Rund 300 Meter machen für einige Menschen in Aach einen entscheidenden Unterschied: Die Post-Filiale soll vom Rathaus in die Edenhallstraße ziehen. Das ist eine Sackgasse mit reduzierter Geschwindigkeit und einer begrenzten Zahl von Parkplätzen, einen Wendehammer gibt es nicht. Bürgermeister Manfred Ossola ist darüber nicht glücklich. „Wir sehen in der Lage ein Problem“, schilderte er kürzlich den Gemeinderäten seine Bedenken. Er habe schon Bürgerunterschriften erhalten, die sich gegen den Umzug aussprechen, erklärte Ossola. Die Post und der Betreiber der neuen Post-Filiale sehen den Umzug hingegen als Standortsicherung und Qualitätsverbesserung. „Wir wollen, dass die Post weiter vor Ort sein kann“, sagt Tonino Hengefeld-Nicoletta, in dessen Büroräumen die Pakete künftig abgegeben und abgeholt werden können. Kunden müssten sonst nach Engen oder Volkertshausen fahren.

Bisher befindet sich die Post im Rathaus der Stadt Aach. Doch diese Filiale soll Mitte Dezember schließen. Bild: Roland Ragg
Bisher befindet sich die Post im Rathaus der Stadt Aach. Doch diese Filiale soll Mitte Dezember schließen. | Bild: Roland Ragg

„Die Straße ist sehr eng, so dass zwei Autos nur schwer an einander vorbei kommen und die Park- und Verkehrssituation ist jetzt schon ausgereizt“, sagt Janina Drexler. Sie ist eine Anwohnerin, die sich eine Ansiedlung der Post nur schwer vorstellen kann. Sie befürchtet mehr Verkehr, mehr Gefährdungspotenzial für spielende Kinder, mehr Behinderungen beim eigenen Ein- und Ausfahren. „Nur aus Kostengründen hat sich die Deutsche Post für diesen total ungeeigneten neuen Standort und die daraus resultierenden Konflikte entschieden ohne Rücksicht auf Anwohner“, beklagt Drexler. Sie hätten nur zufällig von den Plänen erfahren.

Eigene Filiale in Aach niemals kostendeckend zu betreiben

Dass die Post aus Kostengründen umzieht, bestätigt diese: Die Filiale im Rathaus mit eigens gemieteten Räumen und eigenem Personal sei nur vorübergehend gewesen, weil sie keinen geeigneten Partner in Aach fanden, wie Pressesprecher Gerold Beck auf SÜDKURIER-Nachfrage erklärt. Aber: „Solche ‚Nur-Postfilialen‘ können wir, was die Nachfrage in Gemeinden dieser Größe anbetrifft, so niemals kostendeckend betreiben.“

Die Räume sind da, die Schulungen gemeistert

Die Pläne zum Umzug der Post wurden in den vergangenen zwei Monaten konkret, wie Tonino Hengefeld-Nicoletta erklärt. Der Vermögensberater stieß nach eigenen Angaben online das Angebot einer Zusammenarbeit mit der Post. Nach mehreren Treffen und Gesprächen sei klar geworden, dass ihre Räume sich gut für eine Post-Station eignen würden: Im rund 30 Quadratmeter großen Eingangsbereich sei auch ohne extra Umbau genug Platz, seine Frau Sabina Florian und er werden sich die Betreuung der Postkunden teilen. Vergangene Woche absolvierte Hengefeld-Nicoletta Schulungen zu Themen wie Annahme, Verarbeitung und Kassensystem. In der ersten Betriebswoche werde ihm ein Post-Mitarbeiter unterstützend zur Seite stehen.

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Persönlich hat sich bei ihm noch niemand beschwert

Die Kritik seiner Nachbarn wiederum verwundert den neuen Betreiber: Persönlich angesprochen habe ihn bisher keiner der Nachbarn. Die bisherige Filiale habe häufig keinen Platz beispielsweise für größere Pakete gehabt, schildert Hengefeld-Nicoletta und sieht da eine Verbesserung. Außerdem habe sich der Andrang dort in Grenzen gehalten – zumindest wenn er Pakete abgeholt habe. Das sieht auch der Post-Pressesprecher so: Die Zahl der täglichen Kundenbesuche, die sie aus der bisherigen Filiale im Rathaus kennen, lasse „nicht unbedingt einen Verkehrskollaps in der Edenhallstraße befürchten“.

Bild: Janina Drexler

Post zählt auf Vernunft der Kunden

Die Kritik an der Parkplatzsituation vor seiner Haustüre findet Hengefeld-Nicoletta „leider unverständlich“: Auf seinem Gelände habe er zwei Stellplätze, außerdem dürfe man am Straßenrand parken – „da parken jetzt schon Autos„ und bisher sei das kein Problem gewesen. Post-Pressesprecher Gerold Beck ergänzt: „Wir zählen hier auf die Vernunft und die Einsicht der Aacher Postkunden und gehen davon aus, dass der Großteil die Postfiliale zu Fuß aufsuchen wird.“

Am Dienstag, 10. Dezember, geht es los

Eine Alternative gibt es ohnehin nicht mehr: „Wir haben keine Möglichkeit, das zu verhindern“, sagte Manfred Ossola im Gemeinderat zum Umzug. Die Räume im Rathaus seien bereits zu Ende Januar 2020 gekündigt. Und ab Dienstag, 10. Dezember, wird Tonino Hengefeld-Nicoletta die Pakete annehmen, die vom Postboten nicht persönlich in Aach zugestellt werden konnten. Er freut sich darauf.

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