Es sollte ein lauschiger Spaziergang mit Hündin Inka an der Biber in der Nähe des Gottmadinger Ortsteils Randegg werden, nachdem gerade die Dämmerung hereingebrochen war. Stattdessen bangte Hubertus Kieferle Junior wenig Zeit später um sein Tier, als den ein Engener Tierarzt operierte. "Ein Biber hat meinen Wachtelhund angegriffen und ihm eine über zehn Zentimeter lange Bisswunde im hinteren Teil des Rumpfes zugefügt", schildert Hubertus Kieferle. Sein Jagdhund habe im Gebüsch geschnuppert, wie dies aber auch andere Tiere machen. "Als Inka wieder zurückkam, lief sie ganz erschreckt umher und hat dabei pfeifende Laute von sich gegeben", beschreibt Kieferle. Wenig später habe er die klaffende Wunde entdeckt und sei gleich zum Tierarzt gefahren. "Schnell war klar, dass die Verletzung von messerscharfen Zähnen herrührte, wie sie nur der Biber hat. Dies bestätigte auch der Tierarzt. Außerdem sind an dieser Stelle auch Biber am Werk, wie angenagte Baumstämme aufzeigen", berichtet Kieferle.

Unter Narkose musste Hündin Inka aufgrund der schweren Verletzung  operiert werden. Bild: Hubertus Kieferle
Unter Narkose musste Hündin Inka aufgrund der schweren Verletzung operiert werden. | Bild: Hubertus Kieferle

"Mir geht es vor allem darum, andere Hundehalter zu warnen. Auch für Kinder lauern an der Biber Gefahren. Ich sehe immer wieder Kinder, die dort spielen", so Kiefer. Gerade in der jetzigen Nachwuchszeit seien Biber sehr aggressiv. "Aus diesem Grund sollten Hunde und Kinder nicht in Gewässern bei Biber-Populationen gelassen werden. Die Erfahrung zeigt, dass der Biber nachhaltig eine Gefahr für Mensch und Tier darstellt. Auch seitens der Behörden oder Gemeinden sollte es Präventivmaßnahmen zum Schutz der Bevölkerung geben, zumindest in Form von Informationen, wie über Amtsblätter", fordert Kieferle. "Erinnern wir uns auch an den Vorfall in Wutöschingen aus dem Jahr 2014, als ein Biber ebenfalls schwimmende Hunde angriff und schwer verletzte oder der besonders tragische Vorfall aus dem Jahr 2013 als ein weißrussischer Angler von einem Biber in die Oberschenkel-Schlagader gebissen und tödlich verletzt wurde", erklärt Kieferle.

„Biber sind Wildtiere, wie alle anderen Wildtiere in unserer heimischen Fauna auch. Wo immer man mit seinem Hund unterwegs ist, sollte man in der Landschaft mit Tieren rechnen, die auf Hunde ganz natürlich reagieren, weil sie ins Beuteschema passen oder sich an ihren Bauen oder bei der Jungenaufzucht gestört fühlen", berichtet Bettina Sättele, Biberbeauftragte des Regierungsbezirks Freiburg. "Biber und andere Wildtiere beißen bei Störungen einfach zu. Das ist ein ganz natürliches Abwehrverhalten", erklärt sie. Die Biber sei schon im zweiten Jahrzehnt von Bibern wiederbesiedelt, daher sollte man entlang dieses Gewässers immer mit diesen Tieren rechnen. "Ziehen Biber ihre Jungen auf, wie gerade jetzt, nähert man sich ihrem Bau – schwimmend oder mit seinem Hund – muss mit Reaktionen gerechnet werden. Anders, wenn Biber in der Dämmerung am Ufer äsen, dann versuchen sie, ins Wasser zu flüchten und tauchen einfach ab. Es ist dringend geraten, ihnen dann aus dem Weg gehen", sagt Bettina Sättele.

Biber sind bei Tageslicht selten zu sehen, wie frühmorgens am Lauterbach bei Tengen-Uttenhofen. Bild: Helmut Groß
Biber sind bei Tageslicht selten zu sehen, wie hier frühmorgens am Lauterbach bei Tengen-Uttenhofen. | Bild: Helmut Groß

"Biber sind ansonsten tagsüber im Bau und schlafen. Aufgrund der derzeit niedrigen Wasserstände kann es sein, dass die Bau-Eingänge im Trockenen liegen und die Biber ebenso sehr sensibel reagieren, wenn sich Hund oder Mensch ihren Bauen nähern", so Bettina Sättele. Daher heiße es, immer genau aufpassen, ob Biber einen Bau in der Nähe haben oder angetaucht kommen könnten, bevor man seinen Hund ins Wasser springen lässt. Es empfiehlt sich, lieber eine seichte Stelle am Wasser aufzusuchen, wo es den Überblick gibt, um so Rücksicht auf die am Wasser lebenden Tiere und Pflanzen zu nehmen", rät die Biberbeauftragte. Es bestehe die Möglichkeit, an den Gewässern mittels Infotafeln auf die Anwesenheit von Bibern hinzuweisen, die das Regierungspräsidium den Kommunen kostenlos zur Verfügung stelle.

Die Hündin Inka befindet sich auf dem Weg der Besserung. Die Stelle, an der ihr der Biber so übel zugesetzt hatte, wird sie künftig wohl meiden.