Wenn man hier in der Region tief genug graben würde, könnte man Fossilien finden. Das erzählt Wolfram Jänisch, der die Führungen im Urweltmuseum in Bodman macht. Die Millionen von Jahre alten Versteinerungen, die dort ausgestellt sind, stammen allerdings nicht vom Bodensee, sondern aus Holzmaden, wo sich das Mutterhaus des Museums befindet. Wolfram Jänisch freut sich über die Symbiose zwischen der Torkel und den Fossilien: „Das Gebäude und die Ausstellung haben sich gesucht und gefunden.“

Inzwischen ist das Urweltmuseum in Bodman seit rund sechs Wochen offen und nimmt die Besucher auf eine Zeitreise mit. Die Pandemie hatte alles verzögert und die Besucherzahlen haben noch Luft nach oben. Betreiber Rolf Hauff hofft, dass in den Sommerferien viele den Weg in die historische Schlosstorkel finden, in der das Museum auf zwei Stockwerken nicht nur Fossilien von Sauriern und anderen Lebewesen zeigt, sondern sie in Animationen sogar lebendig werden lässt.

Rolf Bernhard Hauff und seine rechte Hand Reintraut Graf.
Rolf Bernhard Hauff und seine rechte Hand Reintraut Graf. | Bild: Constanze Wyneken

Bisher seien durchschnittlich 20 bis 30 Besucher am Tag im Museum – an regnerischen Tagen wie in der vergangenen Woche durchaus mehr. Es hätten sich bereits einige Schulklassen für Führungen angemeldet. Wolfram Jänisch hat auch verschiedene Schulen angeschrieben, damit sie von den Angeboten erfahren und das Museum in den Unterricht einbauen können. Für die Schüler sei ein kleines Quiz entwickelt worden, das je nach Klassenstufe angepasst werden könne, erklärt er.

Ein Fisch aus der Urzeit.
Ein Fisch aus der Urzeit. | Bild: Löffler, Ramona

Wie der Bodensee in 40.000 Jahren aussehen wird

Obwohl die verschiedensten Saurier, Fische, Seelilien und Ammoniten in allen erdenklichen Größen an den Wänden, auf Holzpodesten oder in Glaskästen zu sehen sind, geht es im Urweltmuseum nicht rein um die Vergangenheit: Eine Simulation zeigt, wie der Bodensee in der Eiszeit entstanden ist und wie er sich den kommenden Jahrtausenden entwickeln könnte. „Der See war zu einem Zeitpunkt dreimal so groß wie jetzt und in 40.000 Jahren wird es nur noch den Überlinger See geben, weil er verlandet“, erklärt Jänisch.

Wolfram Jänisch macht die Führungen im Urweltmuseum. Hier erklärt er die Ammoniten, die zwar die Schnecken aussehen, aber zur Gattung der Seepferdchen gehörten. Hinter ihm liegt ein Saurier-Fossil auf dem Holzpodest. Bild: Ramona Löffler
Wolfram Jänisch macht die Führungen im Urweltmuseum. Hier erklärt er die Ammoniten, die zwar die Schnecken aussehen, aber zur Gattung der Seepferdchen gehörten. Hinter ihm liegt ein Saurier-Fossil auf dem Holzpodest. Bild: Ramona Löffler | Bild: Löffler, Ramona

An anderen Monitor-Säulen können die Besucher sich anschauen, wie die Kontinente der Erde entstanden sind oder sich die verschiedenen Saurier- oder Fisch-Arten fortbewegt haben. „Es fasziniert die Kinder, die Bewegungen zu verfolgen“, sagt Jänisch über die Lebewesen aus dem Jurameer. Und Kinder können die Nachbildung eines Saurier-Skeletts in einem raumgroßen Sandkasten ausbuddeln. Das sei so beliebt, dass er manchmal gar nicht hinterher komme, den Saurier für die nächsten jungen Besucher zu vergraben.

Manche Ausstellungsstücke sind mehrere Meter lang, zum Beispiel ein Ichthyosaurier oder eine Seelilie. Beide waren Lebewesen, auch wenn der Name der Seelilie trügt. Jänisch schildert, in jeder Gesteinsschicht sei nur eine Art zu finden, da sie alle nacheinander gelebt hätten.

Ein Pflanze? Nein, der Name trügt. Die Seelilie war ein Lebewesen.
Ein Pflanze? Nein, der Name trügt. Die Seelilie war ein Lebewesen. | Bild: Löffler, Ramona

Aber was ist eigentlich ein Fossil?

Es handelt sich um die versteinerten Knochen eines Lebewesens, das nach seinem Tod im Schlamm des Meeres versunken ist. Im Lauf der Jahrmillionen hat sich der Schlamm zu Gestein verhärtet und die Knochen darin als Fossilien abgebildet. Heutzutage würde nicht mehr aktiv gegraben, sagt Jänisch.

Und früher sei es oft so gewesen, dass Funde in Schiefersteinbrüchen wegen laufender Arbeiten schnell geborgen werden mussten. Aufgrund solcher Rettungsaktionen habe manches über Jahre gelagert, bis ein Präparator sich darum kümmern konnte. Manche Präparationen würden Tausende Stunden dauern. Bei einer Seelilien-Kolonie, die 100 Quadratmeter umfasst, habe es sogar 18 Jahre gedauert.

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