Die Gemeinden in Baden-Württemberg sind verpflichtet, eine leistungsfähige Gemeindefeuerwehr aufzustellen, diese auszurüsten und zu unterhalten. Das Land stellt jährlich Mittel für die Ausstattung zur Verfügung, um die Leistungsfähigkeit der Feuerwehren zu verbessern oder sie an sich wandelnde Anforderungen anzupassen. "Spätestens wenn man aus dem Zuschusswesen Mittel haben möchten, sind Gemeinden gezwungen einen Bedarfsplan für die Feuerwehren zu erstellen", erläuterte Feuerwehr-Kommandant Jürgen Graf in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates von Gaienhofen. An diesem Bedarfsplan lassen sich auch die Risiken für die Gemeinde in der Brandbekämpfung ablesen. Eines wurde in der Ratssitzung deutlich: Fehlende Kooperationsmöglichkeiten mit den umliegenden Gemeinden zwingt die Freiwillige Feuerwehr in Zukunft, neue Wege der Mitgliedergewinnung zu suchen.

Die vier Feuerwehr-Abteilungen in Gaienhofen arbeiteten bis ins Jahr 2000 weitgehend selbstständig. Sie in eine Gesamtfeuerwehr mit einem einzigen Standort zu integrieren, scheiterte aus taktischen Gründen. Feuerwehren sind angehalten, innerhalb von zehn Minuten am Einsatzort zu erscheinen. Die Feuerwehr wurde auf zwei Standorte in Horn und Gaienhofen aufgeteilt und entsprechend ausgerüstet. Von den 250 Gewerbebetrieben in Gaienhofen haben lediglich drei Industriebetriebe eine besondere Gefährdung: Eine Schreinerei, ein Bootsbetrieb und eine Tankstelle mit Kfz-Werkstatt. Die Fluchtwege in der Gemeinschaftsunterkunft mit rund 100 Bewohnern werden als herausragend eingestuft. Auch stellen Schulen, Kindergarten und das Pflege- und Altenheim kein besonders großes Risiko dar. Schulungen der Feuerwehr sensibilisierten die Nutzer der öffentlichen Einrichtungen. Evakuierungsfortbildungen an der Schlossschule Gaienhofen mit ihren 787 Schülern verringerten ebenso das Risiko für die Menschen im Falle eines Brandes.

Sorge bereitet dem Kommandanten weniger die 3403 Wohnsitze als vielmehr die 952 Zweitwohnsitze in Gaienhofen – vor allem im Winter, wenn unbeaufsichtigte Zweitwohnungen einfrieren und Wasser auf die Straße läuft.

Wichtige Kriterien im Bedarfsplan sind die Auswertung der Personalsituation und die Ermittlung der einsatzfähigen Mannschaftsgröße der Feuerwehr. Jürgen Graf bedient sich hierbei eines Fragebogens mit Verteilungsschlüssel: Arbeitet der Feuerwehrmann im Ort, hat er Anfahrtswege von weniger oder mehr als fünf Kilometern oder ist er in einem Schichtbetrieb beschäftigt? Bei 66 aktiven Feuerwehrangehörigen der Gemeinde ergab sich ein Schlüssel von 20 Feuerwehrmännern, vier Zug- und Gruppenführern sowie jeweils sechs Maschinisten und Atemschutzträgern, die tagsüber innerhalb von zehn Minuten am Einsatzort sein können. Statistisch gesehen, bekäme Jürgen Graf tagsüber seine Einsatzwagen gefüllt und ist in Gaienhofen aktuell voll einsatzbereit.

Was dem Kommandanten Sorge bereitet, sind die fehlenden Kooperationsmöglichkeiten mit den umliegenden Gemeinden. Öhningen kooperiert mit Stein am Rhein und Moos mit Radolfzell. So gesehen ist das dazwischen liegende Gaienhofen deutlich mehr auf eine aktive Mannschaft angewiesen, die sie aus der Gemeinde zu rekrutieren hat. Eine Zwangsverpflichtung sei nur die äußerste Maßnahme und vom Prinzip her keine Lösung, sind sich Jürgen Graf und Bürgermeister Uwe Eisch einig. Ein wichtiges Kriterium zur Einstellung in den Verwaltungsdienst von Gaienhofen sei ein Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr, so Eisch.

Obwohl die Jugendabteilung der Freiwilligen Feuerwehr von Gaienhofen die größte im Landkreis ist, machen viele Mitglieder eine Ausbildung in anderen Orten und könnten so nicht in die aktive Mannschaft aufgenommen werden. Der Kommandant plädiert auf eine verstärkte Mitglieder-Werbung. Vor allem bei der Altersgruppe zwischen 20 und 40 Jahren. Frauen seien hierbei eine potenzielle Zielgruppe. Die Feuerwehr von Gaienhofen hat einen der modernsten Fahrzeugbestände und eine der besten Ausstattungen im Landkreis. Wegen einer Ausmusterung benötigt die Gemeinde im nächsten Jahr allerdings einen neuen Mannschaftswagen.

Informationen zur Feuerwehr: http://www.feuerwehr-gaienhofen.de

 

Die Einsatzstatistik

In den vergangenen zehn Jahren hatte die Freiwillige Feuerwehr von Gaienhofen 124 Einsätze. Sie bekämpfte 23 Brände und rückte 22 Mal zu Fehlalarmen aus. Nahezu die Hälfte der Einsätze waren technische Hilfsleistungen bei Hochwasser, Aufprallunfälle mit dem Auto und vermehrt Notöffnungen von Türen – vornehmlich von allein lebenden Senioren. Im Rahmen der Überlandhilfe wurde die Feuerwehr Gaienhofen zwei Mal auf die Gemarkung Moos alarmiert. Die Pflicht der Feuerwehr ist auch die Rettung von Tieren aus Notlagen. Sechs Mal rückte die Feuerwehr hierfür aus.