Doris Eichkorn

Die Gemeinden Hohenfels und Mühlingen hatten in das Liggersdorfer Rathaus eingeladen, um über die Ziele des neuen Biotopverbunds, der aus Hohenfels, Mühlingen, Eigeltingen und Orsingen-Nenzingen besteht, und über die geplanten Biotop-Strukturen zu informieren. Zahlreiche Landwirte und Grundstückseigentümer nahmen an der Veranstaltung teil.

Exkursion ins Ried

Nach einer Vorstellung der Tier- und Pflanzenarten, die durch die Maßnahmen geschützt werden sollen, und möglicher Biotop-Flächen ging es dann hinaus ins Ried, welches zwischen den Hohenfelser Orten Mindersdorf, Liggersdorf und Deutwang liegt. Hier soll die bereits vorhandene Feldlerchenpopulation weiter aufgebaut werden, außerdem sollen die Bäche Lebensraum für viele Schmetterlingsarten bieten.

Das Beispiel zeigte einen Ackerschlag mit Hangneigung sowie freie Feldstrukturen ohne Bäume und Hecken. Solche Lagen würde die Feldlerche bevorzugen, erklärte die Experten. Mit der Anlage von weiteren Blühflächen in den Ackerschlägen könne man ihr helfen.

Regeln für die Pflege

Landwirt Bernhard Gihr aus Deutwang warnte allerdings davor, nur einfach irgendwelche bunten Blumenmischungen zu säen. Man habe gerade auch schon in der Vergangenheit auf Kosten der Bienen Begrünungsmischungen gesät, welche mit entsprechenden Pflanzen zur falschen Jahreszeit für hohe Verluste gesorgt hätten.

Am Graben selbst, an welchem man über viele weitere Dinge eifrig diskutierte, wollte man den Zustand und die notwendige Pflege veranschaulichen. Eine Seite war gemäht, die andere nicht. Solche Stücke bedürfen im Falle einer Biotop-Anlage und Pflege eines Vertrages, welcher Dinge wie Schnittzeitpunkt, Häufigkeit der Mahd und weiteres genau regelt. Sven Gebhardt als zuständiger Mitarbeiter beim Landschaftserhaltungsverband Konstanz, sah diese Maßnahme als einfach an und spielte den Ball sogar an die Gemeinde weiter.

„Wer bestellt, der bezahlt“

Landwirt Andreas Deyer aus Mühlingen, welcher als Kreisvorsitzender der BLHV Kreisverbandes Stockach ebenfalls vor Ort war, stellte am Beispiel eines Streuobstbaumes heraus, dass es nicht immer Sinn mache, nur Forderungen aufzustellen und die Landwirtschaft dann damit und mit den Kosten der notwendigen Maßnahmen alleine zu lassen.

Dem stimmte auch der Hohenfelser Bürgermeister Florian Zindeler zu. „Wir haben eine grüne Landesregierung, und wer bestellt, der bezahlt“, so die klare Haltung Zindelers. „Man kann nicht nur fordern und nicht die Förderung in ausreichender Menge zur Verfügung stellen“, fügte er an und traf hierbei bei den Landwirten den richtigen Nerv.

Landwirtschaft bereits auf dem Weg

Die Landwirte signalisierten, dass die Landwirtschaft sich bereits auf den Weg gemacht habe und bereit sei, die eine oder andere Ecke – dort wo es Sinn mache – stehen zu lassen oder auch mit entsprechenden Pflanzen anzusäen. Allerdings waren einige der Anwesenden bei mehrjährigen Blühmischungen skeptisch. Es müsse hierbei genau auf die Zusammensetzung geachtet werden.

Invasive Arten, die später für Schäden sorgen, gab es in den vergangenen Jahrzehnten bereits. Beispielsweise wurde das Jakobskreuzkraut einst wegen seiner Liebe für magere Standorte gezielt im Straßenbegleitgrün ausgesät. Nun kämpfen Landwirte und andere Tierhalter gegen es an, weil es für Pferde und Rinder giftig ist und zu großen Schäden führen kann.

Zindeler sieht die Gemeinden und die Landwirte als Motor für den Erhalt der Landschaft an, welche aus seiner Sicht eben gerade durch deren mit viel Fachwissen und der Erfahrung vieler Generationen ausgeführte Arbeit so aussieht wie sie aussehe.

Sven Gebhart erläuterte später gegenüber dem SÜDKURIER den Landwirten seien die Förderinstrumente bekannt. Die Landwirte seien aufgerufen, sich bei der Biotopverbundsplanung einzubringen. Es gehe darum, zwischen bestehenden Biotopen Verbindungsmöglichkeiten zu schaffen.