Der Konstanzer Flugplatz hat nach aktuellem Stand der Dinge gute Chancen, auch in Zukunft zu existieren. Das zuständige Regierungspräsidium Stuttgart hat der Stadt Konstanz einen Kompromissvorschlag unterbreitet, wie die Gewerbeentwicklung möglich ist und der Flugbetrieb beibehalten werden kann.

Die Stadtverwaltung hat diesen Vorschlag als "interessant" bezeichnet, wie Sprecher Walter Rügert auf SÜDKURIER-Nachfrage bestätigt: "Dieser Kompromissvorschlag wurde vertieft untersucht und liegt der Deutschen Flugsicherung vor. Der Gemeinderat wird darüber im Herbst entscheiden." Dieser Vorschlag sieht vor, dass sowohl der Flugbetrieb beibehalten werden kann als auch eine Bebauung als Gewerbegebiet möglich ist. "Wir begrüßen es, wenn Flugbetrieb aufrecht erhalten und Gewerbeentwicklung zugelassen wird."

Auf einem Streifen links ist Gewerbeentwicklung angedacht, dafür soll die Landebahn leicht nach rechts versetzt werden.
Auf einem Streifen links ist Gewerbeentwicklung angedacht, dafür soll die Landebahn leicht nach rechts versetzt werden. | Bild: Schuler, Andreas

Peter Magulski, einer der Sprecher der Initiative für den Erhalt des Flugplatzes: "Ich war als Vertretung für einen Gesellschafter in der Gesellschaftersitzung der Flughafen Konstanz GmbH. Der Oberbürgermeister hat sich eindeutig für den Kompromissvorschlag ausgesprochen", erzählt er. "Das hat er zwar vorher auch schon angedeutet, das ist aber das erste Mal, dass ich das Gefühl habe, da könnte tatsächlich was dran sein." Der Kompromiss sieht konkret so aus: Gewerbestreifen im Norden des Geländes, leichte Verlegung der Landebahn in Richtung Süden, dafür Bestandssicherung für einen längeren Zeitraum für den Flugplatz.

Peter Magulski, Sprecher der Initiative für den Erhalt des Flugplatzes.
Peter Magulski, Sprecher der Initiative für den Erhalt des Flugplatzes. | Bild: Schuler, Andreas

Im Jahr 2017 hat die Flugplatz GmbH einen Verlust eingeflogen. Befürworter befürchten nun, dass dies ein Argument der Gegner sein könnte. Walter Rügert entkräftet dies: "Nein, der Verlust aus 2017 in Höhe von rund 6000 Euro spielt hier keine Rolle. Der Verlust ist durch den Gewinnvortrag aus den Vorjahren von rund 50.000 Euro abgedeckt. Wir gehen davon aus, dass es sich bei dem Verlust von 2017 um einen einmaligen Vorgang handelt. Bereits 2018 dürfte wieder ein ausgeglichenes Ergebnis oder sogar wieder ein leichter Gewinn zu verbuchen sein."

Gründe für weniger Flugbewegungen

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Flugbewegungen im Jahr 2017 von 4991 um 203 auf 5194 leicht angestiegen. Sie liegen damit jedoch weiterhin deutlich unter den Vorjahren, die regelmäßig über 6000 Flugbewegungen zählten. Gründe dafür sind zum einen das eher durchwachsene Wetter in 2017 und, wie Peter Magulski erklärt diese: "Ein offensichtlicher Grund dafür ist, dass durch die ungewisse Zukunft des Platzes mit Sicherheit weniger Interessierte eine Pilotenausbildung anfangen."

Flüge für die Forschung

Der Landeplatz ist über den normalen Flugbetrieb hinaus von Bedeutung für die Forschung zum Thema Schwarmverhalten von Professor Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Ornitologie. Er schrieb bereits vor längerer Zeit an den Oberbürgermeister: "Für mich war dies einer der Hauptentscheidungsgründe von Princeton/USA, eine der besten Universitäten der Welt, nach Konstanz zu wechseln. Aus diesem Grund habe ich auch das Forschungskleinflugzeug des Max-Planck-Institutes für Ornithologie gekauft und am Flughafen Konstanz, nur wenige Minuten entfernt von meinem Arbeitsort/Labor etabliert. Die Projekte meines Institutes und der Aufbau einer zweiten Abteilung, sowie eines Forschungsverbundes mit der Universität, habe ich maßgeblich unter der Annahme vorangetrieben, dass weiterhin diese Forschungsinfrastruktur in Konstanz zur Verfügung steht. Die Max-Planck Gesellschaft investiert in diese Forschungen über die nächsten ungefähr 25 Jahre mindestens 60 Millionen Euro."

An den Streben der Tragfläche befestigt Martin Wikelski Antennen. Diese empfangen das Signal, das der Drucksensor eines Abendseglers in der Luft aussendet. Je nach Signalstärke kann Wikelski daraus den genauen Aufenthaltsort des Tieres bestimmen.
An den Streben der Tragfläche befestigt Martin Wikelski Antennen. Diese empfangen das Signal, das der Drucksensor eines Abendseglers in der Luft aussendet. Je nach Signalstärke kann Wikelski daraus den genauen Aufenthaltsort des Tieres bestimmen. | Bild: privat

Dieter Bauer arbeitet als Aushilfsflugleiter im Tower. "Der Flugplatz ist offizieller Bestandteil der Verkehrsinfrastruktur Deutschlands", erzählt er. "Der Tower ist von neun bis 19 Uhr besetzt – und zwar täglich." Ausnahme seien die kalten Monate wie Dezember und Januar. "Ansonsten aber zählen wir bis zu 160 Flugbewegungen am Tag." Die drei festangestellten Personen "arbeiten mit Herzblut und mit Leidenschaft. Es wäre fatal, wenn der Flugplatz weichen müsste".

Dieter Bauer arbeitet als Aushilfsflugleiter im Tower.
Dieter Bauer arbeitet als Aushilfsflugleiter im Tower. | Bild: Schuler, Andreas

Flugschüler Bernd Nies macht derzeit seinen Flugschein. "Fliegen ist eine große Freiheit", sagt er. "Und günstiger als man denkt. Jedes Boot ist teurer. Der Flugplatz ist eine Bereicherung für Konstanz und ein umwerfendes und belebendes Freizeitangebot. Ich kann nur jedem raten, hier mal vorbeizukommen und sich selbst ein Bild zu machen." Helmut Jungmann ist sein Fluglehrer. Seit rund 40 Jahren ist er hier nebenbei tätig. "Unsere Schüler kommen aus allen Gesellschaftsschichten. Ein Schein für den Ultraleicht kostet rund 7000 Euro."

Flugschüler Bernd Nies, Fluglehrer Helmut Jungmann und Peter Magulski, Sprecher der Initiative für den Erhalt des Flugplatzes.
Flugschüler Bernd Nies, Fluglehrer Helmut Jungmann und Peter Magulski, Sprecher der Initiative für den Erhalt des Flugplatzes. | Bild: Schuler, Andreas