenheit mehr als 70 Jahre lang – wissentlich oder unwissentlich – beide Augen, die Ohren und der Mund verschlossen wurden.

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