Engen Isabelle Müller sorgt für starken Ausklang der Vorlesungsreihe in der Engener Bibliothek

Die Autorin Isabelle Müller beschreibt die bewegte Biografie ihrer Mutter – und führt die Zuhörer damit auch in die bewegte Geschichte Vietnams ein.

"Mama wenn ich groß bin, schreibe ich ein Buch über dein Leben", dieses Versprechen gab die Deutsch-Französin Isabelle Müller ihrer Mutter Loan bereits im zarten Alter von sechs Jahren. Versprechen und sich etwas vornehmen kann man viel. Isabelle Müller hat aber schließlich die spannende, schmerzhafte und zugleich wunderbare Lebensgeschichte ihrer vietnamesischen Mutter, die mit jungen Jahren aus ihrer Heimat nach Frankreich floh, aufgeschrieben. In der Engener Stadtbibliothek gab sie Einblicke in die vietnamesische Kultur und Geschichte und las Passagen aus ihrem biographischen Werk "Loan. Aus dem Leben eines Phoenix". War die Zahl der Zuhörer bei der letzten Lesung von Bibliothek und deren Förderverein in diesem Jahr überschaubar, so war das Interesse der anwesenden Besucher dafür umso größer.

Müllers Mutter Loan, die offiziell Dau-Thi-Cúc hieß, wurde 1929 im damaligen vietnamesischen Kaiserreich geboren. Loan – so lautete eigentlich der Name ihrer erstgeborenen Tochter, die sie unehelich zur Welt brachte, nachdem sie ihren fremdgehenden Verlobten in die Wüste geschickt hatte. Loan bedeutet übersetzt Phoenix. Diesen bedeutungsschweren Namen gab sie ihrer Tochter, die sie trotz massiver gesellschaftlicher Ächtung gedachte groß zu ziehen. Dazu kam es nicht, das kleine Mädchen starb bald an einem Infekt. Ihren Namen trug die Mutter fortan selbst. Dies war ein wichtiges Mosaikstück aus dem bewegten Leben der Mutter, in das Isabelle Müller in ihrer Lesung Einblicke gewährte.

Immer wieder hatte die Mutter ihr die Geschichten aus ihrer Kindheit und Jugend erzählt – bis ins kleinste Detail. Sie erzählte von ihrer Mutter, einer hochgewachsenen Frau vom Stamm der Lao und ihrem kleinen, breitschultrigen Vater von einem Jägerstamm. Wie stolz die Mutter war, die erste Frau des polygam lebenden Vaters zu sein. Sie erzählte davon, dass sie als Mädchen keine Schule besuchen durfte und wie sie mit List und unbändiger Neugier dennoch vermochte lesen und schreiben zu lernen – was ihr später das Leben retten sollte. Sie malte mit ihren Beschreibungen aber auch ein Bild des damaligen Vietnam. Von Frauen mit schwarz gefärbten Zähnen, ein Brauch der bis heute Bestand hat. Von einem Kilo Gold das pro Jahr für das Schulgeld des so verhassten großen Bruders ausgegeben wurde. Von der Hungersnot, nachdem die Japaner das Land besetzt hatten, und von den zahlreichen ethnischen Minderheiten, die im vietnamesischen Norden bis heute beheimatet sind. Die kurzen Episoden aus dem Leben der Mutter, die Isabelle Müller vorlas, wurden von einer Diashow aus alten und neuen Bildern aus Vietnam untermalt. So konnten die Zuhörer zwei Stunden in die Geschichte des Landes und der Menschen eintauchen.

Isabelle Müller in der Engener Stadtbibliothek vor einem Bild ihrer vietnamesischen Mutter, deren Leben sie literarisch verarbeitet hat. Bild: Helene Kerle
Isabelle Müller in der Engener Stadtbibliothek vor einem Bild ihrer vietnamesischen Mutter, deren Leben sie literarisch verarbeitet hat. Bild: Helene Kerle

Im Anschluss an die Lesung entwickelte sich ein reges Frage-Antwort-Spiel. Die Autorin nutzte schließlich die Gunst des Publikums, um Interesse für ihre Stiftung "Loan" zu wecken, die sich für Kinder und Jugendliche im Norden Vietnams engagiert. Isabelle Müller schaffte einen wirklich gelungenen Abschluss für die Lesungs-Reihe in diesem Jahr.

 

Die Loan-Stiftung

Die Autorin Isabelle Müller gründete die Stiftung 2016, um Kinder im Norden Vietnams zu unterstützen. Die Stiftung setzt sich für den Bau von Kitas, Schulen und Schlafmöglichkeiten ein. Im Fokus steht die Hilfe für Kinder ethnischer Minderheiten, die in abgelegenen Regionen leben und nur unter äußerst erschwerten Bedingungen zur Schule gehen können. Die Autorin akquiriert Spenden und ist regelmäßig vor Ort, um die Projekte zu verfolgen.

Mehr Informationen auf: www.loan-stiftung.de

 

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