Das Gehirn und die Intelligenz sind schuld an jeder unserer Handlungen. Ohne das Gehirn passiere nichts. Bewegung und auch Orientierung im Raum sei ohne es nicht möglich. Im Umkehrschluss sei auch Bewegung etwas, das dem Gehirn und seiner Entwicklung zuträglich sei. Dies und vieles mehr konnten Gäste aus einem Vortrag von Hans-Peter Thier lernen. Den renommierten Neurowissenschaftler von der Universität Tübingen verbindet seit Längerem die „Faszination Gehirn“ mit dem Korbinian-Brodmann-Museum in Hohenfels-Liggersdorf, in dem nun das zehnjährige Bestehen gefeiert wurde.

Museumsleiter Jochen Goldt (links) erhält zum Dank ein Präsent von Bürgermeister Florian Zindeler.
Museumsleiter Jochen Goldt (links) erhält zum Dank ein Präsent von Bürgermeister Florian Zindeler.

Bei diesem Festakt referierte Thier für ein Publikum, das zum größten Teil medizinisch vorgebildet gewesen sein dürfte. Ein schwieriger Balanceakt, der jedoch anhand einer Bildpräsentation und mithilfe ausführlicher Erläuterungen zur kognitiven Neurologie, zum Raumgedächtnis und zum Hippocampus gelang. „Die wissenschaftlichen Ergebnisse müssen der Öffentlichkeit kundgetan werden“, sagte Thier, „sie sind Bestandteil unserer Kultur. Die Welt will verstanden werden und die Wissenschaft ist neugierig und trägt dazu bei, die Faszination weiterzugeben.“

Hans-Peter Thier referiert zum Thema „Faszination Gehirn“.
Hans-Peter Thier referiert zum Thema „Faszination Gehirn“.

Ein anderer neugieriger Wissenschaftler war Korbinian Brodmann (1868-1918), ein Sohn des Ortes Liggersdorf, dem die Dorfbewohner mit dem Museum ein Denkmal gesetzt haben. „Das Museum ist ein wunderbares Beispiel für bürgerschaftliches Engagement“, lobte Thier. Viel ist in den letzten zehn Jahren passiert, seitdem die Entscheidung fiel, das Museum zu bauen: Unzählige Vorträge etlicher bekannter Hirnforscher, wie zum Beispiel Heinz Wässle vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main oder Roger Schmidt, Ärztlicher Leiter des Bereiches Psychotherapeutische Neurologie der Kliniken Schmieder in Konstanz und Gailingen, über Themen wie Hypnose, Hirnchirurgie, Schlaf, Euthanasie und einiges mehr wurden gehalten. „Die Kontakte zu Forschern“, erklärte Museumsleiter Jochen Goldt, „sind immens wichtig. Wir sind hier alle keine Mediziner, wollen aber verstehen.“

(v.l.) Jochen Goldt, Prof. Dr. Richard Meyermann, Prof. Dr. Hans-Peter Thier, Florian Zindeler, Hermann Strohmaier
(v.l.) Jochen Goldt, Prof. Dr. Richard Meyermann, Prof. Dr. Hans-Peter Thier, Florian Zindeler, Hermann Strohmaier

Beim Verstehen hilft auch eine Broschüre zur Biographie Brodmanns, die im Museum erhältlich ist. Da die Broschüre, so wie alle anderen Arbeiten im und am Museum auch, ehrenamtlich erstellt wurde, werden mit einem kleinen Obolus lediglich die Druckkosten ausgeglichen. Zudem gibt es Flyer, eine Website, Artikel über das Museum wurden in Zeitschriften veröffentlicht – sogar in Japan -, die Ausstellung geht auf Wanderschaft und sogar zwei Hummeln wurden, durch skurrile Irrungen, nach Brodmann benannt.

Ein Fest zur Rosenhochzeit

Dies und mehr wurde im Festakt von Jochen Goldt und auch Richard Meyermann, eremitierter Professor der Universität Tübingen den Gästen präsentiert. Florian Zindeler, Bürgermeister der Gemeinde Hohenfels-Liggersdorf, schlug eine wundersame Gedankenbrücke von zehn Jahren Jubiläum über die Rosenhochzeit zum Duft der Rose, der wiederum olfaktorische Impulse im Gehirn verursacht.

Und, um blumig zu bleiben, erhielten dann auch die Ehefrauen von Goldt und Strohmaier, dem ehemaligen Schulrektor von Kalkofen-Liggersdorf eine Orchidee als Dank für ihren Einsatz. Fünf Musikanten des Musikvereins Liggersdorf regten das Gehirn akustisch an mit Stücken von Purcell und Heron. Zu guter Letzt trat Jochen Goldt mit einer Bitte an die Gäste heran: „Wir suchen Nachwuchs, der das Museum weiterführen möchte.“

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